POLITIK
06/12/2018 17:10 CET

CDU-Netzwerke im Rennen um die Macht: Auf wen die Kandidaten zählen können

Auf den Punkt.

ZEIT ONLINE

Kurz vor der Entscheidung über den CDU-Vorsitz kommen immer mehr Parteigrößen aus der Deckung und sprechen sich öffentlich für einen der Kandidaten aus.

Auf dem Bundesparteitag in Hamburg wird am Freitag bei der Wahl zur Nachfolge von Angela Merkel ein Zweikampf zwischen Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem früheren Unions-Fraktionschef Friedrich Merz erwartet.

Gesundheitsminister Jens Spahn werden nur geringe Chancen auf den Vorsitz zugesprochen. 

Wer hat im Rennen die Nase vorn – und wer kann auf welche Unterstützung hoffen? Die Netzwerke, die hinter den Kandidaten stehen – auf den Punkt gebracht.

AKK: Die Kandidatin der Verbände 

AKK ist die Kandidatin der CDU-Vereinigungen. Hinter die Saarländerin stellen sich gleich zwei mächtige Parteigruppen.

Dahinter steckt zwar kein Stimmzwang für jene Mitglieder, die als Delegierte nach Hamburg reisen. Eine Tendenz lässt sich allerdings ablesen.

► Den Anfang machte die Frauenunion, deren Vorstand sich unmittelbar nach der Kandidatur hinter AKK stellte. Etwa ein Drittel der Delegierten in Hamburg sind auch Frauen und damit Mitglieder der Frauenunion.

► Auch der CDA – die Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft – stellte sich kurz vor Beginn des Parteitags hinter AKK.

Unter ihren rund 250 Delegierten gebe es eine “klare, eindeutige Mehrheit” für Kramp-Karrenbauer, sagte der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Weiß. Kramp-Karrenbauers größter Vorteil sei, dass sie empathisch sei. “Sie erreicht die Herzen der Menschen”, sagte er. 

► Offene Unterstützung bekommt AKK auch aus zwei Bundesländern – aus dem Saarland und Schleswig-Holstein. 

So sieht der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) in seiner Vorgängerin eine Politikerin, die Wahlen gewinnen kann. “Das hat sie im Saarland gegen starken bundespolitischen Gegenwind und auf dem Höhepunkt des ‘Schulz-Hype’ eindrucksvoll mit 40,7 Prozent bewiesen”, sagte er der “FAZ”.

dpa
Bundeswirtschaftsminister Altmaier wirbt für AKK.

► Auch ein CDU-Promi hat sich offen für AKK ausgesprochen: Wirtschaftsminister, Merkel-Vertrauter und Saarländer Peter Altmaier.

Er sagte: “Ich bin überzeugt, dass wir mit Annegret Kramp-Karrenbauer die beste Chance haben, die CDU zu einen und Wahlen zu gewinnen.”

Merz: Der Mann der Bosse und der Basis

► Auch Merz hat einen mächtigen Verband hinter sich: die Mittelstandsvereinigung MIT. Sie ist das Wirtschaftsgewissen der CDU. Damit hat ihr Votum Gewicht bei allen Unternehmern und Wirtschaftspolitikern in der Partei. In Hamburg sind rund 375 Delegierte Mitglied der Gruppe.

Überraschend ist das Votum der MIT deswegen, weil ihr Vorsitzender Carsten Linnemann Verbündeter von Jens Spahn ist. Der aber konnte sich offenbar nicht in seiner Vereinigung durchsetzen.

Reuters
Bundestagspräsident Schäuble wirbt für Merz.

► Auch einen mächtigen CDU-Promi hat Merz – wenig überraschend – auf seiner Seite: den früheren Finanzminister und heutigen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble. Er brachte Merz als Kandidaten in Stellung und wirbt und nun öffentlich für ihn. 

“Es wäre das Beste für das Land, wenn Friedrich Merz eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte”, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch der “FAZ”. Schäuble genießt Ansehen in allen Lagern der Partei. Sein Wort hat also Gewicht.

► Außerdem lässt sich in einigen Landes- und Kommunalverbänden eine klare Präferenz für Merz ablesen. Der Verband Sachsen-Anhalt befragte seine Mitglieder nach einem Favoriten. Eine Mehrheit sprach sich für Merz aus. Das Votum ist allerdings nicht bindend für die rund 18 Delegierten auf dem Parteitag.

Auch im westniedersächsischen Kreisverband Diepholz sprach sich die Mehrheit für Merz aus. 

Spahn: Der Außenseiter

Spahn hat die wenigsten öffentlichen Unterstützer. Ihm riet gar der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Norbert Barthle (CDU), auf die Kandidatur zu verzichten.

Dennoch kann er auf Stimmen vor allem von jungen Abgeordneten hoffen. Einige von ihnen zeigten im HuffPost-Gespräch vor wenigen Wochen eine klare Sympathie.

Die großen Unbekannten

► Ausgemacht ist allerdings auch kurz vor dem Beginn des Parteitags noch lange nichts. Wer die Wahl gewinnt, lässt sich unmöglich vorhersagen. Selbst gut vernetzte Christdemokraten lassen sich auf keine Wetten ein.

► Der größten Unsicherheitsfaktoren: Ein Drittel der Delegierten gilt noch als unentschieden. Sie müssen die Kandidaten vor Ort überzeugen – mit einer flammenden Rede oder dem lautesten Applaus im Saal. Zwar gilt als Merz als der beste Redner, aber auch AKK kann Sympathien sammeln. 

► Auch ein Unsicherheitsfaktor: Die Junge Union hat sich bislang noch nicht klar zu einem Kandidaten bekannt. JU-Chef Paul Ziemiak werden Sympathien für Merz nachgesagt. In Berlin vermutet man allerdings einen Deal mit AKK, die Ziemiak zu ihrem Nachfolger als CDU-Generalsekretär ernennen könnte.

► Auch ist noch völlig offen, wie sich die mitgliederstärksten Landesverbände NRW, Baden-Württemberg und Hessen positionieren werden. Deren Wahl wird am Ende entscheidend sein – sie stellen knapp die Hälfte der Delegierten.

Mit Material von dpa.

(ll)