POLITIK
08/08/2018 18:29 CEST | Aktualisiert 08/08/2018 18:37 CEST

Chinas Hardliner: Wie sich Peking auf Kriege mit den USA vorbereitet

"Wir wissen nicht, wie weit China die Eskalation eines solchen Konfliktes vorantreiben würde, sollte es wirklich zu ihm kommen.”

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Ein chinesischer Soldat steht vor dem Nationalen Kongress in Peking.

Der Zwischenfall ereignet sich im Frühjahr in Djibouti. Zwei Piloten der US-Airforce erleiden laut dem Pentagon “leichte Verletzungen”. Jemand hat Laser auf ihre Cockpits gerichtet. 

Es ist laut dem Verteidigungsministerium bereits der zehnte solche Angriff auf Airforce-Piloten in dem ostafrikanischen Land, in dem die USA eine Militärbasis unterhalten, um Drohnenangriffe auf Terroristen im Jemen und Somalia zu fliegen. 

“Das sind ernste Vorfälle”, sagt eine Sprecherin des Pentagons am 3. Mai in Washington. “Unsere Soldaten sind in Gefahr.” 

Doch wer ist der Angreifer? Für die USA ist klar: China. Die asiatische Großmacht unterhält ebenfalls eine Militärbasis in Djibouti. Es ist eine direkte Front zwischen den Vereinigten Staaten und dem Reich der Mitte. 

Eine weitere verläuft im Pazifik, im südchinesischen Meer, in dem sowohl China als auch die USA um Einfluss ringen. Auch hier kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, vor einem Jahr etwa drängten chinesische Kampfjets ein Spionageflugzeug der USA von dessen Route ab. 

► Noch ist es ein Kalter Krieg, der zwischen China und den USA stattfindet.

Doch unter Donald Trump hat sich der Konflikt verschärft. Der US-Präsident betrachtet die chinesische Diktatur und dessen Machthaber Xi Jinping als größte Bedrohung für sein Land.

In der Nationalen Sicherheitsstrategie des Weißen Hauses wird China 33 mal erwähnt – weit öfter als etwa Russland (25). Zudem hat die Trump-Regierung sich bereits zwei Mal zu Gesprächen mit Vertretern aus Australien, Japan und Indien getroffen, um die Bedrohung durch China in der Pazifikregion zu diskutieren. 

Es ist ein Paradigmenwechsel, der auch in Peking registriert wird. Von Xi Jinping selbst – und von seinen Streitkräften, die sich für einen möglichen Krieg mit den USA rüsten. 

Trump, Xi Jinping und ein Krieg, den beide fürchten

Noch im Jahr 2014 schrieb der chinesische General Pen Guangqian in einem Gastbeitrag für die US-Ausgabe der HuffPost: “Ein friedlicher Machtwechsel zwischen China und den USA ist möglich. Und er muss friedlich sein.” 

Es müsse einen “weichen Machtübergang” zwischen China und den USA geben. Nichts könne den Aufstieg seines Landes aufhalten, schrieb Peng, China werde weiter wachsen und mächtiger werden – “doch Chinas Stärke ist keine Bedrohung”. 

Ein militärischer Konflikt, schrieb Peng, sei deshalb sinnlos: “In einem Krieg zwischen China und den den Vereinigten Staaten kann es keine Gewinner geben.”  

Diese Einschätzung mag lange richtig gewesen sein. Doch die Stimmung in China hat sich gewandelt. 

Im Januar hielt Diktator Xi Jinping eine Rede vor seinen Streitkräften. “Weder Mühsal noch Tod” sollten diese scheuen, die Truppen sollten “immer bereit sein, zu kämpfen”.

Der chinesische Ex-General Xu Guangyu sprach daraufhin in der “Global Times” von einer historischen Ansprache“Sie zeigt, dass Kampfbereitschaft nun eine strategische Mission des chinesischen Militärs ist.”

Und Trumps aggressives Verhalten gegenüber China hat das Land nun unter Zugzwang gesetzt. 

Luo Yuan, ein pensionierter chinesischer General und einer der angesehensten Militärexperten Chinas, schreibt laut dem Magazin “The Diplomat” in einem aktuellen USA-Bericht seines Think Tanks China Strategic Culture Promotion:

“Während Barack Obama den Terror, den Iran und Nordkorea als größte Sicherheitsrisiken betrachtete, hat Donald Trump Russland und China als größte Bedrohungen benannt. Das erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Konfrontation und einem Konflikt zwischen China und den USA kommt, sondern erklärt auch, warum Trump seinen Handelskrieg gegen China führt.” 

Trump, so schreibe es Luo, sehe die Beziehung zwischen den USA und China als Nullsummenspiel in einem Kalten Krieg.

► China müsse nun ein “strategisches Selbstbewusstsein” entwickeln, ohne zu konfrontativ aufzutreten – gleichzeitig aber sein Militär Schritt für Schritt aufrüsten. 

Längst hat Diktator Xi diesen Prozess begonnen. Beim Nationalkongress im Oktober 2017 kündigte er an, dass die chinesische Volksbefreiungsarmee bis 2050 zur stärksten und modernsten Streitkraft der Erde werden soll. 

Die USA sollen abgeschreckt werden. Und dann übertrumpft. 

“Wir wissen nicht, wie weit China die Eskalation treiben würde”

“Peking ist daran interessiert, einen katastrophalen Krieg zu vermeiden und den Frieden in seiner Peripherie zu bewahren”, sagt Derek Grossman, Analyst und China-Experte bei der RAND Corporation, einem konservativen Think Tank für Sicherheits- und Militärpolitik in den USA. 

► Er glaubt, dass China sich seine Möglichkeiten des wirtschaftlichen Wachstums nicht durch einen militärischen Konflikt verbauen wolle. 

Dennoch weise die durch Xi beschlossene Aufrüstung und Modernisierung der Volksbefreiungsarmee darauf hin, dass sich das Land auf mögliche Kriege der Zukunft – etwa in Taiwan sowie dem süd- oder ostchinesischen Meer – vorbereite. 

“Und offen gesagt wissen wir nicht, wie weit China die Eskalation eines solchen Konfliktes vorantreiben würde, sollte es wirklich zu ihm kommen”, sagt Grossman. 

► “Doch was wir wissen, ist das Peking sich auf einen solchen Tag vorbereitet, indem es seine militärischen Fähigkeiten erweitert, seine Streitkräfte modernisiert und seine Präsenz innerhalb der Region verstärkt.” 

Es ist fraglich, ob so ein Tag jemals kommt; ob die USA und China wirklich Gefahr laufen, der berühmte Thukydides-Falle zum Opfer zu fallen – jener Weisheit des griechischen Historikers, die besagt, dass eine aufstrebende Großmacht stets zum Krieg gegen die bisher dominante Kriegsmacht gezwungen ist.

Doch ausgeschlossen ist es nicht. 

Alles, was es brauchen könnte, ist eine außer Kontrolle geratende Provokation der Lage im südchinesischen Meer. Eine vollkommene Eskalation der Handelskriegs zwischen China und den USA.

Oder eine tödlich endende Laserattacke in Djibouti. 

(ben)