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28/06/2018 12:35 CEST | Aktualisiert 28/06/2018 14:39 CEST

Krude Theorie: Claus Strunz schiebt WM-Aus auf Flüchtlingskrise

"Keine Ahnung von Fußball, aber Hauptsache eine Möglichkeit zu hetzen.”

Stefan Matzke - sampics via Getty Images
Das DFB-Team nach der Niederlage gegen Südkorea.
  • Deutschland hat am Mittwoch gegen Südkorea verloren und ist bei der Weltmeisterschaft ausgeschieden. 
  • Journalist Claus Strunz missbraucht die Enttäuschung der Fans, um eine krude Theorie zur aktuellen politischen Situation zu verbreiten.

Nach der demütigenden 0:2 Niederlage gegen Südkorea scheidet die deutsche Nationalmannschaft als Gruppenletzter aus der Fußballweltmeisterschaft in Russland aus.

Millionen Deutsche Fußball-Fans haben den Grund identifiziert: Die DFB-Elf hat einfach unfassbar schlecht gespielt. 

Journalist Claus Strunz hat eine andere Theorie. Eine ziemlich krude zwar, aber das hält ihn nicht davon ab, das WM-Debakel nun für seine Sache zu nutzen.

Im Sat.1-Frühstücksfernsehen versuchte er, die deutsche Fußball-Niederlage zu analysieren. Dabei ging es ihm aber nicht um die sportliche Leistung einzelner Spieler oder strategische Fehlentscheidungen von Trainer Jogi Löw. Nein, er palaverte einfach über sein Lieblingsthema: Flüchtlinge. Und Merkel. 

Das schlechte Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft sei nämlich ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, verkündete Strunz und verfiel in Nostalgie.

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Strunz: “Vor vier Jahren gab es noch keine Flüchtlingskrise”

Vor vier Jahren, als Deutschland Weltmeister wurde, sei alles noch prima gewesen: “Vor vier Jahren gab es noch keine Flüchtlingskrise, vor vier Jahren gab es noch eine einigermaßen funktionierende große Koalition, vor vier Jahren gab es noch nicht das unsichere Gefühl im Alltag, kriegen wir die Herausforderungen in den Griff.”

Bitte was?

Was er vergisst: 2014 ist das Jahr des Ukraine-Konfliktes, der Edathy-Affäre – das Jahr, in dem die Terrorgruppe Islamischer Staat anfing, auch in Europa Angst und Schrecken zu verbreiten. “Trotzdem” gewann Deutschland.

Was er auch vergisst: Auf dem Spielfeld stehen nicht 80 Millionen Deutsche, sondern elf gut verdienende Fußball-Stars, die sich extrem schlecht mit dem deutschen Bevölkerungsdurchschnitt vergleichen lassen. Schon allein wegen ihres Geschlechts und Alters.

Außerdem darf stark bezweifelt werden, dass die Sorge um die große Koalition  oder die Flüchtlinge die DFB-Elf in ihrer Leistung eingeschränkt hat.

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“Es läuft schlecht im Land, schlecht auf dem Fußballplatz – ich glaube, es hat etwas miteinander zu tun”

Strunz erklärt seine löchrige Theorie munter weiter: “Es war ein anderes Land, eine andere Mannschaft, eine andere Identifikation. Es läuft schlecht im Land, schlecht auf dem Fußballplatz – ich glaube, es hat etwas miteinander zu tun.”

 

In seinem Kommentar greift Strunz noch zu einem weiteren hanebüchenen Vergleich und zieht Parallelen zwischen dem “müde wirkenden” Jogi Löw und Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Strunz findet: Löw hätte Özil und Gündogan Zuhause lassen müssen, während Merkel im Asylstreit endlich auf Seehofer hören sollte.

Was der Asylstreit zwischen CDU und CSU mit Özil und Gündogan zu tun hat, erschließt sich jedoch nur Strunz. 

Am Schluss lässt Strunz (wenig überraschend) durchblicken, dass er sich einen Rücktritt von Kanzlerin und Bundestrainer wünschen würde.

Viele Twitter-Nutzer kritisierten Strunz für seinen Kommentar.

Einer hofft, dass der Beitrag satirisch gemeint war. Ein anderer schreibt: “Wirklich unglaublich, wie Sie ein simples Spiel namens Fußball so für die Verbreitung ihrer rechten Gedankenflüsse missbrauchen. Keine Ahnung von Fußball, aber Hauptsache eine Möglichkeit zu hetzen.”

Dem ist nichts hinzuzufügen.

(jds)