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15/03/2018 12:09 CET | Aktualisiert 17/03/2018 14:11 CET

Céphas Bansah ist Kfz-Mechaniker in Ludwigshafen und rettet nebenbei sein Volk in Ghana

“Mein Volk ist froh, dass ich in Deutschland bin."

  • Céphas Bansah betreibt eine Kfz-Werkstatt in Ludwigshafen 
  • Parallel dazu regiert er ein Volk von 200.000 Menschen

Wildes Gekritzel. Ein Strich nach oben, ein Strich nach links. “Das ist mein Körper, mit dem ich die Verantwortung für mein Volk übernehme.” Zwölf Halbkreise, vier große Kreise. “Ich habe zwölf Stämme. Der erste Kreis bin ich, der zweite meine Frau, der dritte mein Sohn und der vierte meine Tochter.”

“Und das ist mein Lebenslinie. Das Leben geht tief, hoch, tief, hoch.” Die Unterschrift von Céphas Bansah ist ein kleines Kunstwerk und mindestens genauso ungewöhnlich wie seine Geschichte. Er ist 69 Jahre alt. In Ludwigshafen Kfz-Mechaniker. Und in Ghana König. Von Deutschland aus sorgt er dafür, dass sein Volk ein besseres Leben hat. Sozusagen Entwicklungshilfe.

Screenshot Youtube
Die Unterschrift von Céphas Bansah ist außergewöhlich

“Mein Opa hat immer nur gute Sachen über Deutschland erzählt. Er wollte immer, dass einer seiner Enkel dieses Volk besucht und versteht, warum er so begeistert von den Deutschen ist”, erzählt Céphas, der eigentlich Togbui Ngoryifia Céphas Kosi Bansah heißt, der HuffPost.

Céphas ist in der Volta Region in Ghana geboren, als Thronfolger der 200.000 Menschen umfassenden Hohoe-Gruppe, die der ethnischen Gruppe der Ewe angehört.

Sein Großvater wollte immer, dass sein Volk ein besseres Leben hat. 1970 war dann Céphas der Enkel, der über einen Schüler-Austausch nach Deutschland gekommen ist, und zwar nach Ludwigshafen. Dort ist er auch nie wieder weg. 

Der Junge aus Ghana wird Kfz-Mechaniker 

“Die Menschen in Ludwigshafen waren immer herzlich zu mir”, sagt Céphas. Er hat eine Ausbildung zum Landmaschinen- und Kfz-Mechaniker begonnen, später den Meister gemacht und 1983 schließlich seine eigene Werkstatt eröffnet.

Cephas Bansah
In den 1980ern wurde Céphas Bansah Landmaschinen- und Kfz-Mechaniker und eröffnete seine eigene Werkstatt

“Damals dachte ich noch, ich werde sowieso nicht König, schließlich habe ich vier Geschwister.”

Doch ein Roadtrip mit seinen deutschen Freunden sollte das ändern. “Wir sind 3 Wochen lang ohne zu duschen von Ludwigshafen über Genua, Algerien, Benin, Togo nach Ghana gefahren und hatten eine Unmenge an Medikamenten aus Deutschland für mein Volk dabei.”

Mehr zum Thema: In einem Land ist dieser Mann ein König – im anderen ein Gärtner

“Damals war die medizinische Versorgung noch sehr schwierig in Ghana. Als wir dann in meiner Heimat ankamen, waren alle begeistert und froh, dass wir Hilfe mitbrachten.” 

Céphas und seine Freunde reisten zurück nach Deutschland. Doch der Ältestenrat wollte ihn zum König machen. Er kam wieder und wurde im April 1992 gekrönt.

Ghana wurde 1957 als erste Kolonie Afrikas unabhängig. Über Jahrzehnte herrschten dann Militärregierungen, doch in den 1990er-Jahren setzte die Regierung tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftlich Reformen um.

Politisch hat das Land Vorbild-Charakter auf dem Kontinent und gilt als demokratisch gefestigt. 2017 wurde Nana Akufo-Addo zum Staats- und Regierungschef gewählt.

