POLITIK
05/10/2018 12:02 CEST | Aktualisiert 05/10/2018 14:58 CEST

Bundesregierung gibt Russland Schuld an Cyberattacken

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Inga Kjer via Getty Images

► Die Bundesregierung beschuldigt offiziell Russland als Urheber massiver Cyberattacken auf den Bundestag und das Datennetzwerk des Bundes. Zuvor hatten andere Staaten ähnliche Vorwürfe gegen Russland erhoben.

► “Auch die Bundesregierung geht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass hinter der Kampagne APT28 der russische Militärgeheimdienst GRU steckt”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. APT28 gilt als Hacker-Kollektiv, das diverse Angriffe verübt haben soll.

► “Diese Einschätzung beruht auf einer insgesamt sehr guten eigenen Fakten- und Quellenlagfe”, sagte Seibert. Die Regierung habe “volles Vertrauen” auch in die Einschätzung der britischen und niederländischen Behörden.

Was andere Staaten den Russland vorwerfen:

► Am Donnerstag hatten die USA sieben Agenten des russischen Militärgeheimdiensts GRU unter anderem wegen der Cyberattacke auf die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada angeklagt.

Mit den Angriffen auf die Wada und den Leichtathletikverband IAAF wollten die russischen Hacker nach Darstellung der US-Ermittler von den Vorwürfen eines staatlich betriebenen Dopings gegen Russland ablenken. Sie hätten aber auch versucht, sich in den US-Atomkonzern Westinghouse zu hacken. Details dazu - etwa, ob die Attacke Erfolg hatte - gab es nicht.

► Die britische Cyberabwehr erklärte, sie rechne APT28 dem GRU zu. Die Briten hatten eine Liste von Hackergruppen veröffentlicht, hinter denen “so gut wie sicher” der GRU stehe. Darunter ist auch APT 28, die hinter den Angriffen in Deutschland vermutet wird. 

Niederländische Behörden erwischten nach eigenen Angaben GRU-Agenten beim Versuch, sich ins Computernetz der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu hacken. Die Organisation untersuchte damals, im April, Chemiewaffen-Angriffe in Syrien sowie die Nervengift-Attacke auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien.

Die niederländischen Vorwürfe waren besonders ausführlich und gut dokumentiert. Die Niederländer veröffentlichten am Donnerstag unter anderem Bilder von der Spionageausrüstung sowie Daten von beschlagnahmten Geräten.

Aus den Gerätedaten gehe hervor, dass auch Hacker-Attacken in der Schweiz und auf die strafrechtliche Untersuchung zum Abschuss des Passagierfluges MH17 geplant gewesen seien, hieß es.

Was ihr noch über den Angriff auf deutsche Netzwerke wissen müsst:

Bei dem Angriff auf den Bundestag 2015 hatten sich Angreifer so weitreichenden Zugang verschafft, dass die Bundestags-IT ausgetauscht werden musste. 

Bei dem im Februar bekannt gewordenen Angriff auf das Datennetzwerk des Bundes hatten Cyberspione unter anderem das deutsche Außen- und das Verteidigungsministerium attackiert. Dabei sollen sie auch Daten erbeutet haben. Hinter diesem Angriff wurde nach früheren Angaben aus deutschen Sicherheitskreisen auch die Hacker-Gruppe “Snake” vermutet, die ebenfalls dem russischen Geheimdienst zugerechnet wird.