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11/10/2018 08:24 CEST | Aktualisiert 11/10/2018 11:15 CEST

Clan-Frau gelingt nach Zwangsheirat die Flucht – jetzt packt sie aus

"Ich wurde als Ware hingestellt. Dann hat mich ein Mann beurteilt und eingewilligt, mich zu heiraten."

RTL
Eine Clan-Aussteigerin, die unerkannt bleiben möchte, erzählt über Clan-Strukturen.
  • In der Sendung “Stern TV” gibt eine Clan-Aussteigerin seltene Einblicke in die Strukturen von deutschen Clan-Familien.
  • Sie selbst wurde im Libanon-Urlaub von ihren Eltern mit einem Clan-Mitglied zwangsverheiratet. 

Am 10. September ist ein 36-Jähriger am Tempelhofer Feld in Berlin angeschossen worden – wenig später starb er im Krankenhaus.

Bei dem Mann soll es sich um das Mitglied eines kriminellen Clans handeln.

In den letzten Wochen machen vermehrt kriminelle Clan-Familien in den Medien Schlagzeilen.

In einem Interview mit dem “Stern” sprachen Rapper Bushido und seine Frau Anna-Maria Ferchichi beispielsweise offen über ihre Vergangenheit: rund 10 Jahre lang gehörten die beiden zum Abou-Chaker-Clan, einer deutsch-arabischen Großfamilie, die mit organisierter Kriminalität in Verbindung steht.

Clan-Aussteigerin spricht über ihre Zwangsheirat

Bei “Stern TV” am Mittwochabend packt nun auch eine 25-jährige Clan-Aussteigerin aus.

Der Sender gibt ihr den Namen Leila. Sie hat Angst, möchte nicht erkannt werden. Die Frau ist in Deutschland geboren, ihre Eltern stammen aus dem Libanon.

Vor fünf Jahren wurde sie bei einem vermeintlichen Familienurlaub im Libanon überraschend mit einem Clan-Mitglied zwangsverheiratet.

“Ich wurde als Ware hingestellt. Dann hat mich ein Mann beurteilt und eingewilligt, mich zu heiraten”, sagt die Frau.

Leilas Eltern hatten die Heirat eingefädelt – für die Frau ein Schock: “Ich hätte niemals gedacht, dass meine Familie mit solchen Menschen verkehrt.”

Als sie den Namen des Mannes gehört habe, sei es ihr schaurig geworden.

Schließlich habe sie gewusst, dass er zu einer berüchtigten Clan-Familie gehöre, die auch in Deutschland in der organisierte Kriminalität tätig sei.

Ob es sich dabei um den Remmo-, Al-Zein- oder den Abou-Chaker-Clan handelt, sagt die heute 25-Jährige im Interview allerdings nicht.

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Mitglieder des Al-Zein-Clans in Berlin.

 

Aussteigerin: “Ich lebe in ständiger Angst, dass ich gefunden werde”

Die Frau lebt nach der Zwangsheirat zwei Jahre im Libanon, wird von ihrem Mann vergewaltigt.

Dann kommt sie zurück nach Deutschland – mit ihrem Ehepartner. Er kann durch die Ehe mit Leila, die einen deutschen Pass hat, ins Land einreisen.

In Deutschland schließt er sich seiner libanesischen Großfamilie an.

Nach weiteren zwei Jahren gelingt Leila die Flucht, sie taucht unter.

Die heute 25-Jährige fürchtet sich jeden Tag vor den Clan-Mitgliedern: “Ich lebe in ständiger Angst, dass ich gefunden werde.”

Kontakt zu ihren Eltern habe sie nicht mehr. Einen Wunsch gebe es aber: ”Ich wünsche mir, meine Geschwister wiederzusehen. Ohne die Angst zu haben, umgebracht zu werden.”

Die Frau berichtet dem TV-Sender, dass der Clan vor allem mit Drogen deale, um an Geld zu kommen. Aber auch Waffen- und Frauenhandel seien gängige Geschäftsmodelle der Clan-Mitglieder.

25-Jährige: “Morgen kommt dann einer, der die Siegessäule umhaut. Dann haben die das Sagen”

Die Frau ist sich sicher, dass sie nicht das einzige Opfer ist: “Wenn man bei den Clans die Haustür aufmachen und die Frauen fragen würde, wer freiwillig geheiratet hat, dann würde keine einzige ‘Ja’ sagen.”

Leila ist der Meinung, dass Deutschland ein Clan-Problem habe.

Zumal einzelne Mitglieder auch in Einkaufszentren einbrechen und in aller Öffentlichkeit mit Waffen hantieren. Die Aussteigerin ist dabei sicher: Den Mitgliedern geht es bei einem Einbruch nicht primär um Profit.

Es sei vielmehr ein Kampf um die Machtstellung: “Wenn jemand einbricht, dann sagt das: ‘Wir sind die Obersten’. Und morgen kommt dann einer, der die Siegessäule umhaut. Dann haben die das Sagen.”

(lp)