POLITIK
26/09/2018 12:25 CEST | Aktualisiert 26/09/2018 15:59 CEST

"Vorbei für Merkel": ARD-Chef sagt mögliches Ende für CDU-Chefin voraus

"Getreu dem Motto: Ich schlage den Sack, aber ich meine den Esel. Getroffen aber wurde die Kanzlerin.”

Sean Gallup via Getty Images
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gilt nach der Abwahl von Volker Kauder als Unions-Fraktionsvorsitzender als angeschlagen.
  • ARD-Chefredakteur Rainald Becker wertet die Abwahl von Kauder als Unionsfraktionschef als Machtverlust für die Kanzlerin. 
  • Er warnt: Handelt Merkel jetzt nicht, werde sie bald auch den Parteivorsitz verlieren. 

Für viele Beobachter war es eine Überraschung: Am Dienstag wählte die CDU/CSU-Fraktion den Merkel-Vertrauten Volker Kauder als Vorsitzenden ab und entschied sich für den bisher eher unbekannten Ralph Brinkhaus. 

13 Jahre lang hatte Kauder für Merke die Fraktion organisiert. Seine Abwahl ist ein Denkzettel für die Kanzlerin. 

“Es war ein Signal des Zorns, der Wut und der Frustration, es war eine Ansage an eine schwächelnde Kanzlerin”, kommentiert ARD-Chefredakteur Rainald Becker am Dienstagabend in den “Tagesthemen” das politische Ereignis des Tages. 

Er stellt auch eine düstere Prognose für die Zukunft von Angela Merkel aus, sollte die Kanzlerin nicht aus ihren Fehlern lernen. 

ARD-Mann: “Getroffen aber wurde Merkel” 

Für Becker ist die Abwahl von Kauder auch eine Folge der beiden schweren Regierungskrisen in diesem Jahr: der Streit um Zurückweisungen an der Grenze und die gerade erst beendete Maaßen-Affäre. “All das hat sich heute entladen”, sagt Becker. 

► Dann setzt der ARD-Mann zu einem Sprichwort an: “All das musste heute raus. Getreu dem Motto: Ich schlage den Sack, aber ich meine den Esel. Getroffen aber wurde die Kanzlerin.”

Der Autoritätsverlust von Merkel sei nun mit Händen zu greifen. Ebenso wie der Wunsch der Union nach Erneuerung. 

Dann kommt die düstere Vorhersage:

“Wenn Angela Merkel jetzt nicht ganz schnell die Kurve kriegt, Führungsstärke zeigt und klare Ansagen macht, dann ist es vorbei. Dann sollte sie besser im Dezember nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Es könnte ihr sonst gehen, wie heute Volker Kauder.”

“Mit oder ohne Merkel”

Zum Parteitag im Winter will sich Merkel wieder zur Vorsitzenden wählen lassen. Aber geht es nach Becker, muss sie zuvor einiges leisten – will sie keine Blamage kassieren.

Die Frage ist nur: Kann Merkel das Ruder noch rumreißen? Oder ist in der CDU in den vergangenen Monaten das Misstrauen über die Kanzlerin zu groß geworden?

Der CSU jedenfalls droht eine herbe Wahlniederlage im Oktober, die Partei liegt hier bei 35 Prozent derzeit in den Umfragen. Möglich, dass die Bayern die Wut über die Blamage an der Kanzlerin in Berlin auslassen. 

Becker jedenfalls warnt, dass die AfD derzeit über die schwächelnde Merkel frohlocke, von den Regierungskrisen profitiere und schon von der “Machtübernahme” phantasiere. “So weit darf es aber nicht kommen. Um das zu verhindern, bedarf es schnell wieder einer starken Union. Mit oder ohne Merkel.”

Die einst als alternativlos geltende Kanzlerin: Für Becker ist sie nicht mehr der Garant für Stabilität. 

(vw)