POLITIK
15/10/2018 20:53 CEST | Aktualisiert 16/10/2018 10:52 CEST

CSU-Politiker Schmid: "Wir müssen die Mitte halten"

Der neue Gegner für die CSU sind die Grünen.

Michael Gottschalk via Getty Images
Der CSU-Politiker Josef Schmid war bisher 2. Bürgermeister von München, jetzt zieht er in den Landtag ein. Er gewann seinen Stimmkreis München-Pasing mit rund 32 Prozent der Stimmen. Auf Platz 2 landete der Kandidat der Grünen mit rund 26 Prozent der Stimmen. 

Nach einem Wahlabend wie am Sonntag, sollte man meinen, dass in der CSU Katerstimmung herrscht. Doch Ministerpräsident Markus Söder gab schon kurz nachdem die ersten Hochrechnungen eintrudelten selbstbewusst die Interpretation der Wahl vor: Er erklärte, die CSU müsse das Ergebnis mit “Demut” annehmen, man sei aber “stärkste Kraft” geworden und habe “den klaren Wählerauftrag” erhalten. 

Von schlechter Stimmung also keine Spur. Wirklich nicht?

Wir wollten es genauer wissen und haben mit dem 2. Bürgermeister von München, dem CSU-Politiker Josef Schmid, telefoniert. Wir erreichen ihn in einer Pause des Sitzungsmarathons, den die CSU-Entscheider heute absolvieren.

HuffPost: Herr Schmid, ist die CSU jetzt eine ganz normale Partei?

Josef Schmid: Das hätten viele gern, aber den Gefallen tun wir ihnen nicht. Wir liegen mit dem Wahlergebnis immer noch zehn Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt der Union, das ist eine deutliche Überperfomance. Außerdem haben wir einen klaren Regierungsauftrag erhalten.

Das klingt ja fast nach einem Wahlerfolg.

Wir brauchen nicht drumherum zu reden: Es ist nicht befriedigend, wenn man 10 Prozentpunkte verliert.

Also doch ein bisschen Katerstimmung?

Wer sich Zahlen anschaut, der sieht: Der große bürgerliche Block in Bayern bestehend aus CSU und den Freien Wählern, der FDP und auch den bürgerlichen Wählern der AfD ist nicht geschrumpft. Sehr viele Wähler der drei Parteien können wir künftig zurückgewinnen.

In den Großstädten sieht das Bild anders aus. Die Grünen haben zur CSU aufgeschlossen, in München sind sie gar stärkste Kraft.

Auch hier lohnt ein genauer Blick. Die CSU hat in München gerade einmal 2000 Wähler an die Grünen verloren, die SPD dagegen 86.000. Die Sozialdemokraten haben also Stammklientel verloren, nicht wir. Dieses Phänomen ist in allen bayerischen Großstädten zu beobachten.

Dennoch holen die Grünen auf.

Richtig. Früher war unser Wettbewerber im linken Lager die SPD, nun sind es die Grünen. Wir nehmen den Wettbewerb auf. Das wird eine Herausforderung und wir müssen uns intensiv Gedanken machen, wie wir unsere Politik ausrichten. Denn zur Wahrheit gehört auch: Wir haben bayernweit knapp 200.000 Wähler an die Grünen verloren. Aber mir ist mit Blick auf künftige Wahlen nicht bange.

Erwarten die CSU jetzt Tage des Zorns, wie der “Münchner Merkur” schreibt?

Das Gegenteil ist der Fall. Im Parteivorstand gab es heute absolute Übereinstimmung und geschlossene Unterstützung für Markus Söder. Wir können es uns jetzt auch gar nicht leisten zu streiten. In vier Wochen muss die neue Koalition stehen. Da ist es klug und vernünftig zu sagen: Erst kommt die Regierungsbildung, dann gehen wir in die gründliche Analyse, was bei dieser Wahl hätte besser laufen können.

Also gibt es erst einmal keine personellen Konsequenzen?

Ich finde es gut, dass Horst Seehofer gesagt hat, wir diskutieren offen – auch was die künftige Personalaufstellung angeht. Das ist ein wichtiges Signal. Aber wie gesagt: Erst einmal steht die Regierungsbildung im Vordergrund.

Was ist eine wichtige Lehre aus der Wahl, die Sie jetzt schon ziehen?

Wir haben keine Wähler der AfD zurückgewinnen können, gleichzeitig haben wir in der Mitte verloren. Die CSU war immer groß, wenn sie die volle gesellschaftliche Bandbreite hatte: Wenn sie konservative Wähler angesprochen, aber auch die Mitte gehalten hat. Das müssen wir wieder schaffen.