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19/04/2018 13:23 CEST | Aktualisiert 19/04/2018 13:23 CEST

Das Gefühl der Nostalgie

Im Klassenzimmer ist es leise, nur durch das Fenster hört man die Vögel zwitschern und weiter entfernt wird Laub weg gepustet. Im ganzen Raum liegt freudige Erwartung und das typische „Bald sind Ferien“ Gefühl. Mein Sitznachbar Kalle schiebt mir unauffällig einen kleinen, gefalteten Zettel zu. Schüchtern lächel ich ihn an und widme mich dann dem Papierschnipsel. Er ist von meiner besten Freundin Lisa, die 2 Reihen vor mir sitzt. „Nach dem Volleyball noch Sims bei mir?“ steht in unserer verschlüsselten Schrift drauf. Ich freue mich noch mehr auf den Nachmittag. Es klingelt und die ersten Schüler stürmen aus der Klasse, während unsere Lehrerin Frau Schöne noch verzweifelt probiert uns die Hausafgaben zu diktieren. Wir rennen aus der Klasse, fühlen uns frei, es riecht nach Sommer und mit dem Fahhrad rasen wir so schnell es geht so weit wie möglich von der Schule weg. Ich bin glücklich.

Kennt ihr auch dieses Gefühl der Nostalgie, was uns dann und wann mal durchstömt? Zurzeit durchlebe ich diese Gefühle besonders oft, werde teilweise mitten in der Nacht wach und denke an vergangene Ereignisse. Manchmal höre ich eine Melodie und fühle mich in der Zeit zurück versetzt, oder ich habe einen Geruch in der Nase, der mich Jahre zurück wirft. Manchmal kann ich auch garnicht genau sagen, woran ich mich gerade erinnere. Diese Erinnerungen sind teilweise wunderschön und manchmal wünsche ich mir, die Zeit nochmal zu erleben. Gleichzeitig werde ich von einer tiefen Traurigkeit übermannt, da ich weiß, dass das unmöglich ist. Vergangenes ist vergangen. Oft fällt es mir schwer, das zu akzeptieren. Was würde ich dafür tun, nochmal Kind zu sein! Oder meinen 14. Geburtstag nochmal zu erleben. Den ganzen Nachmittag Sims zu spielen und Ärger von meiner Mama zu bekommen, weil ich die gefüllte Tupperdose über die Ferien im Schultonister vergessen habe. Auch das Lernen und die damals für mich schrecklichen Abi Klausuren würde ich gerne nochmal machen. Hätte ich da schon gewusst, dass das wahrscheinlich eine der einfachsten Prüfungen in meinem Leben sein werden…

Heute schlagen wir uns mit Rechnungen rum, dem nächsten Handwerkertermin, den nervenden Chef und verflossene Liebhaber, die uns keine Ruhe lassen. Unsere Gedanken drehen sich um Diäten, Stress auf der Arbeit und ständige Kopfschmerzen. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen denke ich, dass wir uns unser inneres Kind bewahren sollten und uns etwas von der Unbeschwertheit abgucken sollten. Unsere Erinnerungen können wir mit kostbaren Edelsteinen vergleichen, die nur uns gehören und die wir uns immer wieder angucken können. Und auch wenn wir sie ganz tief in unserem Schmuckkasten in die Ecke legen, so wissen wir doch immer, wo sie sind, dass wir sie uns anschauen können und uns an ihrem Funkeln erfreuen können. Mit der Zeit kommen immer mehr Edelsteine hinzu und in 10 Jahren werden wir uns vielleicht genau an diesen Moment zurück erinnern und uns wünschen, diesen nochmal erleben zu dürfen.

Fühl doch mal! Geh raus! Hörst du nicht auch heute den Laubsauger und die Vögel? Siehst du nicht auch heute die Sonne, wie sie am Feld hinuntergeht? Das Glitzern des Rheins, wenn die Sonne draufscheint? Das bunte Treiben an den Eisdielen bei den ersten richtigen Sonnenstrahlen? Das warme Gefühl im Bauch, wenn die Sonne draufscheint? Ist das Leben nicht viel mehr, als der nächste Abgabetermin, das nächste Wochenende oder das nächste Gehalt? Nostalgische Gefühle sind was Tolles, sie spenden Trost und zeigen uns, wie dankbar wir für jeden Moment sein dürfen. Trotzdem leben wir im Hier und Jetzt und glaub mir: Du wirst noch so viele schöne Momente erleben!