ELTERN
24/09/2018 12:17 CEST

Brustkrebs kann Depressionen auslösen – 8 von 10 Frauen wissen das nicht

"Frauen erwarten, sich nach erfolgreicher Behanldung besser zu fühlen – und sind am Boden zerstört, wenn sie feststellen, dass der schwerste Teil erst noch kommt."

  • Frauen, die an Brustkrebs erkranken, erhalten nur wenig Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Probleme.
  • Eine britische Studie brachte dazu nun erschreckende Zahlen ans Tageslicht.

Angstzustände und Depressionen: Für Frauen, die an Brustkrebs leiden, können diese Krankheiten nach der Kebsdiagnose zum Alltag werden. Doch viele Patientinnen sind sich dessen gar nicht bewusst – denn sie werden von Ärzten und Gesundheitsexperten nicht darüber aufgeklärt. 

Laut einer Studie der britischen Organisation “Breast Cancer Care” erfahren acht von zehn Brustkrebspatientinnen in Großbritannien nicht von ihren Ärzten, dass ihre Erkrankung ihre psychische Gesundheit stark beeinträchtigen kann.

Deshalb fordert die Organisation nun bessere psychische Betreuung für Frauen nach der Diagnose.

“Ich habe komplett aufgehört, meinem Körper zu vertrauen”

Bei Lauren Faye aus dem britischen Bristol wurde der Brustkrebs im Juni 2016 diagnostiziert. Seitdem musste die 28-Jährige einiges durchmachen: der Tumor wurde operativ entfernt, sie bekam eine Strahlentherapie und hatte nebenbei mit Angstzuständen und sozialer Isolation zu kämpfen.

“Meine Angst hinderte mich daran, mich an das Leben nach dem Brustkrebs zu gewöhnen”, sagt sie gegenüber der HuffPost. “Ich habe komplett aufgehört, meinem Körper zu vertrauen und lebte in ständiger Angst, etwas könne mit mir falsch sein.”

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Lauren Faye hatte Brustkrebs - danach fand sie nur schwer ins Leben zurück.

► Bis heute sei die Sorge in ihrem Hinterkopf, der Krebs könne wieder zurückkehren.

So habe sich ihr letzter Arztbesuch nach dem Sieg über den Krebs eher nach einem Verlust angefühlt, erzählt Faye. Sie habe sich damals so darauf fokussiert, die Behandlung abzuschließen, dass sie nie darüber nachgedacht habe, wie schwer es sein könnte, nach der Krankheit wieder nach vorne zu schauen.

“Unterstützung habe ich nicht bekommen”

“Ich fühlte mich von meinen Freunden isoliert, weil ich keine Energie hatte, mit ihnen auszugehen”, so die 28-Jährge, “Ich sah dabei zu, wie sie alle im Leben immer weiterkamen – mit der Karriere, ihren Beziehungen.”

“Nicht einmal am Ende meiner Behandlung erwähnte mein Ärzteteam den Einfluss des Brustkrebs auf meine mentale Gesundheit. Unterstützung habe ich nicht bekommen”, fügt sie hinzu.

Erst als sie die Hilfe-Hotline von “Breast Cancer Care” anrief, seien Fayes Gefühle verstanden worden. Erst dann habe sie erkannt: Ihr Zustand ist ganz normal.

► Die Studie, für die knapp 3000 Brustkrebspatientinnen befragt wurden, ergab nämlich ein ähnliches Bild: So erlebte ein Drittel aller Frauen nach der Diagnose zum ersten Mal Angstzustände, acht Prozent erstmals Panikattacken.

Knapp die Hälfte aller Befragten (45 Prozent), gaben an, in ständiger Angst zu leben, dass der Krebs zurückkommen könnte – ein Gefühl, das den Alltag extrem beeinträchtigen kann.

Emotionale Nebenwirkungen begleiten Frauen ein Leben lang

“Breast Cancer Care” und die Partnerorganisation “Mind” warnen Betroffene nun vor dem Gefühl, das Faye nach ihrer Genesung überrollt hat: Wenn der Krankenhausalltag schließlich zu einem Ende kommt, fühlen sich Brustkrebspatientinnen oft alleine, bekommen nicht genug Unterstützung und sind unsicher, wo sie Hilfe erhalten können.

Außerdem fand die Studie der Organisation heraus: Mehr als eine von zehn Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren, verlassen das Haus nach der Genesung seltener - aufgrund der emotionalen und körperlichen Nebenwirkungen, die sie ihr ganzes restliches Leben begleiten.

Samia al Quadhi, Vorsitzender von “Breast Cancer Care”, sagt der HuffPost dazu: “Diese erschreckenden Zahlen unterstreichen die harte Realität des Lebens nach dem Brustkrebs. Wir versuchen deshalb, der mentalen Unterstützung während und nach der Krebsbehandlung höchste Priorität zu verleihen.”

“Ein zerstörtes Körperbild, Angst vor der Rückkehr der Krankheit und andere langfristige Nebenwirkungen können die Identität zerstören und das Selbstvertrauen in den Boden stampfen”, erklärt al Quadhi weiter, “Der Brustkrebs lässt Frauen zurück, die sich unglaublich alleine und abgeschnitten von Freunden, der Familie und der restlichen Welt fühlen.”

“Zu oft werden mentale und physische Probleme getrennt behandelt”

“Wir wissen, dass Frauen erwarten, sich nach erfolgreicher Behandlung besser zu fühlen – dann sind sie am Boden zerstört, wenn sie feststellen, dass der schwerste Teil erst noch kommt”, so al Quadhi.

Stephen Buckley, Informationsdirektor der Partnerorganisation “Mind”, fügt hinzu: “Unsere körperliche und die geistige Gesundheit hängen stark voneinander ab. Zu oft werden mentale und physische Gesundheitsprobleme getrennt behandelt.”

Umso wichtiger sei es für Frauen, auf ihre psychische Gesundheit zu achten, wenn sie ein körperliches Problem behandeln lassen.

Der Beitrag erschien zuerst bei HuffPost UK und wurde von Franziska Kiefl aus dem Englischen übersetzt.

(glm)