POLITIK
25/04/2018 20:07 CEST | Aktualisiert 26/04/2018 18:23 CEST

Bayerischer Busfahrer: "Ich lass keine vollverschleierte Frau rein"

"Da verlier ich lieber meinen Job."

  • Ein Busfahrer im niederbayerischen Deggendorf hat im Gespräch mit der HuffPost verkündet, keine vollverschleierte Frau in seinen Bus zu lassen. 
  • Der AfD-Wähler sagt, er habe Angst vor den Flüchtlingen.
  • Oben im Video: Frauen in Burkas oder ein leerer Bus? Rechte flippen beim Anblick eines Bildes aus.

“Wenn ’ne vollverschleierte Frau in meinen Bus steigen will, werd ich meinen Job verlieren. Denn ich werd’ die nicht reinlassen”, sagt Christian. Er ist 45 Jahre alt, Busfahrer und AfD-Wähler. 

Ich treffe Christian im Bahnhofsbiergarten in Deggendorf. Nirgendwo in Westdeutschland erzielte die AfD bei der Bundestagswahl 2017 ein höheres Ergebnis als in der niederbayerischen Stadt. 

Im Bezirk St. Martin waren es sogar 31,5 Prozent. Damit lag die AfD dort sogar vor der CSU.

Ich wollte herausfinden, wie die AfD-Wähler ein halbes Jahr nach der Wahl ticken und habe bei meiner Suche Christian getroffen. 

“Die Türken dürfen Messer tragen – zwischen den Rippen” 

“My life is dope and I do dope shit” steht auf dem T-Shirt, das sich über seinen Bauch spannt. Frei übersetzt bedeutet das so viel wie “Mein Leben ist der Knaller und ich mache Knallersachen”.

Er habe Angst vor Vollverschleierung, weil er dann nicht sehe, was sich unter der Kleidung befindet, erklärt er. Er selbst trägt eine dunkle Sonnenbrille, hinter der seine Augen kaum erkennbar sind. 

Christian befürchtet, dass aus Deutschland ein islamischer Staat wird und reißt Witze wie: “Die Türken dürfen ja jetzt schon Messer bei sich tragen” und schiebt hinterher: “Wo bei sich tragen? Zwischen den Rippen.”

Dann lacht er grölend. Dass sein Witz menschenverachtend ist, scheint ihm nicht aufzufallen. 

“Eher Bahnhof Johannesburg als Deggendorf”

“Das ist doch schon nicht mehr Bahnhof Deggendorf hier, eher Bahnhof Johannesburg”, behauptet er. Er wüsste das, denn er sei schon mal in Afrika gewesen. 

Schon zuvor hatte mich ein AfD-Wähler gewarnt, der Bahnhof in Deggendorf sei “ein gefährliches Pflaster, wo man sich als junge Frau besser nicht alleine aufhalten sollte”. 

Alles “voller Gesocks”, sagte mir die AfD-Wähler. Als ich vor dem Bahnhof sitze, umgeben von Blumen, sehe ich nur Mütter mit lachenden Kindern und einige dunkelhäutige junge Männer. 

Direkt neben dem Hauptbahnhof befindet sich das Transitzentrum. Dort werden Flüchtlinge aus Sierra Leone aufgenommen und verarztet. 

Als die ersten Flüchtlinge am Bahnhof in Deggendorf ankamen, war Christian noch Taxifahrer. 

Wut auf einen Flüchtling

“Ich saß im Taxi am Bahnhof und habe gesehen, wie ein Flüchtling einen Beutel in den Müll geworfen hat”, erzählt Christian. “Ich bin ausgestiegen und habe gesehen, dass darin Zahnpasta und anderer Kosmetikkram war, alles ganz neu. Das brauchten die wahrscheinlich nicht mehr, weil sie so viel geschenkt bekommen haben. Das habe ich mir dann genommen.” 

Christian schüttelt verständnislos den Kopf. Sollte es wirklich so gewesen sein, kann ich seine Verwunderung verstehen. Doch für sein menschenverachtendes Verhalten ist auch das keine Entschuldigung. Schließlich weiß er nicht, aus welchen Gründen der Flüchtling den Beutel weggeworfen hat. 

Und vermutlich interessiert es ihn auch gar nicht.

Denn Christian, das merke ich schnell, scheint sich vor allem zu fürchten was fremd ist. Um eine vollverschleierte Frau nicht in seinen Bus lassen zu müssen, ist er sogar bereit, seinen Job zu riskieren. 

In welchem Busunternehmen Christian arbeitet, ist der HuffPost nicht bekannt.

Update: Die Deutsche Bahn will nun herausfinden, ob Christian einer ihrer Mitarbeiter ist. Denn: “Diskriminierung ist nicht mit der Unternehmenskultur der Deutschen Bahn und dem Auftreten ihrer Kunden gegenüber vereinbar”, teilte eine Sprecherin der Deutschen Bahn der HuffPost mit. 

“Sollte sich herausstellen, dass es sich um einen Deutsche-Bahn-Mitarbeiter handelt, werden wir der Sache nachgehen und das Gespräch mit ihm suchen, um den Fall zu klären. Die Haltung der Deutschen Bahn zu Diskriminierung ist klar: Niemand darf aufgrund seines Geschlechts, seines Alters, seiner sexuellen Orientierung und seiner Religiosität benachteiligt werden.” 

Der Artikel ist ein Auszug aus unserer Reportage “Deggendorf: Mit einem AfD-Wähler und einem Reichsbürger im Biergarten”, die ihr vollständig hier lesen könnt. 

(mf)