POLITIK
30/09/2018 18:00 CEST | Aktualisiert 30/09/2018 18:12 CEST

Chebli wirft Lindner "Kuscheln mit der AfD" vor – der antwortet entschieden

“Was ist bloß aus der stolzen liberalen Partei FDP geworden?"

dpa / HuffPost
SPD-Politikerin Sawsan Chebli und FDP-Chef Christian Lindner – sowie der Tweet, der den Streit der beiden ins Rollen brachte.
  • Twitter ist ein Diskussionsmedium: SPD-Politikerin Chebli und FDP-Chef Lindner haben sich dort am Sonntag gestritten.
  • Das Thema: die AfD und wie mit der Partei umgehen. 

SPD-Politikerin Sawsan Chebli und FDP-Chef Christian Lindner haben sich am Sonntag einen kräftigen Schlagabtausch auf Twitter geliefert.

Chebli, die derzeit Berlins Bevollmächtigte beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales ist, giftete zuerst gegen Lindner und die Liberalen:

“Was ist bloß aus der stolzen liberalen Partei FDP geworden? Dieses Kuscheln mit der AfD und ihren Wählern ist einfach nur widerlich, lieber Christian Lindner!”

“Unter AfD-Wählern gibt es viele erreichbare Menschen”

Die 40-Jährige bezog sich dabei auf eine Vorabmeldung zu einem “Welt am Sonntag”-Interview mit Lindner. Darin hatte der unter anderem erklärt:

“Mich besorgt, dass auf die AfD nur mit der Denunziation ihrer Wähler reagiert wird, statt zu erkennen, dass es in ihrer Wählerschaft viele erreichbare Menschen gibt, die zwar nicht mit den Status quo zufrieden, aber die noch nicht radikalisiert sind.”

Der FDP-Chef wollte die Breitseite Cheblis auf Twitter nicht unkommentiert lassen. “Ganz offenbar bilden Sie sich Ihre Meinung auf der Basis von Tweets”, keilte Lindner zurück. Er warf Chebli vor, das Interview nicht gelesen zu haben, “ich finde das intellektuell zu bescheiden”, bemerkte Lindner.

► Richtig ist: Aus dem Vorab-Artikel war nicht ersichtlich, dass sich Lindner im vollständigen Interview “gegen die Abschottung und Islamophobie der AfD” ausspricht.

“Diese FDP gibt’s heute nicht mehr”

Dennoch, Lindners Worte waren Chebli wohl zu niveaulos. Sie antwortete: “Das ist zu billig, lieber Herr Lindner.” Erneut warf sie ihm vor, Positionen einzunehmen, “die AfD-like sind”.

Dann gesteht die SPD-Politikerin sogar: “Ich war einst ein großer Fan sozial-liberaler Koalitionen.” Um dann zu bedauern: “Diese FDP gibt’s heute nicht mehr.”

Chebli widmete sich anschließend direkt der AfD. Auf Twitter schrieb sie: 

“Keine Abstiegsangst, kein Vertrauensverlust, keine Wut, kein Sich-Abgehängtfühlen oder Abgehängtsein, keine Armut, nichts rechtfertigt es, in einem Deutschland nach 1945 mit der AfD zu sympathisieren oder sie gar zu wählen.”

Streitfrage: Nimmt Lindner AfD-Wähler in Schutz?

Lindner hat schon zuvor den möglichen Verursacher für Cheblis Attacke ausgemacht: “Welt”-Autor Thorsten Jungholt, mit dem der FDP-Chef das Interview geführt hatte.

Jungholt hatte bei Twitter zugespitzt behauptet, dass “Lindner AfD-Wähler in Schutz nimmt”. Chebli hatte sich anfangs auf diesen Tweet bezogen.

Der Liberalen-Chef warf deshalb Jungholt vor, “etwas sehr gedreht” zu haben. Lindner betont: ”Ich nehme keine ‘AfD-Wähler in Schutz’. Ich beschreibe, was man tun kann, um die AfD klein zu machen. Beschimpfen bringt ja nichts – das zeigen die Umfragen.”

Tatsächlich haben die Rechtspopulisten seit der Bundestagswahl vor einem Jahr in Wählerbefragungen massiv zulegen können – noch mehr allerdings die Grünen.

(ujo)