POLITIK
31/08/2018 10:43 CEST

Chemnitzer Lokalzeitung: Darum schreiben wir nicht von einer "Hetzjagd"

Der Chefredakteur der "Freien Presse" findet klare Worte.

ODD ANDERSEN via Getty Images
"Es bedarf keiner Dramatisierung", schreibt der Chefredakteur der "Freien Presse".
  • Die Chemnitzer Lokalzeitung “Freie Presse” erklärt, warum die Zeitung im Falle der Ausschreitungen nie von einer Hetzjagd geschrieben habe. 
  • Diese habe laut der Zeitung nicht stattgefunden. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen, hat sich die Chemnitzer Lokalzeitung “Neue Presse” geweigert, die Ausschreitungen in Chemnitz am Sonntagabend als “Hetzjagd” zu beschreiben. Der Chefredakteur Torsten Kleditzsch erklärt jetzt in einem Kommentar den Grund dafür. 

“Wir, die Redaktion der Freien Presse, haben uns bewusst entschieden, für das Geschehen am Sonntag von Anfang an den Begriff Hetzjagd nicht zu verwenden, weil er aus unserer Sicht nicht zutrifft”, schreibt Kleditzsch. 

Damit wolle man aber auf keinen Fall sagen, dass alles “halb so schlimm” oder “eine Erfindung” sei. Natürlich habe es Angriffe auf Migranten, Linke und Polizisten gegeben, eine Hetzjagd habe aber nicht stattgefunden. 

“Es bedarf keiner Dramatisierung” 

Diese setze voraus, dass Menschen andere Menschen über längere Zeit und Distanz vor sich hertreiben. “Das haben wir aber nicht beobachtet”, schreibt Kleditzsch. 

Höchstens der Begriff “Jagdszene” sei gerechtfertigt. Er schreibt: “Der offen zu Tage getretene Hass, der die Proteste auf den Straßen in Chemnitz am Sonntag begleitet hat, war schrecklich genug. Er bedarf keiner Dramatisierung.”

(lp)