POLITIK
28/02/2019 09:50 CET | Aktualisiert 28/02/2019 10:56 CET

Cohens Abrechnung: In einer normalen Welt wäre dieser Auftritt Trumps Ende

Die HuffPost-These.

Bloomberg via Getty Images
Michael Cohen beschuldigte Trump 

Nicht nur Michael Cohens Long-Island-Akzent erinnert am Mittwoch an einen Mafia-Film. Sondern vor allem, was Cohen während seiner Anhörung vor dem Kongress sagt. 

Cohen spricht über Donald Trump, seinen langjährigen Arbeitgeber und heutigen Präsidenten der USA.

Trumps Ex-Anwalt wirft diesem eine ganze Serie an Verbrechen und verbrecherischen Taten vor: Steuerbetrug, Bankbetrug, Bilanzfälschung, illegale Wahlkampfspenden, Aufforderungen zur Gewalt, implizite Aufforderungen zu Lügen gegenüber Ermittlern und dem Parlament, Wissen über die Kontakte seines Wahlkampfteams zur Enthüllungsplattform Wikileaks. 

Cohen spricht darüber, wie rassistisch Trump sei, dass dieser Schwarze als “zu dumm” bezeichnet habe, um ihn zu wählen und jedes von einem schwarzen Mann regierte Land als “Drecksloch”.

Und er spricht über seinen ehemaligen Chef wie über einen Paten, einen Mafia-Boss

“Haben Sie Donald Trump einmal Gewalt anwenden sehen?”, fragt eine Abgeordnete Cohen. “Nein. Dafür hat er Leute”, sagt dieser. Ob Trump ihn explizit beauftragt habe, Verbrechen zu begehen, wird Cohen gefragt. “Nein, aber er hat einen Code, in dem er spricht. Und ich verstehe diesen Code.” 

► Der stundenlange Auftritt ist eine Abrechnung. 

Eine, die womöglich zu missachten wäre, wenn Cohen nur der unter anderem für Bankbetrug, Steuerbetrug und Lügen vor dem Kongress verurteilte Kriminelle wäre. Wenn er bloß das wäre, als das ihn am Mittwoch die Republikaner im Kongress darstellen: Ein Lügner auf einem Rachefeldzug gegen seinen ehemaligen Chef. 

Aber Cohen ist mehr als das. Cohen war Donald Trumps Fixer, er hat über zehn Jahre die Drecksarbeit für den Immobilienunternehmer gemacht. Ja, er habe gelogen, ja, er sei ein Krimineller, gibt Cohen zu. Aber er habe das alles eben für und mit Trump gemacht. 

Eine solche Beteuerung allein reicht nicht aus, um Cohen glaubhaft zu machen. Den Worten des 52-Jährigen blind zu vertrauen, wäre unangebracht. Aber blindes Vertrauen in Cohen ist nicht nötig. Denn dieser hat dem Kongress Beweise mitgebracht. 

► Etwa Berichte über Trumps Finanzen aus den Jahren 2011 bis 2013, die dieser unter anderem der Deutschen Bank zur Aufnahme von Krediten vorlegte und die laut Cohen zeigen, dass der heutige US-Präsident über sein Vermögen gelogen hat. 

► Und vor allem: Schecks aus dem Jahr 2017. Schecks, die teilweise von Trump höchstpersönlich unterschrieben wurden – und die laut Cohen im Laufe des Jahres, also als Trump bereits Präsident war, ausgezahlt wurden, um ihn für die Zahlung des als illegale Wahlkampfspende geltenden Schweigegelds an die Pornodarstellerin Stormy Daniels zu entschädigen. 

Doch noch wichtiger als Cohens Dokumente sind seine Aussagen über weitere Mittäter aus Trumps Umfeld, die an den illegalen Machenschaften des Unternehmers beteiligt gewesen seien. 

Mittäter, die der Kongress bald ebenfalls zur Aussage unter Eid vorladen könnte. 

Cohens Liste

Ein Name, den Cohen immer wieder nennt: Allen Weisselberg. 

Weisselberg war Trumps Mann für das Geld, sein Finanzchef bei der Trump Organization. Der Mann also, der alles über Trumps Vermögen weiß – und laut Cohen mitgeholfen hat, Lügen über dieses zu verbreiten. 

Trumps Ex-Anwalt berichtet etwa davon, dass er gemeinsam mit Weisselberg den Wert von Trumps Besitztümern hochgelogen habe, damit dieser jedes Jahr auf der berühmten Forbes-100-Liste der reichsten Menschen der Welt nach oben klettern könne. 

Cohen berichtet aber auch, dass Weisselberg Trumps Angaben über dessen Finanzen gegenüber Banken gefälscht habe – und dass Weisselberg auch von den Schweigegeld-Zahlungen an Stormy Daniels gewusst und sogar ebenfalls einige Schecks an Cohen unterschrieben habe. 

So wie auch Donald Trump Jr., der älteste Sohn des Präsidenten. Auch diesen belastet Cohen als Mitwisser der Finanzverbrechen des US-Präsidenten.

Zwei weitere brisante Namen: Rhona Graff und Jay Sekulow. “Sie (Graff) wusste, was los war”, sagte Cohen über Trumps langjährige Assistentin. Sekulow, einem Anwalt Trumps, warf er vor, die Aussagen, die Cohen bei seiner ersten Anhörung vor dem Kongress im Jahr 2017 machte, umgeschrieben zu haben.

Jene Aussagen also, wegen derer Cohen der Lüge überführt wurde. 

Trumps organisiertes Verbrechen

In einer normalen Welt, einer, in der Skandale noch wirklich Skandale sind, wären Cohens Aussagen der Beginn vom Ende der Trump-Präsidentschaft. 

Allein die Verwicklung Trumps in die Schweigegeld-Zahlungen an Stormy Daniels und damit in illegale Wahlkampfspenden – Verwicklungen, die auch Ermittler vermuten – wären genug, um ein Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten einzuleiten. 

Doch dazu wird es nicht kommen. Grund sind die Republikaner, die ihren Präsidenten blind schützen. Nicht eine einzige Frage zu den Vorwürfen gegenüber Trump stellten die republikanischen Abgeordneten im Kongress Cohen am Mittwoch.

Sie arbeiteten sich lieber stundenlang daran ab, ob dieser wohl einen Buchdeal abgeschlossen habe, um mit seinen Aussagen über Trump Geld zu verdienen. Cohen, so das Argument der Republikaner, sei als Zeuge absolut unglaubwürdig – schließlich sei er ein Verbrecher. 

Wie aberwitzig dieses Argument ist, legte der demokratische Abgeordnete Gerry Conolly offen. Er wütete in Richtung seiner konservativen Kollegen: “Wenn wir so argumentieren, dann ist jedes Verfahren gegen das organisierte Verbrechen in diesem Land hinfällig – denn bei jedem kam es auf Aussagen von Überläufern an.”

Im Angesicht der Trump vorgeworfenen Vergehen ein passender Vergleich. 

(lp)