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22/03/2018 13:43 CET

Bulgarien: Wie ein ganzes Dorf Störche vor dem Erfrieren rettet

“Ich habe sie mit nach Hause genommen und den Ofen angemacht."

Stoyan Nenov / Reuters
Der Bulgare Safet Halil hat Störche bei sich aufgenommen.
  • Der unerwartete Kälteeinbruch wird für viele Zugvögel zur tödlichen Gefahr
  • Die Bewohner eines Dorfs in Bulgarien nehmen Störche bei sich auf, um sie vor dem Erfrierungstod zu retten

Schlechte Nachrichten für Störche, die derzeit aus den warmen Ländern zurückkehren: In Europa erwartet sie klirrende Winterkälte anstelle des gewohnten Frühlings.

Rumänische Medien beobachteten viele dieser Zugvögel, die verzweifelt auf verschneiten Feldern nach Nahrung suchen, oder mit aufgeplustertem Gefieder in ihren eingeschneiten Nestern sitzen.

► Die Ornithologische Gesellschaft in Bukarest hat die Bevölkerung deshalb dazu aufgerufen, den Störchen zu helfen – allerdings nur, wenn diese offensichtlich in Not sind.

Ein Storch, der nicht im Nest sitze und keine Angst habe, sich Menschen zu nähern, brauche Hilfe, teilte die Organisation am Mittwoch mit. 

Störche zum Aufwärmen vor den Ofen setzen

► Diese Tiere solle man möglichst mit rohen Fischstücken füttern oder mit Nüssen und Obst. Aber auf keinen Fall mit Brot, erklärten die Ornithologen weiter.

Sollte der Storch so sehr unterkühlt sein, dass er sich nicht mehr bewegen kann, dürfe man ihn ins Haus nehmen, sofern man ihn in einem separaten Raum unterbringen kann. 

Genau das haben die Bewohner eines Dorfs in Bulgarien getan. Denn auch dort landeten hunderte Störche, überrascht von dem verspäteten Wintereinbruch. Die Flügel der Zugvögel vereisen – eigentlich ein Todesurteil für die Tiere.

“Ich habe vorgestern fünf gefrorene Störche in der Nähe der Dorfstraße gefunden”, sagte der 53-jährige Safet Halil am Mittwoch der britischen Tageszeitung “The Guardian”. Halil ist Bauer und lebt in Zaritsa, einem Dorf nahe der Stadt Dulovo.

Dutzende Vögel sind bereits gerettet

“Ich habe sie mit nach Hause genommen und den Ofen angemacht, um sie zu wärmen und habe sie mit Fisch gefüttert.”

Mit seiner Rettungsaktion hat Halil eine Welle der Unterstützung ausgelöst. Viele Menschen in seinem Dorf folgten Halils Beispiel, über 40 Vögel haben sie zum Schutz schon in Garagen, Scheunen und Häusern untergebracht.

Stoyan Nenov / Reuters
Die Störche erholen sich im Haus von Bauer Safet Halil

Im Jahr 2016 gab es in Bulgarien fast 6000 bewohnte Storchennester. Rund 1000 mehr als noch zehn Jahre zuvor. Der Bestand wächst, doch in den kommenden Tagen soll der Wind in Bulgarien eisig bleiben, die Temperaturen unter Null Grad liegen und es könnte noch einmal schneien.

Halil sagt, dass er seine fünf Gefährten deshalb auf jeden Fall für mehrere Tage bei sich zu Hause behalten wolle.

Die Vögel scheinen sich jedenfalls gut zu erholen. “Ich habe schon zwei, drei Schnabelbisse abbekommen”, sagte der 53-Jährige den “Guardian”.

Mit Material der dpa

(jg)