ELTERN
23/04/2018 16:26 CEST | Aktualisiert 23/04/2018 17:07 CEST

Sachsen: Bürgermeister rechnet mit Eltern in Neukirchen ab – zu Recht

"Ich schäme mich für euch in Grund und Boden."

  • Wegen falsch parkenden Eltern vor einer Kita wurde der Notdienst, der wegen einem verletzten Kind kam, behindert
  • Der Bürgermeister der Stadt meldete sich daraufhin mit einem ungewöhnlichen Facebook-Post
  • Im Video oben eine andere Geschichte: Sanitäter wollen nach Einsatz zurück in den Krankenwagen und entdecken dreiste Nachricht

Vergangenen Donnerstag hat der Bürgermeister der Gemeinde Neukirchen in Sachsen einen wütenden Facebook-Post veröffentlicht.

Der Post von Sascha Thamm richtet sich an Eltern der Kita “Pünktchen”, die regelmäßig die Zufahrt mit ihren Autos blockieren.

“Ich habe überlegt, ob ich es sachlich formuliere, habe mich dann aber dagegen entschieden”, sagte Bürgermeister Thamm der Zeitung “Freie Presse”. Denn die Falschparker sind nicht der einzige Auslöser für seinen Brief, der in seiner Wortwahl für einen Bürgermeister eher ungewöhnlich zu sein scheint.

Der Notdienst konnte die Kita schlecht erreichen

In der vergangenen Woche hatte ein Kind der Kita offenbar einen Unfall. Es sei von der Rutsche gefallen und wäre kurz bewusstlos gewesen. Thamm berichtete gegenüber der Zeitung, dass die Erzieherinnen entschieden, den Rettungsdienst zu rufen, damit es untersucht werden konnte.

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Doch durch die Autos der Eltern war es für den Notdienst nicht leicht, überhaupt zur Kita zu kommen, da sie die Zufahrt mit ihren Autos blockierten.

Und als wäre das noch nicht schlimm genug, würden die Rettungskräfte auch noch durch Gaffer bei ihrer Arbeit behindert. Eltern standen in Trauben ringsherum, Kinder wurden am Fahrzeug hochgehoben, damit sie ins Innere schauen können. Erst nach mehrfacher Aufforderung wurde Platz gemacht”, schreibt Thamm.

Sascha Thamm
Sascha Thamm ist seit August 2015 Bürgermeister der Gemeinde Neukirchen.

Der Bürgermeister steht zu seinen Aussagen

Für Thamm war das der Auslöser, einen Brief mit der Überschrift “Es könnte euer Kind sein” an die falsch parkenden Eltern zu veröffentlichen:

Mehrfach schreibt er “Schämt euch” und wirft den Eltern “Dummheit und Ignoranz” vor.

Thamm würde zu seinen Aussagen weiterhin stehen: “Man muss es wohl erst so deutlich machen, damit es alle verstehen”, sagte er der Zeitung. 

Das Thema kommt offenbar nicht das erste Mal zur Diskussion. Die Parkplatzsituation um die Kita sei schon lange schwierig, dennoch gäbe es etwa 100 Meter weiter andere Parkplätze. Es würde aber schon überlegt werden, wie zusätzliche Plätze geschaffen werden können.

Die Eltern wurden mehrfach auf das Falschparken hingewiesen

Der Bürgermeister habe die Eltern schon öfter darauf hingewiesen, dass man vor der Kita nicht parken könne, aber selbst dass es sich um eine Rettungszufahrt handle, schien nicht zu nützen.

“Es ist noch niemand dadurch gestorben, dass er ein paar Meter zu Fuß gegangen ist”, sagte der Bürgermeister der Zeitung. “Wenn wir am Kindergarten einen Drive-In bauen würden, würden Eltern selbst den nutzen.”

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Viele Bewohner aus Neukirchen stimmen dem Bürgermeister zu. Ein Nutzer kommentierte: “Traurig, dass so ein Post überhaupt nötig ist, um an die Vernunft der Eltern und Autofahrer zu appellieren.”

Thamm sei nicht für emotionale Ausbrüche bekannt

Dem betroffenen Kind gehe es inzwischen wieder gut, sagte Thamm. Es wäre nach der Untersuchung im Krankenhaus wieder entlassen worden.

Dennoch beschäftigt sich der junge Bürgermeister weiter mit dem Thema: “Ich werde das Ordnungsamt anweisen, täglich vor der Kita zu kontrollieren.”

Die “Freie Presse” schreibt, dass der Bürgermeister nicht für emotionale Ausfälle bekannt sei, sondern seine Ziele nüchtern und pragmatisch verfolge. Das zeigt, wie sehr es Thamm bewegt haben muss.

(kap)