POLITIK
11/09/2018 16:48 CEST | Aktualisiert 11/09/2018 17:13 CEST

Chemnitz: Brisanter Polizeibericht zeigt ganzes Ausmaß der Krawalle

Auf den Punkt.

Sean Gallup via Getty Images
Krawalle in Chemnitz am 27. August.

Das ZDF-Magazin “Frontal 21” hat brisante Details über die Ermittlungen zu den Ausschreitungen in Chemnitz am Montag nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. veröffentlicht.

Die Polizei in Chemnitz hatte am Montag, 27. August 2018, demnach mit einer intensiven Bedrohungslage zu tun. Das geht aus einem sogenannten internen Lagefilm der Polizei hervor, den das ZDF-Magazin “Frontal 21″ einsehen und auswerten konnte (Sendung am Dienstag, 11. September 2018, 21.00 Uhr).

Die wichtigsten Inhalte – auf den Punkt

Das steht in dem Bericht:

In dem Bericht ist detailreich beschrieben, wie nach Demonstrationen von der AfD und der rechten Bewegung “ProChemnitz” rechte Gewalttäter durch die Stadt marodierten. Anlass war der gewaltsame Tod eines Chemnitzer Bürgers.

Nach “Frontal 21″-Recherchen liefen am 27. August 2018 ab 19 Uhr laut Einsatzbericht bei der Polizei mehrere Meldungen darüber ein, dass gewaltbereite Hooligans aus anderen Bundesländern ins sächsische Chemnitz anreisen: “Vermutlich handelt es sich um Personen, die intensiv Kampfsport betreiben, gewaltsuchend sind.”

 

Zu dieser Zeit kam es am Bahnhofsvorplatz schon zu Handgemengen.

“Zwei Personen mit Eisenstangen am Bahnhofsvorplatz in Richtung Brückenstraße unterwegs.”

Die vor Ort agierenden Polizisten fragten gegen 20.30 Uhr im Einsatzstab nach, welche Maßnahmen sie ergreifen sollen, wenn der Hitlergruß gezeigt wird.

Antwort der Zentrale: “1. Beweissicherung, 2. Strafverfolgung, 3. Einschreiten vor Ort nur bei Nichtgefährdung des Gesamteinsatzes.”

Zum Angriff auf das jüdische Restaurant:

Aus dem Polizeibericht geht hervor, dass es zwischen 21 und 22 Uhr mehrfach Versuche rechtsgerichteter Gewalttäter gab, linke Demonstranten oder Ausländer zu attackieren.

Um 21.42 Uhr heißt es in dem Bericht: “100 vermummte Personen (rechts) suchen Ausländer.”

Die Polizei suchte nach ihnen, fand aber offenbar nur deren abgestellte PKW. Für 21.47 Uhr vermeldet der Bericht: “20 bis 30 vermummte Personen mit Steinen bewaffnet in Richtung Brühl, Gaststätte ‘Schalom’”. Wie mittlerweile bekannt ist, wurde das jüdische Restaurant angegriffen. Das sächsische Landeskriminalamt bestätigte, dass der Wirt Anzeige erstattet hat.

Demnach wurde das Restaurant von etwa einem Dutzend Neonazis überfallen.

Die vermummten, in schwarz gekleideten Täter hätten “Hau ab aus Deutschland, Du Judensau” gerufen und das Lokal mit Steinen, Flaschen und einem abgesägten Stahlrohr beworfen. Der Besitzer wurde während des Angriffs von einem Stein an der rechten Schulter verletzt. Die Ermittlungen laufen.

Außerdem brisant:

Laut “Focus Online” kam es am Sonntag der Tat, am Tag, als auch das umstrittene Video der “Hetzjagd” aufgenommen wurde, auch zu einem Angriff auf ein 15-jähriges deutsches Mädchen. 

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden bestätigte den Angriff in der Innenstadt: “Es läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des körperlichen Übergriffs und der Körperverletzung zum Nachteil eines deutschen Mädchens“, sagte Sprecher Wolfgang Klein.

Es handele sich dabei um die Bekannte von zwei Afghanen, die ebenfalls über Angriffe berichten. Die Täter seien unbekannt, es sei in der noch bei der Polizei befindlichen Akte die Rede von “mehreren Personen“.

Auf den Punkt:

Der Einsatzbericht konterkariert Aussagen des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, CDU. Dieser hatte im sächsischen Landtag zu Chemnitz gesagt, “es gab keinen Mob, keine Hetzjagd und keine Pogrome.”

► Der Polizeibericht spricht von “Vermummten”, die sich “mit Steinen bewaffnen” und die “Ausländer suchen” und ein jüdisches Restaurant überfallen.