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12/03/2018 14:43 CET | Aktualisiert 12/03/2018 14:58 CET

Trauernde Mutter aus Bayern klagt an: Der Staat schützt kriminelle Polizisten

"Der Schütze gehört ins Gefängnis."

  • Ein bayerischer Polizist hat den 33-Jährigen André Borchardt in Burghausen erschossen
  • Jetzt erhebt seine Mutter schwere Vorwürfe gegen die Polizei
  • Im Video oben seht ihr, wieso auch ihre letzte Hoffnung auf Gerechtigkeit gestorben ist

André Borchardt wäre heute 37 Jahre alt. Hätte ihn nicht am 25. Juli 2014 ein bayerischer Polizist erschossen.

André soll mit Marihuana gedealt haben, Michael K. wollte ihn an jenem Sommerabend festnehmen. Der damals 33-jährige Deutschrusse rannte weg, missachtete die Rufe der Zivilfahnder, wenige Sekunden später traf ihn eine Kugel in den Hinterkopf. André Borchardt war sofort tot. 

Schütze Michael K. musste sich nie vor einem Gericht verantworten. Der Zivilfahnder aus dem bayerischen Burghausen im Landkreis Altötting musste niemals Andrés Mutter in einem Gerichtssaal gegenübertreten und ihr erklären, wieso er ihrem Sohn nicht einfach hinterhergerannt ist – anstatt eine Waffe zu ziehen. 

Für Mutter Lilia Borchardt ist die Entscheidung der Staatsanwalt ein Skandal.

Dreieinhalb Jahre lang tat sie alles, was in ihrer Macht stand, damit ihrem Sohn André endlich Gerechtigkeit widerfährt. “Ich weiß, André wird nicht mehr lebendig. Aber wenigstens Gerechtigkeit sollte es geben”, mahnt Borchardt in der HuffPost an. 

“Der Schütze gehört ins Gefängnis”

Sie nahm sich einen prominenten Münchner Anwalt, schrieb Menschenrechtsorganisationen an, startete gemeinsam mit Andrés Freundin eine Petition.

Sie forderte: Gegen Michael K. solle endlich Anklage erhoben werden.

Ihre Anstrengungen waren umsonst.

Im Februar 2016 – 19 Monate nach dem tödlichen Ereignis – entschied die Traunsteiner Staatsanwaltschaft, dass Michael K. nicht angeklagt wird. Der Schütze soll weder vorsätzlich noch fahrlässig den Tod von André verursacht haben.  

Der Münchner Star-Anwalt Steffen Ufer, der Borchardt vertrat, vermutete schon vor der Entscheidung, dass keine Anklage erhoben wird. “Dieses Verfahren diente nicht der Aufklärung, sondern lediglich der Rechtfertigung der polizeilichen Aktion”, sagte er dem lokalen Online-Portal “innsalzach24.de”. Den Einsatz bezeichnete er als “aberwitzig”. 

Mittlerweile hat die 65-Jährige resigniert, aus Trauer ist Wut geworden. Wut auf das deutsche Rechtssystem. “Es geht hier um Gerechtigkeit. Die Polizisten vor Ort haben sich nicht richtig verhalten”, klagt sie an. “Der Schütze gehört ins Gefängnis.” Doch dort wird er vermutlich nie hinkommen. Sie sagt: “In Deutschland werden kriminelle Polizisten geschützt.”

Anders kann sich Borchardt nicht erklären, wieso Michael K. nicht angeklagt wurde. “Die offenen Fragen, von denen es einige gibt, hätte man doch alle in einem Hauptverfahren klären können.”

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“Der Polizei ist das doch gleichgültig”

Mittlerweile ist auch die Frist für ein Klageerzwingungsverfahren abgelaufen. Es hätte dazu führen können, dass sich unabhängige Staatsanwälte aus München mit dem Fall beschäftigen, die Beweislage neu einordnen und dann entscheiden, ob die Traunsteiner Staatsanwälte die Lage korrekt eingeschätzt haben.

“Der Polizei und unseren Politikern ist das doch alles gleichgültig. Sie sind schon so in ihre Macht versunken, dass ihnen alles andere egal ist”, sagt Borchardt. Das schließt sie auch aus der Situation am Tatort. Direkt neben dem Schützen und ihrem Sohn spielten mehrere Kinder. Ein Querschläger hätte auch deren Leben auslöschen können. 

Anschließend befragte die Polizei die Kinder, das sogar mehrfach.

“Die Kinder haben danach auch gelitten. Ich habe erfahren, dass sie Albträume hatten. Das war den Verantwortlichen doch auch egal. Dreimal haben sie die Kinder vernommen, wollten sogar ein viertes Mal mit ihnen reden. Doch da haben die Eltern gesagt ‘Nein’.”

“Das hat mich kaputt gemacht”

“Ich konnte nicht mehr schlafen, das hat mich seelisch und körperlich kaputt gemacht. Die Polizei hat mein Leben zerstört”, sagt Borchardt. Sie weiß: Sie muss endlich Ruhe finden. 

Dennoch verfolgt sie ihr Ziel weiter. Sie möchte, dass Michael K. eines Tages zur Rechenschaft gezogen wird.