Das Land hat es geschafft, die Armut in der Bevölkerung seit 1990 zu halbieren, die Zahl der Menschen mit Zugang zu sauberem Trinkwasser hat sich verdoppelt. Seit 2005 erhalten alle Kinder eine kostenlose Schulbildung.

Rund 28 Millionen Menschen leben in dem westafrikanischen Staat. Ghana ist ein Vielvölkerstaat. Die wichtigsten ethnischen Gruppen sind die Akan, die Mole-Dagbani, die Ewe, die Ga-Adangme und die Gurma. Es gibt mehrere Dutzend Königreiche im Land. Die Könige sind vor allem spirituelle Führer.

Céphas sammelt in Deutschland Hilfe für sein Volk

“Dafür musste ich 8 Tage lang in Quarantäne in einen Tempel im Urwald.” Während dieser Zeit hatte Céphas viel Zeit zum Nachdenken und überlegte, wie er den Kindern seines Volks helfen könnte. “Viele Kinder starben damals, weil sie Würmer im Bauch hatten.”

Also flog Céphas zurück nach Deutschland, sprach mit einigen Landwirten. Kurz darauf kam er mit einem ganzen Container voll mit Wasserpumpen zurück.

“Ich habe dann alle installiert, das Wasser war wieder sauber und innerhalb weniger Wochen ging die Kindersterblichkeit drastisch zurück.”

► Seitdem hat Céphas eine große Berufung: In Deutschland Spenden und Unterstützung für sein Volk in Ghana sammeln.

Entwicklungshilfe, die dort landet, wo sie hin soll 

Davon baut er Schulen, Krankenhäuser und ein großes Ausbildungszentrum in seiner Heimat. “Gerade sammle ich Geld für ein Frauengefängnis.” Céphas betreibt direkte Entwicklungshilfe, für sein Volk. Hilfe, die ankommt. Und das ist keine Selbstverständlichkeit.

Seitdem es Entwicklungshilfe seit Anfang der 1960er-Jahre gibt, gibt es Kritik daran. Kommt die Hilfe dort an, wo sie soll? Bremst die Unterstützung die wirtschaftliche Entwicklung? Bereichern sich Organisationen, Politiker, Kriminelle und an den Geldern?

Mehr zum Thema: Ein Grundeinkommens-Experiment in Afrika könnte die Entwicklungshilfe revolutionieren

Erst im Oktober 2017 haben Forscher der Universität Heidelberg in einer großangelegten Studie gezeigt, dass die Entwicklungshilfe der Weltbank zu keinerlei Wirtschaftswachstum in afrikanischen Ländern führt. 

In einer Studie der Berliner NGO Global Perspectives Initiative gaben 74 Prozent der Befragten an, dass sie davon ausgehen, dass nur ein Teil der Hilfe die Bedürftigen erreicht und Gelder durch Korruption entfremdet werden oder in der Verwaltung versickern.

Regieren via Skype

Céphas hingegen weiß ganz genau, wo seine Hilfe und seine Spenden landen. Ungefähr acht Mal im Jahr reist er nach Ghana. “Mein Volk ist froh, dass ich in Deutschland bin. Hier kann ich viel machen.”

Cephas Bansah
Céphas Bansah gemeinsam mit seiner Frau, seinem Sohn und seiner Tochter

Früher kommunizierte Céphas mit seinem Volk via Fax, inzwischen schickt er E-Mails und telefoniert via Skype.

Das macht er nach Feierabend. Denn tagsüber bildet er in seinem Betrieb in Ludwigshafen Kfz-Mechaniker aus. 

Sein Großvater habe ihm immer erzählt, dass die Menschen in Ghana die besten Handwerker auf dem ganzen afrikanischen Kontinent seien.

“Mein Großvater sagte immer: ‘Das haben uns alles die Deutschen beigebracht. Sie haben uns geholfen, auf eigenen Füßen zu stehen’.”

So hat Céphas seinem Großvater gleich zwei Wünsche erfüllt: Er hilft seinem Volk, ein besseres Leben zu führen. Und er ist ein guter deutscher Handwerker.

(jds)