ELTERN
31/08/2018 13:17 CEST

Im Bus: Mädchen fühlen sich durch 12-Jährige mit Behinderung belästigt

"Für Lena sind Busfahrten das Allergrößte."

  • Ein Vater berichtet von einer Busfahrt seiner Tochter mit Behinderung – und wie sich zwei Mädchen von ihr belästigt fühlten. 
  • In einem emotionalen Facebook-Post richtet er sich an die beiden Teenagerinnen.
  • Oben im Video seht ihr ein Video, in dem sich Vater und Tochter zu dem Feedback des Posts äußern.

Schon die kleinsten Dinge im Alltag können für Menschen mit Behinderung zu einer großen Herausforderung werden. So auch für die 12-jährige Lena aus Kamp-Lintfort in Nordrhein-Westfalen.

Das Mädchen leidet am SYNGAP-Syndrom, einem Gendefekt. Es ist eine geistige Behinderung von der weltweit nur 300 Fälle bekannt sind.

Lenas Vater, Oliver Hülsken, schreibt in einem Facebook-Post schreibt, “Für Lena sind Busfahrten das Allergrößte” – aber auch jedes Mal ein Abenteuer.

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► Vor wenigen Tagen sei seiner Tochter während einer Busfahrt etwas Ungerechtes widerfahren. Wie es in dem Post heißt, sei Lena zusammen mit ihrer Großmutter unterwegs gewesen.

► Zwei Mädchen, die ebenfalls in dem Bus waren, hätten sich durch Lena belästigt gefühlt. Er spricht die beiden Mädchen in seinem Post direkt an: 

“Ihr müsst ungefähr 14-15 Jahre alt gewesen sein. Gelegentlich trafen Lenas Blicke Euch. Keine bösen Blicke. Keine hässlichen Blicke. Nein, Blicke aus Interesse und Neugier. Blicke voller Zuneigung, weil Lena jeden Menschen mag.”

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Die Teenagerinnen fühlten sich durch Lenas Blicke belästigt

Weiter schreibt der Vater, dass die beiden Mädchen immer wieder die Plätze im Bus gewechselt hätten. Das hätte das Interesse seiner Tochter geweckt. Lena habe daraufhin oft in die Richtung der beiden Mädchen geschaut. Eine der Mädchen sei dann direkt auf sein Tochter und ihre Großmutter zugegangen.

Er schreibt:

“Du sagtest, dass Lena euch gefälligst nicht die ganze Zeit anschauen solle. Ihr - besonders deine Freundin - würdet euch dadurch belästigt fühlen. Es tut mir unendlich leid, dass es euch unangenehm war. 

Appell für mehr Toleranz

Dann folgt ein emotionaler Appell des Vaters. Er schreibt, später seien die beiden Mädchen womöglich selbst Eltern.

Vielleicht sogar von einem Kind mit Behinderung. Er hoffe für die Mädchen, dass sie selbst nie in eine solche Situation kommen, in die sie seine Tochter gebracht haben. Ganz selbstlos wünsche er den beiden Mädchen alles Gute für ihre Zukunft.

Der Beitrag wurde mehr als 62.000 Mal geteilt und mehrere tausend Mal kommentiert.

► Die Worte des Vater treffen einen Nerv. Viele User bedanken sich für seine Worte und wünschen ihm und seiner Tochter alles Gute. 

Lena und ihr Vater selbst können das Ausmaß dieser Aufmerksamkeit gar nicht fassen. Hülsken schreibt:

“Es hat mir echt die Sprache verschlagen, wieviel Zuspruch Lena erhalten hat. (...) Wie viele Menschen den Beitrag mit lieben Worten kommentiert haben. (...) Ich bin euch unendlich dankbar dafür.”

► Wie ihr in dem Video oben sehen könnt, meldeten sich Lena und ihr Vater nach dem emotionalen Post nochmal selbst zu Wort, bedanken sich für den vielen Zuspruch – und erzählen, dass sich Lena schon auf die nächste Busfahrt freut.

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(ujo)