BLOG
28/06/2018 12:54 CEST | Aktualisiert 28/06/2018 12:54 CEST

Was hat Rosamunde Pilcher mit dem Brexit zu tun?

Nach jeder emotionalen Krise kommt die Versöhnung.

amesy via Getty Images
Der Brexit ist wie eine chaotische Liebesbeziehung aus Rosamunde Pilcher. (Symbolbild)

Die Grafschaft Cornwall in England hat eine herrliche Landschaft. Jedes Jahr ziehen ihre wunderschönen Küsten und Buchten viele Touristen an.

► Jeder Dritte davon kommt übrigens aus Deutschland.

Und das hat einen einfachen Grund: Die ZDF-Verfilmungen der Romane von Rosamunde Pilcher. Dieses Jahr feiern wir das 25. Jubiläum der Serie.

Mehr zum Thema: Meghan Markles Vater verrät Prinz Harrys politische Ansichten: “Für Brexit und Donald Trump offen”

Die Romane von Rosamunde Pilcher haben oft ein ähnliches Muster. Es sieht folgendermaßen aus: Zwei Menschen finden sich und gehen eine Beziehung ein. Es passiert etwas, das sie zunächst auseinanderreißt, zum Beispiel ein Streit oder ein Missverständnis.

Dann kommt eine Krise, die sie daran erinnert, wie sehr sie sich lieben und gegenseitig brauchen, und es kommt zur Versöhnung. Und am Ende sind beide bereit, die Zukunft gemeinsam zu bewältigen, Seite an Seite.

Der Brexit steht bevor

Letzte Woche haben wir in meiner Wohnung in Berlin den Geburtstag der Queen gefeiert. Wenn ich das nächste Mal zur Queen’s Birthday Party einlade, im Sommer 2019, wird Großbritannien kein Mitglied der EU mehr sein.

Dieses Jahr haben Politiker und Diplomaten die Verantwortung, den Rahmen für unsere zukünftigen Beziehungen zu gestalten. Es ist eine enorme Verantwortung, die wir in den nächsten Wochen und Monaten bewältigen müssen.

Außerhalb der EU werden wir nicht die gleichen Pflichten wie EU-Mitglieder haben. Daraus folgt natürlich, dass wir auch nicht die gleichen Rechte genießen können – wir wissen und akzeptieren das.

Die Herausforderung ist es also, ein Gleichgewicht von Rechten und Pflichten zu finden, das für beide Seiten fair ist. Das die EU und den Binnenmarkt nicht unterminiert. Das aber auch Großbritannien erlaubt, eine eigene Handels- und Migrationspolitik zu verfolgen.

Es wird nicht einfach, dieses Gleichgewicht zu finden. Es ist möglich, dass die Verhandlungen in den nächsten Wochen turbulent werden.

Die Regierung in London steht immer noch vor schwierigen Entscheidungen.  Aber auch die EU muss sich entscheiden, welche Beziehung sie will. Einige meinen ja, Brexit bedeutet, dass es nicht zu vermeiden ist, dass wir in allen Bereichen auf Distanz gehen müssen. Dass wir zum Beispiel auch im Bereich der Sicherheit nicht mehr so eng zusammenarbeiten könnten.

Ich bin anderer Meinung. Das wäre eine bewusste Entscheidung, keine Zwangsläufigkeit – und es wäre eine schlechte Entscheidung.

EU und Großbritannien: Ein Liebespaar aus Rosamunde Pilcher

Genau wie das Paar in einer Geschichte von Rosamunde Pilcher, werden wir jedoch in diesen Tagen daran erinnert, wie sehr wir uns brauchen.

Unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unser Wohlstand basiert auf bestimmten Grundlagen: auf einer starken transatlantischen Partnerschaft und auf einem klaren Bekenntnis zur regelbasierten internationalen Ordnung. 

► In diesen Tagen scheinen diese Grundlagen zu schwanken.

Und was sehen wir? Wir sehen, dass Großbritannien, Deutschland, Frankreich und die EU zusammenstehen und in Solidarität handeln.

Mehr zum Thema: Geburtstagsparade der Queen: Meghan Markle bricht schon wieder das royale Protokoll

Wir arbeiten zusammen, um die regelbasierte internationale Ordnung zu schützen. Wir bleiben Verfechter des freien Welthandels und machen deutlich: Protektionismus schafft keine Gewinner, nur Verlierer.

Wir stehen zum Atomabkommen mit dem Iran, das für unsere Sicherheit so wichtig ist. Und wir sind vereint gegen das aggressive Verhalten staatlicher und anderer Akteure, die unsere Sicherheit bedrohen und uns spalten wollen.

All das erinnert uns daran, dass wir – trotz Brexit – immer noch den selben Kontinent teilen. Wir haben immer noch eine lange gemeinsame Geschichte, ähnliche Kulturen. Wir teilen immer noch die gleichen Werte - europäische Werte.

Wir haben viel größere Herausforderungen bewältigt

Meine Botschaft heute ist deshalb: Lassen Sie uns in den nächsten Wochen die Verhandlungen nicht als Null-Summen-Spiel sehen. Erinnern wir uns an unser gemeinsames Schicksal. Lassen Sie uns gemeinsam eine neue Partnerschaft zwischen Großbritannien und der EU gestalten.

Eine Partnerschaft, die unseren Austrittswunsch berücksichtigt und die Integrität des Binnenmarktes nicht verletzt. Eine Partnerschaft, die intensiv und umfassend ist, die unsere gemeinsamen Interessen und Werte berücksichtigt.

► Wenn wir bei dieser Aufgabe scheitern, werden uns das unsere Nachfahren nicht verzeihen.

Die Aufgabe ist groß - aber unsere gemeinsame Geschichte macht mir Mut und kann uns Kraft geben. Zusammen haben wir bereits viel größere Herausforderungen bewältigt.

Nach der furchtbaren Zerstörung des Zweiten Weltkriegs sind wir wieder Verbündete, Partner und Freunde geworden. Dieses Jahr feiern wir zum Beispiel das 70. Jubiläum der Luftbrücke. Sie bleibt die größte Hilfsaktion in der Geschichte der Royal Air Force und eine der beeindruckendsten aller Zeiten.

Ich will mit einer aufmunternden Zahl abschließen. Wir sagen ja oft, dass wir die EU verlassen, aber nicht Europa. In unserer Botschaft zeigt sich dies ganz konkret.

Als ich 2015 hier herkam, arbeiteten 30 britische Diplomaten in Deutschland - am Ende des Jahres werden es 46 sein. Das ist ein Anstieg von mehr als 50% von Mitarbeitern, die täglich für unsere Partnerschaft arbeiten; nächstes Jahr werden es noch mehr werden.  

Wir wollen die Zukunft gemeinsam mit Ihnen bewältigen, Seite an Seite.