ENTERTAINMENT
12/04/2018 21:19 CEST | Aktualisiert 13/04/2018 12:11 CEST

Echo: Campino rechnet mit Kollegah ab – dessen Reaktion ist lächerlich

Der Musiker drückte sich um eine Antwort herum.

  • Beim Echo hat Campino seine Dankesrede dafür genutzt, mit den Rappern Farid Bang und Kollegah abzurechnen
  • Der Sänger der Toten Hosen kritisierte den Antisemitismus in deren Texten – die beiden Rapper blieben jedoch kleinlaut

Er war eigentlich nur da, um einen Preis abzuholen. Die Toten Hosen hatten beim Echo gerade in der Kategorie Rock National für ihr Album “Wannsee” abgeräumt. 

Doch Sänger Campino war beim Echo nicht auf die Bühne gekommen, um einfach nur Danke zu sagen.

Vielmehr hatte er eine Botschaft: “Ich würde heute Abend eben ein paar Sachen loswerden, die sind mir wichtig”, sagte Campino. Dann holte er eine auf mehreren Zetteln geschriebene Rede heraus. Worte, die er an die Rapper Farid Bang und Kollegah richtete. 

Campinos starkes Statement gegen Hass und Antisemitismus 

Im Battlerap gehe es immer darum sich gegenseitig zu toppen, erklärte Campino. Wenn man das bedenke, relativierten sich viele der bewussten Provokationen in den Texten. 

“Wir sollten jetzt nicht einen tieferen Sinn suchen, wo es keinen gibt”, bemerkte der Sänger. Doch es sei nun mal der Fall, dass die Lieder von Rappern wie Farid Bang und Kollegah eine Debatte ausgelöst hätten, was in der Kunst erlaubt sei. Wo die Grenze liege. 

Da gehe es nicht nur im einen Gangster-Rapsong. “Sondern um einen Geist, der gerade überall verbreitet ist”, auch in der Politik und in den sozialen Medien. 

Mehr zum Thema: “Welt sucht nach Halt”: “Tote Hosen”-Sänger Campino hat eine Bitte an Kanzlerin Merkel

“Wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?”, fragte Campino. “Ich spreche jetzt als Musiker zu anderen Musikern. Jeder von uns muss sich eine Grenze ziehen.” 

Provokation sei ein gute Sache, die Denkprozesse anstoße. “Doch man muss das unterscheiden mit einer Provokation, die nur dazu da ist, zu zerstören und andere auszugrenzen.”

Dann wählte Campino klare Worte, die mit viel Applaus belohnt wurden:

“Für mich ist diese Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht – und auch um die Diskriminierung jeder anderen Religionsform.” 

Kollegah soll Campino antworten – und drückt sich

Im Anschluss an die Rede sollte Kollegah auf die an ihn und seine Mitstreiter gerichtete Botschaft antworten. Doch statt klar Stellung zu beziehen, machte der Rapper Ausflüchte. 

“Ich will hier keine Politik-Debatte draus machen. Wir sind hier, um zu feiern und um Spaß zu haben”, sagte er. “Jeder, dem das Thema am Herzen liegt, der kann uns auf der Aftershow-Party ansprechen.” 

Keine direkte Antwort auf die Antisemitismus-Vorwürfe. Keine erklärenden Worte – und wenn dann nur da, wo sie eben kein Fernsehpublikum mitbekommt. 

Es war eine schwache Reaktion des Gangster-Rappers. Anders als in seinen Texten präsentierte er sich beim Echo ganz kleinlaut. Zunächst. 

Denn als Farid Band und Kollegah in der Kategorie “Hip Hop National” ausgezeichnet wurden, hatte Kollegah Campino dann doch etwas zu sagen. 

“Uns an den Pranger zu stellen ist stillos und gebührt so einem großen Künstler wie Campino nicht”, sagte der Rapper auf der Bühne. “Aber: Als Zeichen des Friedens habe ich die Zeit genutzt und ein schönes Portrait gezeichnet, das ich zu einem guten Zweck versteigern werde.”

Dabei hielt er einen Zettelt mit einer Karikatur von Campino als Moralapostel hoch.

AXEL SCHMIDT via Getty Images
Kollegah mit seinem Kunstwerk

(mf)