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28/06/2018 19:24 CEST | Aktualisiert 29/06/2018 09:59 CEST

"Bundesliga.com" rechnet mit Nationalelf ab – die DFL lässt den Artikel löschen

“Merkwürdige Kaderauswahl”.

Stefan Matzke - sampics via Getty Images
Bittere Niederlage: Mesut Özil, Antonio Rüdiger, Marco Reus und Thomas Müller nach dem Spiel gegen Südkorea.
  • Eine Website der DFL hat die deutsche Nationalmannschaft scharf kritisiert.
  • Das hat offenbar den Bundesliga-Verantwortlichen nicht gefallen – der entsprechende Artikel ist nicht mehr online. 

Fast jeder bekannte Fußballexperte hat das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft bereits kommentiert: Von ZDF-Kommentator Béla Réthy und Oliver Kahn, über Mats Hummels und Oliver Bierhoff bis zum Bundestrainer Jogi Löw selbst.

Gleich nach dem Spiel unterzog auch die englischsprachige Fußballseite “Bundesliga.com” dem DFB-Team und dessen bescheidener Leistung einer Generalkritik. Die Seite ist ein offizielles Portal der DFL, dem Zusammenschluss der deutschen Profi-Fußballvereine. 

Pikant: “Bundesliga.com” kritisiert in ihrem Artikel mit dem Titel “Fünf Gründe, warum Deutschland aus der Weltmeisterschaft 2018 rausgeflogen ist” vor allem Löw scharf. Wohl deshalb distanzierte sich die DFL nicht nur von dem Text, sondern stellte ihn auch offline.

Kannte Löw sein bestes Team nicht?

► “Bundesliga.com” kritisiert die “merkwürdige Kaderauswahl” des Bundestrainer und schreibt von “einer gespaltenen Truppe”. Angesichts der etlichen vergebenen Torchancen von Stürmer Mario Gomez sei es “bizarr”, dass Sandro Wagner nicht mit nach Russland reisen durfte. Die Website wirft Löw auch deshalb vor, nicht sein besten Team zu kennen. 

Screenshot
“Fünf Gründe, warum Deutschland aus der Weltmeisterschaft 2015 rausgeflogen ist” – so titelte "Bundesliga.com".

Angst vor der eigenen Courage 

Obwohl ein Großteil des Textes durchaus konstruktiv ist und Ursachen benennt, distanzierte sich die DFL “in aller Deutlichkeit” am Donnerstagnachmittag davon

► In der auf Twitter verbreiteten Stellungnahme heißt es: “Niemand der bei der DFL Verantwortung tragenden Personen war an der Erstellung des Textes beteiligt oder hat vor Erstellung und Veröffentlichung Kenntnis gehabt.” Der Text ist von der Redaktion der DFL-Tochterfirma erstellt wurden und sei nicht mit der DFL “abgestimmt” gewesen.

Das klingt eher so, als habe die DFL Angst vor der eigenen Courage gehabt und wollte die Bundesliga-Clubs und ihre Stars nicht selbst brüskieren. Offenbar machte die DFL allerdings intern so viel Druck, dass “Bundesliga.com” den Artikel vom Netz nahm.

(mkl)