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22/12/2017 20:24 CET | Aktualisiert 23/12/2017 10:35 CET

Champagner, Pelz und Verachtung - was ich bei einer Benefizveranstaltung im Golfclub erlebte

Durch die ganzen Pelz-Outfits fühle ich mich wie im Museum für ausgestopfte Tiere.

Was bisher geschah:

Da mir bewusst geworden ist, dass ich als Journalistin arm sterben werde, habe ich beschlossen, eine Woche lang einen Millionär in München zu suchen. Mein Ziel: reich heiraten. Die bekannte Millionärsgattin Irina Beller hat mir am ersten Tag meiner Suche Tipps gegeben, wie ich meinen Millionär finden kann. Schon am ersten Abend habe ich gemerkt, durch welchen plumpen Trick Millionäre anzulocken sind. Am zweiten Abend habe ich einen mysteriösen Millionär und potenziellen Porno-Produzenten in einem Szene-Lokal kennengelernt. Den dritten Abend verbrachte ich im Starnberger Yachtclub und landete am Ende im Zug mit Richard Gere…

Im Video oben stellt sich die Autorin vor und erklärt, wie sie auf die Idee kam, nach einem Millionär zu suchen. 

“Oh mein Gott, Richard Gere!”, ruft eine Frau am Bahnsteig. Ich bin also nicht die Einzige, der die Ähnlichkeit aufgefallen ist.

Richard Gere erzählt mir die Fahrt über von seinen Kindern und den verschiedenen Jobs, die er ausgeführt hat. Unter anderem war er Architekt und hat seine eigene kleine Firma gegründet. In München verabschieden wir uns - der Familienvater ist definitiv nicht mein Millionär, aber ich bin erleichtert, auch einen Millionär kennengelernt zu haben, der nicht vollkommen verrückt wirkt.

Da ich nun weiß, dass der Altersdurchschnitt im Yachtclub bei ungefähr 70 Jahren liegt, graut es mir bereits vor dem heutigen Abend: Ich habe mich zu einer Benefizveranstaltung in einem Münchner Golfclub angemeldet.

Sicherheitshalber nehme ich dieses Mal wieder Wingwoman Meltem mit. Es ist schließlich nie sicher, welch seltsame Millionäre mich erwarten.

Der Golfclub erinnert an ein gehobenes Altersheim

Der Golfclub erinnert uns an ein gehobenes Altersheim. Im Flur stehen schwarze Sofas, an den Wänden hängen Bilder von Golfplätzen und die Gäste haben – wieder einmal – zu 90 Prozent weißes Haar.

Sie sitzen an langen Tischen im Clubrestaurant und stoßen lachend mit Champagner auf die Benefizveranstaltung an. Wahrscheinlich fühlen sie sich heute wie besonders gute Menschen. Immerhin werden Spenden für drogenkranke Teenager gesammelt.

Außerdem ist ein prominenter Gast eingeladen: der SPD-Politiker Christian Ude. Bis vor drei Jahren war er Oberbürgermeister von München.

Am heutigen Abend soll er Kabarett vortragen. Wir sind sehr gespannt.

“Ach, wie schön, endlich einmal junge Gesichter!” Die Veranstalterin kommt auf uns zu und begrüßt uns herzlich.

“So junge Gesichter habe ich hier seit Jahren nicht gesehen. Was führt euch denn hierher?”, fragt sie mit einem strahlenden Lächeln und drückt uns zwei Gläser Champagner in die Hand.

Meltem und ich sehen uns fragend an.

“Christian Ude”, sage ich.

Es ist wie im Museum für ausgestopfte Tiere

Die Veranstalterin zieht überrascht die Augenbrauen hoch.

“Ach na sowas, ihr seid wohl richtige Fans?”, fragt sie.

“Ja, er ist unheimlich witzig”, sage ich.

Die Frau nickt, das scheint ihr als Erklärung zu genügen.

Als der Raum sich mehr und mehr füllt, wird meine Verzweiflung immer größer. Ich habe nur noch zwei Tage Zeit, um einen Millionär zu finden, der heiratstauglich ist - unter allen Besuchern finden sich jedoch nur zwei Männer. Zwei Ehemänner. Es ist genau das Gegenteil vom Yachtclub.

➨ Mehr zum Thema: “In München sind doch alle verschleiert” - was ich als junge Frau im Bayerischen Yachtclub erlebt habe

Anstatt von weißhaarigen Männern mit Einstecktüchlein bin ich an diesem Abend von weißhaarigen Frauen in Ganzkörper-Pelz umgeben. Fasziniert sehe ich, dass meine etwa 60-jährige Sitznachbarin sogar eine Handyhülle aus Pelz besitzt. Wenn jetzt noch mehr Frauen in Pelz-Bekleidung hereinkommen, fühle ich mich bald wie in einem Museum für ausgestopfte Tiere.

“Deine Sitznachbarin hat dich gerade sehr abschätzig von oben bis unten gemustert”, flüstert Meltem mir zu. Das hat man also davon, wenn man ohne Pelz-Accessoires auf eine Benefizveranstaltung im Golfclub geht.

