POLITIK
11/01/2018 11:29 CET | Aktualisiert 11/01/2018 15:57 CET

Dieser globale Konflikt könnte 2018 eskalieren – und kaum jemand beachtet ihn

Es geht um künstliche Inseln - und einen möglichen Krieg zwischen China und den USA.

Dondi Tawatao via Getty Images
Proben für den Ernstfall: Philippinische Soldaten bei einer Militärübung 
  • Am westlichen Rand des pazifischen Meers droht Krieg
  • Es geht um wertvolle Ressourcen – und den Machtanspruch Chinas

Die Inselgruppen Paracel und Spratly liegen mitten im Nirgendwo, auf hoher See zwischen Vietnam, China, den Philippinen und Malaysia. 

Die Inseln sind größtenteils unbewohnt, doch es wird vermutet, dass sie wertvolle Bodenschätze und seltene Erden beherbergen. Auch aus strategischer Sicht liegen sie günstig: Wer die Herrschaft über die Paracel- und Spratly-Archipele erlangt, kann den gesamten Schiffsverkehr im Südchinesischen Meer kontrollieren. 

In der Region wird deshalb seit Jahrzehnten ein Konflikt über den Hoheitsanspruch über die Inseln und die sie umgebende Meeresregion ausgefochten. China beansprucht 90 Prozent des Gebietes. Außerdem melden die Philippinen, Vietnam, Malaysia und Brunei Ansprüche an. 

Doch in den vergangenen Jahren ist die Situation massiv eskaliert

Denn China hat begonnen, seinen Machtanspruch im südchinesischen Meer militärisch zu untermauern. Eine Provokation, die in diesem Jahr in einem Krieg münden könnte – in den sich auch die USA einzumischen droht. 

Verhallte Warnungen

Die Vereinigten Staaten haben sich zur Schutzmacht ihrer Verbündeten in der Region erhoben – denn trotz aller Proteste haben Kleinstaaten wie die Philippinen und Vietnam dem chinesischen Expansionswillen bisher wenig entgegensetzen können.

China hat so in den vergangenen Jahren im Südchinesischen Meer ganze Inseln künstlich aufgehäuft und diese zu Militärbasen ausgebaut – trotz aller Warnungen der Weltgemeinschaft. Trotz der Tatsache, dass sich diese Basen in internationalen Gewässern befinden.  

Romeo Ranoco / Reuters
Ein Offizier der philippinischen Armee zeigt Bilder des Baus chinesischer Militärbasen im südchinesischen Meer

Schon vor einem Jahr hat die Trump-Regierung China wegen dieser Aktivitäten eine deutliche Warnung ausgesprochen. Außenminister Rex Tillerson verglich Chinas Insel-Expansion mit der russischen Invasion auf der Krim

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Zwei der mächtigsten Staaten prallen aufeinander

Der damalige Pressesprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, teilte im selben Monat mit: “Die USA werden ihre Interessen in dieser Region zu schützen wissen. Wir werden sicherstellen, dass internationale Territorien nicht von einem einzigen Land beansprucht werden.” 

Bisher sind diesen Worten kaum Taten gefolgt. Vielmehr hat Donald Trumps Amtsbesuch in China im November gezeigt, wie kleinlaut und nahezu unterwürfig sich der US-Präsident vor dem chinesischen Regime verhält. 

2018 wird somit zum Gewissenstest für die USA: 

► Werden sie China gewähren lassen und einen internationalen Gesichtsverlust erleiden?

► Oder werden sie das Reich der Mitte konfrontieren – und so einen militärischen Konflikt zwischen den zwei mächtigsten Staaten der Welt riskieren?

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USA werfen China “provokante Militarisierung” vor

Fest steht: Zu Beginn dieses Jahres hat die Trump-Regierung den Druck auf China zumindest verbal wieder erhöht.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums warf China laut der “South China Morning Post” eine “provokante Militarisierung” vor.

Die USA lassen zudem weiterhin ihre Kriegsschiffe durch das südchinesische Meer kreuzen, um den Status als internationales Gewässer deutlich zu machen.

Seit Juli werden außerdem gemeinsame Militärübungen mit Indien, Japan und Australien in der Region abgehalten. Für China wird das zunehmend zum Problem. 

“Peking ist davon ausgegangen, dass die USA ihren Fokus verlieren werden”, sagte Gregory Poling, der Direktor der Asia Maritime Transparency Initiative (AMTI), dem Sender CNN. “Und bisher sah es so aus, als wäre das eingetreten.” 

Stellen sich die USA und ihre Verbündeten jedoch stur und weigern sich, der chinesischen Regierung die Region kampflos zu überlassen, dann steht auch die asiatische Großmacht vor einem Gewissenstest: 

► Wird China seine Ansprüche im südchinesischen Meer aufgeben, um einen Konflikt mit den Vereinigten Staaten zu vermeiden? 

► Oder riskiert Präsident Xi Jinping eine militärische Auseinandersetzung in der Region – mit möglicherweise zerstörerischen Konsequenzen?

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(lp)