POLITIK
17/01/2018 12:04 CET | Aktualisiert 21/02/2018 20:24 CET

Erdogan-Anhänger sollen sich in Camps auf Bürgerkrieg vorbereiten

“Sie wollen Menschen davon abschrecken, wählen zu gehen.”

Bloomberg via Getty Images
Erdogans Anhänger radikalisieren sich. 
  • Laut Medienberichten trainieren Erdogan-Anhänger in sieben Ausbildungscamps in der Türkei für einen Bürgerkrieg
  • Die Vorwürfe rücken erneut die Sicherheitsfirma Sadat in den Fokus

Für die meisten europäischen Regierungen ist politischer Fanatismus eine Bedrohung. Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ein elementarer Teil seiner Überlebensstrategie.

Im Juli 2016 waren es fanatische Erdogan-Anhänger, die den Putschversuch türkischer Soldaten in Istanbul und Ankara niederschlugen – angeführt von einer kleinen bewaffneten Einheit der AKP-nahen Sicherheitsfirma Sadat.

Im Frühjahr vergangenen Jahres bewaffneten sich AKP-Anhänger erneut, sogar Fotos aus Parteibüros zeigten Politiker der Erdogan-Partei neben Kriegsgerät: Kurz vor dem Präsidialreferendum lag eine Eskalation in der Luft.

Erdogan konnte die angespannte Situation in politische Unterstützung umwandeln – und gewann das Referendum.

Nun, mit wachsendem Gegenwind vor den Wahlen im kommenden Jahr, droht Erdogans Anhängerschaft eine weitere Radikalisierung. Darauf deuten Enthüllungen der türkischen Nachrichtenseite “ABC” und des Senders Tele1 hin.

In sieben Trainingszentren würden sich Anhänger des Präsidenten an Waffen ausbilden lassen, schreibt “ABC”. Es handle sich um “religiöse und faschistische” Gruppierungen.

► Ihr Ziel: Für Chaos sorgen, falls Erdogan die Präsidentschaftswahlen 2019 verlieren sollte.

“Sie wollen Wähler abschrecken”

“ABC” sollen Dokumente vorlegen, die eine Existenz der Milizen belegen sollen. Zudem veröffentlichten türkische Oppositionsmedien Fotos, die aus den Camps stammen sollen.

Tele1 / Screenshot
Ein Bild, das ABC und Tele1 veröffentlichten.

Zuerst hatte die neu gegründete Oppositionspartei Iyi Party auf das Waffentraining der Erdogan-Anhänger hingewiesen, wie die türkische Zeitung “Hürriyet” berichtet. Parteichefin Meral Aksener, die im kommenden Jahr bei der Präsidentschaftswahl gegen Erdogan antreten will, forderte Ermittlungen.

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“Wir haben über diese Trainingscamps in Tokat und Konya gehört”, sagte Aksener demnach Anfang des Jahres.

“ABC” zufolge sollen sich auch in Düzce, Kocaeli, Kayseri, Istanbul und einer weiteren Stadt am Schwarzen Meer Ausbildungseinrichtungen befinden. 

Auch mehrere arabische Medien berichten bereits über die mutmaßlichen Camps.

Zaman Arabic

Aksener erklärte: “Was sie versuchen, ist, Menschen davon abzuschrecken, wählen zu gehen.” Doch wer steckt hinter den mutmaßlichen Milizen?

Sadat ist nur ein Teil der Struktur

Noch liegt das im Unklaren. 

► Allerdings soll auch dieses Mal die Sicherheitsfirma Sadat in die Organisation verwickelt sein. Die Firma, die ihren Sitz in Istanbul hat, bietet private Militär-Trainingseinheiten an. Hinterhalte, Geiselnahmen, Anti-Terror-Operationen oder Nahkampf.

Laut Informationen von “ABC” ist Sadat jedoch nur Teil einer komplexeren Struktur. Demnach sei auch die militant-islamistische Gruppe IBDA-C in die Organisation der Trainings involviert, zudem die AKP-Jugendorganisation Ak-Genç.

Tele1 / Screenshot
Ein weiteres mutmaßliches Bild aus einem Ausbildungslager.

Derzeit sind das vor allem Spekulationen.

Doch bereits im vergangenen Jahr erhob die Oppositionspartei CHP schwere Vorwürfe gegen die AKP und Sicherheitsfirma Sadat.

Demnach biete Sadat “illegales Kampftraining” für Unterstützer Erdogans. Sogar Geheimdienstaktivitäten, psychologische Kriegsführung, Sabotage, das Stürmen von Häusern und Attentate seien Teil dieser Ausbildung.

Mit Politik hat das alles wenig zu tun. Doch für Erdogan ist das wohl zweitrangig, sollte es bei den Wahlen 2019 für ihn tatsächlich eng werden. 

Dann braucht er vor allem eins: Fanatismus.

(mf)