POLITIK
22/07/2018 15:01 CEST

CSU geht gegen "#ausgehetzt"-Demo vor: Ein Tweet zeigt, wie absurd das ist

"Ich habe es erst jetzt verstanden, weil es so hirnverbrannt ist."

dpa / csu / HUFFPOST
#ausgehetzt: 20.000 Menschen werden am Sonntag zu einer Großdemonstration in München erwartet.
  • Unter dem Motto ”#ausgehetzt” demonstrieren tausende Menschen am Sonntag in München gegen die Politik der CSU.
  • Die Partei wollte ihrerseits gegen die Großdemo ein Zeichen setzen – mit einem absurden Plakat. 

Über Nacht tauchten sie plötzlich überall in der bayerischen Landeshauptstadt auf: blaue Plakat mit der Botschaft “Bayern lässt sich nicht verhetzen.” 

Aufgehängt hatte die Poster die CSU in München. Die Plakate richteten sich gegen eine Großdemonstration an diesem Sonntag.

Sie steht unter dem Motto “#ausgehetzt – gemeinsam gegen die Politik der Angst”. Die Demonstranten wollen ein Zeichen setzen gegen den in ihren Augen verrohten Stil der CSU in der Asyldebatte. 

Die CSU schlug nun also in der Nacht zurück – und setzte ihrerseits ein Zeichen gegen diese Demonstration. “Ja zum politischen Anstand! Nein zu #ausgehetzt”, steht auf den Plakaten, die überall in München zu sehen sind.

Die Partei selbst schreibt auf Facebook zu dem Plakat: “Der Freistaat stünde heute nicht so da, wenn die CSU hier nicht seit sechs Jahrzehnten stets das Beste für Bayern im Blick gehabt hätte.”

► Die CSU, die die Regierung des größten Bundeslandes der Republik stellt, sieht sich offenbar veranlasst, eine angemeldete Demonstration gegen sich zu diskreditieren. 

Ein Tweet bringt die Absurdität auf den Punkt

► Wie absurd das ist, brachte der SPD-Dauertwitterer Christopher Lauer prägnant und ironisch auf den Punkt: 

“Ey sorry, dass ich sooooo lange auf dem Schlauch stand, aber ich glaube ich hab es jetzt erst verstanden, weil es so hirnverbrannt ist: Es gibt in München eine Demo _gegen_ Hetze und die CSU hängt Plakate _gegen_ diese Demo auf und begründet das mit ‘politischem Anstand’?”

Bei der Demonstration werden 20.000 Menschen erwartet. Veranstalter sind zahlreiche Organisatoren, Kirchen und Parteien, darunter Pro Asyl, ver.di und Attac, aber auch das Volkstheater und die Kammerspiele.

► Ihnen allen spricht die CSU mit dem Plakat “politischen Anstand” ab. 

► Zur Absurdität um ”#ausgehetzt” gehört auch: Die CSU hatte versucht, die Demonstration zu verhindern und sich dabei auch mit den beiden Intendanten der Münchner Kammerspiele und des Volkstheaters, Matthias Lilienthal und Christian Stückl, öffentlich angelegt.

Die Mimimi-Geschütze der CSU

► Die Plakat-Aktion wurde dann auch heftig kritisiert. “Spiegel Online” titelte am Sonntagmittag: “CSU plakatiert gegen freie Meinungsäußerung”.

► Der Aktivist Werner Gaßner zeigte auf mehreren Fotos, wo die CSU die Plakate überall zeigte. Unter anderem auf einem Kleinlaster, der wohl Demonstranten auf dem Weg nach München auf der Autobahn begrüßen sollte. 

Gaßner kommentierte: “Die CSU fährt #mimimi-Gschütze (sic) gegen eine Demonstration auf und zeigt, was sie von einer Gegenmeinung hält.”

► Die stellvertretende Vorsitzende der SPD in Bayern, Johanna Uekermann schrieb auf Twitter:

“Egal, wie viel Plakate die #CSU aufhängt: Wer sich über Abschiebungen amüsiert, von ‘Asyltourismus’ schwadroniert, die freie Meinungsäußerung in Frage stellt und ein Klima der Angst befeuert, der hat eines sicher nicht: politischen Anstand.”

► Der Leiter des Politikressorts der Wochenzeitung “Die Zeit”, Bernd Ulrich, kommentierte auf Twitter: “Nur die #CSU kann Bayern vor der CSU retten!”

Trotz des schlechten Wetters in München zeigten Fotos am Sonntagnachmittag einen regen Andrang bei der Großdemo.