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17/12/2017 16:25 CET | Aktualisiert 17/12/2017 16:25 CET

Bußgeld durch flexible Arbeitszeiten? Was Arbeitgeber beachten sollten!

Immer seltener findet man in der heutigen Zeit das klassische Arbeitsmodell, indem man von 9 bis 17 Uhr arbeitet und beim Verlassen des Büros auch tatsächlich frei hat. Flexible Arbeitszeiten durch Homeoffice erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber wünschen sich ihre Mitarbeiter auch außerhalb der Dienstzeit erreichen zu können. Heutzutage ist dies möglich: Dank Arbeitshandy und -laptop. Aber dieses Modell birgt auch Gefahren für den Arbeitgeber, der unter Umständen haftbar gemacht werden kann.

Arbeitgeber haftet für überschrittene Arbeitszeiten!

Arbeitnehmer müssen die gesetzlichen Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes einhalten, sofern sich ihr Arbeitsplatz außerhalb der Betriebsstätte befindet. Tun sie dies nicht, haftet im Endeffekt jedoch der Arbeitgeber und kann Bußgelder auferlegt bekommen, da das Gesetz an das klassische Arbeitsmodell geknüpft wurde. Daher müssen Arbeitgeber auch im Falle eines Mitarbeiters im Homeoffice ein Auge auf dessen Arbeitspensum haben.

Risiken für Arbeitgeber:

1. Höchstarbeitszeit, § 3 ArbZG: An Werktagen (Mo - Sa) dürfen Arbeitnehmer maximal acht Stunden täglich arbeiten. Ausnahmen von bis zu zehn Stunden können toleriert werden, solange dies tatsächlich nicht dem Regelfall entspricht und eine durchschnittliche Arbeitszeit von acht Stunden innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten/ 24 Wochen nicht überschritten wird.

2. Ruhepausen, § 4 ArbZG: Beläuft sich die tägliche Arbeitszeit auf sechs bis neun Stunden, so muss eine Pause von 30 Minuten gewährt und auch eingehalten werden. Bei mehr als neun Stunden Arbeitszeit verlängert sich diese auf 45 Minuten. Die Ruhepausen können in mehrere Zeitabschnitte von 15 Minuten aufgeteilt werden. Das Auslassen von Pausen um die Arbeitszeit früher beenden zu können, ist nicht zulässig und kann mit einem Bußgeld bestraft werden.

3. Ruhezeit, § 5 ArbZG: Endet die Arbeitszeit, so muss dem Arbeitnehmer eine ununterbrochene Ruhezeit von elf Stunden gewährt werden. Erst elf Stunden nach der letzten Arbeitsleistung darf die Arbeit wieder aufgenommen werden.

4. Sonn- und Feiertagsruhe, § 9 ArbZG: An Sonntagen, so wie gesetzlichen Feiertagen dürfen Arbeitnehmer von 0 bis 24 Uhr nicht mit Arbeit beschäftigt werden. Dies regelt das sogenannte Gebot der Sonn- und Feiertagsruhe. Ausnahmen bilden hierbei die Feuerwehr, Krankenhäuser oder Polizei. Werden Arbeitnehmer, die nicht in diese Sonderregelung fallen trotzdem an einem Sonntag beschäftigt, ist ihnen innerhalb der nächsten zwei Wochen ein Ersatzruhetag an einem Werktag zu gewähren. Arbeitet man an einem Feiertag, so hat man acht Wochen Zeit einen Ersatzruhetag zu nehmen.

5. Aufzeichnung der Arbeitszeit, § 16 ArbZG: Die Arbeitszeit, die acht Stunden an einem Werktag überschreitet oder an Sonn- und Feiertagen stattfindet, muss durch den Arbeitgeber aufgezeichnet werden. Nachweise darüber, müssen mindestens zwei Jahre lang aufbewahrt werden.

Im Gegensatz zur klassischen Büropräsenzzeit gibt es für den Arbeitgeber beim Homeoffice weniger Möglichkeiten die Arbeitszeit ihrer Arbeitnehmer zu gestalten. Wichtig ist hierbei für beide Parteien eine offene Kommunikation, sowie eine Vertrauensbasis. Nur so kann es gelingen, trotz flexibler Arbeitszeiten alle Gesetze einzuhalten, ohne ein Bußgeld oder die Haftung des Arbeitgebers zu riskieren.

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