POLITIK
31/12/2018 19:20 CET | Aktualisiert 01/01/2019 09:20 CET

"Brexit-Debakel": Großbritannien beauftragt Reederei, die noch nie Schiffe betrieben hat

"Nichts bringt den Brexit besser auf den Punkt als dieses neue Debakel."

Charles McQuillan via Getty Images

► Um sich auf möglicherweise chaotische Verhältnisse nach dem Ausstieg aus der EU vorzubereiten, hat die britische Regierung in den vergangenen Monaten Verträge mit Fährgesellschaften über umgerechnet rund 120 Millionen Euro abgeschlossen

► Mit gecharterten Fähren sollen so Engpässe in Dover vermieden werden. Der Hafen ist einer der Hauptumschlagsorte der Insel für den Warenhandel mit dem europäischen Festland.

► Nun ist allerdings herausgekommen: Eine der drei beauftragten Reedereien, die britische Seaborne Freight, hat noch nie auch nur eine einzige Fähre betrieben. Die Reederei erhielt von London einen Auftrag über 13,8 Millionen Pfund (etwa 15,4 Millionen Euro). 

Wie die Politik auf die neuesten Brexit-Berichte reagiert:

Die Opposition hat die konservative Regierung von Premierministerin Theresa May nach den neuesten Brexit-Enthüllungen scharf kritisiert. Aus Sicht der  Liberaldemokraten würden sie die “absurde Herangehensweise (der Regierung) an das gesamte Brexit-Fiasko” zeigen.

Auch der Labour-Abgeordnete Neil Coyle beklagte auf Twitter: “Nichts bringt den Brexit besser auf den Punkt als dieses neue Debakel.”

Das britische Verkehrsministerium teilte hingegen mit, dass es den Auftrag in “vollem Wissen, dass Seaborne ein neuer Schifffahrtsanbieter ist”, vergeben und dass die Behörde “die wirtschaftliche, technische und finanzielle Lage des Unternehmens vor der Vergabe sorgfältig im Detail geprüft” habe.

Was ihr noch über die Reederei wissen müsst:

Wie die britische BBC berichtet, wurde Seaborne Freight erst vor weniger als zwei Jahren von Arbeitern aus der Schifffahrtsindustrie gegründet, um die Verbindung zwischen Ramsgate und Ostende in Belgien wiederzubeleben. Zwei Schiffe würden demnach “sehr schnell” einsatzbereit sein.

Das Problem ist aber nicht nur, dass die Reederei äußerst unerfahren ist und bisher keine Schiffe im Dienst hat. Auch die Hafenanlage im südostenglischen Ramsgate ist für die meisten modernen Handelsschiffe zu klein. Außerdem wurde der Hafen seit 2013 nicht mehr kommerziell betrieben, wie die HuffPost UK berichtet.

(ll)