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18/01/2018 11:25 CET | Aktualisiert 18/01/2018 11:50 CET

An Familienministerin Barley: Wir brauchen ein Gehalt für Mütter

Kinder sind die Grundlage unserer Gesellschaft und ihre Erziehung braucht Zeit.

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Jede Mutter leistet viel Arbeit, aber ohne Bezahlung.

Sehr geehrte Familienministerin Barley,

ich fordere Sie auf, Kindererziehung endlich als Arbeit anzuerkennen, indem von der Politik ein Fürsorge-Gehalt mit allen Sozialleistungen eingeführt wird.

Dieses soll für einen Elternteil in angemessener Höhe für mindestens zwölf Jahre pro Kind gezahlt werden und flexibel mit Teilzeitarbeit kombinierbar sein. 

Darüber hinaus sollte das Fürsorge-Gehalt auch an pflegende Angehörige gezahlt werden, denn diese landen auch oft in der Altersarmut, wenn sie Vater, Mutter oder auch kranke, behinderte Kinder Jahre oder Jahrzehnte gepflegt haben.

Erziehung braucht Zeit

Kinder sind die Grundlage unserer Gesellschaft und ihre Erziehung braucht Zeit. Zeit, die wir nicht nachholen können und die uns die beste Kita nicht komplett abnehmen kann und soll.

Diese Zeit darf am Ende des Lebens nicht in die Armutsfalle führen. Jede Mutter oder jeder Vater soll alleine entscheiden können, wie viel er oder sie arbeitet, ob Vollzeit, Teilzeit, Minijob oder was auch immer.

Mütter und Väter sollen nicht, weil sie keine Arbeit finden und auf Hartz IV angewiesen sein. Denn sie arbeiten, indem sie ihre Kinder betreuen, den Haushalt machen, in die Elternsprechstunde, zum Kinderarzt gehen, kranke und behinderte Kinder pflegen, sich Hilfe in einer Beratungsstelle suchen und vieles mehr tun, um gut für ihre Kinder zu sorgen.

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Auch die Arbeit von pflegenden Angehörigen darf nicht dazu führen, dass diese Menschen dann in der Altersarmut landen.

Ich bin alleinerziehende Mutter von zwei Jungs und arbeite seit der Geburt meines ersten Sohnes – allerdings nicht mehr Vollzeit – und immer in befristeten Anstellungsverhältnissen.

Ich gehe zwar sehr gerne arbeiten. Jedoch bin ich auch gerne bei meinen Kindern. Und wenn meine Kinder nach 16.00 Uhr noch fremd betreut werden müssen, nachdem wir uns am Morgen um 7.00 Uhr verabschiedet haben, wäre das gegen das, was mir für meine Kinder wichtig ist.

Deutschland braucht ein Fürsorge-Gehalt

Wir sind eine Familie, Frau Barley und wir wollen gemeinsam Zeit verbringen. Jeden Tag! Ich habe einen Erziehungsauftrag, den ich ernst nehme und den kann ich nicht erfüllen, wenn ich mich auf Biegen und Brechen dem Arbeitsmarkt und dem neuen Unterhaltsrecht anpassen muss.

Ich habe am 17.05.2017 die Sendung DokThema im BR Fernsehen gesehen mit dem Titel “Frauen in der Rentenfalle”.

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In diesem Bericht kam unter anderem die ehemalige Familienministerin Rita Süssmuth zu Wort, die sich wünschte, dass wir Frauen ungeduldiger sein sollen. Und das bin ich jetzt, ungeduldig.

Deutschland braucht ein Fürsorge-Gehalt, damit Care-Arbeit endlich als Arbeit, die auch unbedingt getan werden muss, anerkannt und entlohnt wird.

Die Unterschriften sollen persönlich übergeben werden. 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf weact.campact.de. Hier könnt ihr die Petition unterschreiben.

(kap)