In den Toiletten befindet sich ein Friseur-Salon

Das Einzige, das wir uns von der Karte leisten können, ist eine Suppe. Als wir sie löffeln, schaut die Dame neben mir wieder sehr abschätzig. Um ihren Hals hängt eine dicke weiße Perlenkette. Ich finde, sie sollte uns lieber etwas von den Champagner-Flaschen in ihrem Eiskübel abgeben. Als ich sie freundlich anlächle, dreht sie sich weg.

Christian Ude beginnt, sein Kabarett vorzutragen und Meltem und ich sehen uns entgeistert an. Die Frauen bekommen sich kaum noch ein vor Lachen, als der ehemalige Oberbürgermeister von seiner Schulzeit erzählt.

Musik-Unterricht habe er nicht gemocht, ständig habe jemand gewollt, dass er ein Instrument lerne. Lautes Gelächter.

Meltem und ich flüchten auf die Toilette - und befinden uns in einer Art Friseursalon.

Vor einer beleuchteten Spiegelwand gibt es eine Auswahl von Make-Up, Bürsten und Kämme, mit weißen Haaren inklusive, und angesteckte Föhns und Lockenstäbe.

Testweise drücken wir auf einen Föhn. Genau in diesem Moment kommt eine unserer Tischnachbarinnen herein.

Sie sieht irritiert aus.

“Ihr habt euch die Haare geföhnt?”, fragt sie mich, zurück am Tisch.

“Ähm ja, das macht sehr wach”, behaupte ich.

“Ach mit der warmen Luft, ich kann mir das schon vorstellen”, sagt sie freundlich. “Sollte ich auch mal ausprobieren.”

Der Abend ist wie ein Stück trockenes Weißbrot

Meltem und ich sehen uns an und sind uns einig: Es ist an der Zeit, zu gehen. Wenn ich irgendwo keinen heiratswilligen Millionär finden werde, dann hier. Der Abend im Golfclub ist wie das Weißbrot, das uns jemand auf den Tisch gestellt hat: trocken, langweilig und man weiß nicht so richtig, was es soll.

Wir beschließen, lieber in eine Bar zu fahren, die einer der Millionäre am Tag meiner ersten Suche erwähnt hat: “Burger and Lobster”.

Anscheinend haben wir uns mit der schicken Bar einen besseren Treffpunkt für potenzielle Millionäre ausgesucht: Wer sonst isst schließlich Hummer-Burger? Es sind fast ausschließlich Männer im Anzug, mit Seitenscheitel und teuren Armbanduhren anzutreffen - und sie sind deutlich unter 60. Mittlerweile sind wir geübt. Die plumpesten Tricks funktionieren erneut.

➨ Mehr zum Thema: Ich wollte nach Büroschluss einen Millionär aufreißen - so lange hat es gedauert

Wir lächeln und prosten jedem männlichen Wesen um uns herum zu. Schon bald kennen wir die Hälfte der Besucher. Drei Männer tragen eine riesige Wodka-Flasche in Gewehr-Form mit sich und fragen uns, ob wir in einem Hip-Hop-Video mitspielen wollen - jetzt sofort. Wir lehnen etwas irritiert ab.

Dann lerne ich Conrad mit C kennen

Neben uns feiert eine Firma ihre Weihnachtsfeier, an einem Tisch in der Ecke haben sich Siemens-Mitarbeiter versammelt, uns gegenüber ist ein gruseliger Russe auf Frauen-Fang und hinter uns steht eine Gruppe Mitte-30-jähriger Unternehmensberater.

Obwohl der Russe deutliches Interesse zeigt, ziehen wir die Unternehmensberater vor. Einer von ihnen stellt sich mir als “Conrad mit C” vor (Name abgeändert).

“Da hast du doch gleich ein ganz anderes Bild von mir als von einem Konrad mit K, oder?”, fragt er hoffnungsvoll.

“Möglich”, sage ich und frage mich, wieso wir Magneten für merkwürdige Männer sind.

“Wo bist du denn unter der Woche nachts so unterwegs?”, fragt mich Conrad mit C.

“Unter der Woche arbeite ich normalerweise”, sage ich.

“Ja, aber wo bist du nachts unterwegs?”, fragt Conrad mit C erneut.

“Im Bett”, sage ich.

Misstrauisch frage ich mich, ob er wirklich Unternehmensberater ist - und wenn ja, ist Conrad mit C dann mein potenzieller Millionär? Immerhin ist er schon mal deutlich unter 70 – ein absoluter Pluspunkt. Andererseits hat er etwas merkwürdiges an sich.

Sollte ich mich auf eine Verabredung mit ihm einlassen? Oder sollte ich meine Millionärssuche einfach aufgeben?

Die Autorin hat eine Woche lang versucht, einen Millionär zu finden. Ihre Suche könnt ihr auch auf Instagram verfolgen. Die Fortsetzung folgt morgen. 

Hier findet ihr alle Teile der Millionärssuche:

➨ Teil 1: Ich bin 25 und suche einen reichen Mann - diese Tipps hat mir eine Millionärsgattin gegeben 

➨ Teil 2: Ich wollte nach Büroschluss einen Millionär aufreißen - so lange hat es gedauert

➨ Teil 3: “Stell dich nicht an”, sagt er und packt mich - was passierte, als ich einen Millionär getroffen habe

Teil 4: “In München sind doch alle verschleiert” - was ich als junge Frau im Bayerischen Yachtclub erlebt habe

(jg)