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10/01/2018 18:20 CET | Aktualisiert 11/01/2018 01:41 CET

Catherine Deneuve schimpft über #MeToo - die Reaktionen hat sie verdient

Deneuve hat sich für das Recht auf sexuelle Belästigung ausgesprochen.

Stephane Mahe / Reuters
Die französische Schauspielikone Catherine Deneuve hält die #metoo Kampagne für übertrieben.
  • Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve hält die #MeToo Kampagne für überzogen, wie sie in einem Artikel schreibt
  • Neben Deneuve unterzeichneten rund 100 Französinnen das Schreiben

Die #MeToo-Debatte um Sexismus und sexuelle Übergriffe kam im Oktober 2017 ins Rollen, als Vorwürfe gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein bekannt wurden.

In einem Gastbeitrag, der am Dienstag in der französischen Tageszeitung “Le Monde” veröffentlicht wurde, haben sich nun rund 100 Französinnen, darunter Künstlerinnen wie Deneuve, Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen, gegen die Kampagne ausgesprochen.

“Belästigung gehört zur sexuellen Freiheit dazu”

Die Diskussion habe legitimerweise Bewusstsein geschaffen für sexuelle Gewalt gegen Frauen, heißt es in dem nun veröffentlichten Gastbeitrag, dies sei notwendig gewesen. “Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist kein Delikt, und eine Galanterie auch keine chauvinistische Aggression.”

Darüber hinaus verteidigt der Text “die Freiheit, jemandem lästig zu werden, die für die sexuelle Freiheit unerlässlich ist” und warnt vor einem “Klima einer totalitären Gesellschaft.” 

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Dafür ernten die Unterzeichnerinnen nun reichlich Hass im Netz – allen voran: Schauspielikone Catherine Deneuve. 

Catherine Deneuve im Auge des Shitstorms

So schrieb die amerikanische Buchautorin Jennifer Wright auf Twitter: “Fick dich, Catherine Deneuve, wir werden Männer dazu verpflichten, uns mit Anstand und Respekt zu behandeln – ob es dir gefällt oder nicht.”

Eine andere Userin weist die 74-jährige Schauspielerin ebenfalls in ihre Schranken. Denn sie habe offensichtlich nicht verstanden, worum es bei #MeToo geht – nämlich darum, der sexuellen Gewalt ein für alle Mal ein Ende zu bereiten.

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“Setzen Sie sich wieder hin, Catherine Deneuve, Sie haben offensichtlich nicht verstanden, worum es geht”, schreibt die Frau und fügt hinzu: “Ich möchte nicht, dass Männer sich einen Kuss von mir ‘erschleichen’, weder auf der Arbeit, noch außerhalb der Arbeit.”

Nicht zuletzt sehen viele User den Gastbeitrag als Produkt einer äußerst frauenverachtenden Epoche. “Die Fünfziger Jahre haben angerufen, Sie sollten dorthin zurückgehen”, schreibt eine Userin

So sieht es auch der Filmjournalist Joe Gieringer. “Catherine Deneuve ist eine meiner absoluten Lieblingsschauspielerinnen”, schreibt er auf Twitter. “Aber meine Güte sind ihre Ansichten bezüglich Frauenfeindlichkeit und sexuellem Missbrauch überholt - wie bedauerlich.”

Andere Reaktionen fielen weniger emotional aus, waren dafür aber mit einer ordentlichen Prise Sarkasmus geladen.

So wie die britische Tageszeitung “The Independent”. Die schrieb dazu: “Danke, Catherine Deneuve, dass sie den Mut haben, sich für das Menschenrecht unserer Zeit einzusetzen: Das Recht des Mannes Frauen anzugraben.”

Viel Hass, der Deneuve für ihren Brief da entgegen schlägt. Aber wer den Umstand, dass Frauen nicht von Männern belästigt werden wollen, mit Diktatoren-Regimes vergleicht, der hat die bösen Worte auch verdient.

(ks)