LIFESTYLE
19/12/2017 13:37 CET | Aktualisiert 29/01/2018 16:54 CET

Frau schreibt Story über schlechten Sex – jetzt schlägt ihr Hass entgegen

Für Frauen ist es beim Sex oft einfacher "Ja" zu sagen als "Nein".

Jacob Ammentorp Lund via Getty Images
Die Kurzgeschichte "Cat Person" wurde zu einem Viral-Hit
  • In der Kurzgeschichte “Cat Person” beschreibt eine Schriftstellerin die Grauzonen von einvernehmlichem Sex
  • Während Frauen sich in der Geschichte wiederfinden, scheint sie Männern schlecht aufzustoßen

Nichts ist offenbar so zerbrechlich wie das männliche Ego. Das musste eine amerikanische Schriftstellerin kürzlich feststellen.

Kristen Roupenians veröffentlichte vergangene Woche ihre Kurzgeschichte “Cat Person” (dt. Katzenmensch) im US-Magazin “New Yorker”. Und die Story wurde – durchaus etwas überraschend – zum Internet-Hit.

Sie handelt von der Studentin Margot, die sich auf einen Flirt mit einem älteren Mann einlässt.

Allerdings ist sich Margot nicht sicher, ob sie wirklich auf Robert steht. Immer wieder muss sie sich selbst überreden, die Beziehung zu ihm aufrecht zu erhalten. Am Ende schläft sie trotzdem mit ihm und bereut es anschließend bitter – nicht nur, weil der Sex so schlecht war, sondern weil sie sich danach schrecklich unwohl fühlt:

“Sie hatte keine Angst, dass er sie zu etwas zwingen würde, was sie nicht wollte, sondern dass sie verzogen und wankelmütig erscheinen würde, wenn sie es sich jetzt anders überlegte.”

Danach bricht Margot den Kontakt zu Robert ab.

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“Cat Person” trifft den Zahn der #MeToo Zeit

Kaum ein Text des “New Yorker” wurde 2017 öfter gelesen. 

Dass eine Kurzgeschichte eine derartig gewaltige Resonanz hat, ist ungewöhnlich, sollte aber angesichts des Themas nicht verwundern. Schließlich hat Roupenian mit ihrer Geschichte um die Grauzonen von einvernehmlichen Sex genau den Zahn der (#MeToo-) Zeit getroffen.

Nicht zuletzt veranschaulicht “Cat Person”, dass Frauen oftmals das Gefühl haben, ihr Verhalten verpflichte sie zum Sex mit einem Mann.

Viele Leserinnen scheinen sich in der Geschichte wiederzufinden. ”Ich habe beim Lesen meine 20er noch einmal durchlebt”, schreibt eine Userin auf Twitter. “Eine unangenehme, viel zu wahre Geschichte”, kommentierte eine andere. “Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so mit einer Geschichte identifizieren konnte”, gesteht eine dritte.

Männer hassen die Geschichte

Aber auch bei Männern hat “Cat Person” einen Nerv getroffen. Der Twitter-Account “Men React to Cat Person” sammelt die Reaktionen der männlichen Leser. Und die fallen überwiegend negativ aus.

So sieht ein User den männlichen Protagonisten als das Opfer. “Letzten Endes war Robert das Opfer in der Geschichte. Sie wird es schon wegstecken”, schreibt er

Es sei die Geschichte einer schrecklich eitlen jungen Frau, die einen Mann ausnutzt, um ihre eigenen Erniedrigungsfantasien auszuleben, schreibt ein anderer Mann.

Ein User meint, dass die Geschichte sicher nicht so gefeiert werden würde, wenn die Geschlechterrollen umgekehrt wären. Anscheinend hat er nicht verstanden, dass die Geschichte vor allem deshalb so großen Anklang bei Frauen findet, weil sie das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern offenbart. Und meistens befindet sich ein Mann in der Machtposition – nicht nur am Arbeitsplatz, sondern oft auch in persönlichen Beziehungen.  

Wenn man sich die Reaktionen auf “Cat Person” ansieht, wird einmal mehr klar: was Beziehungen angeht, haben Männer und Frauen teilweise eine völlig andere Sichtweise.

Immerhin, Texte wie “Cat Person” stoßen die Tür auf für Gespräche. Das ist schon mal ein guter Anfang. 

 

(ks)