NACHRICHTEN
17/12/2018 17:50 CET | Aktualisiert 17/12/2018 18:57 CET

Bochum: Polizist erschießt 74-Jährigen – nun wird wegen Tötungsdelikt ermittelt

Top-News To Go.

Reinhard Krull / EyeEm via Getty Images

► Ein Polizist hat bei einem Einsatz in Bochum einen 74-Jährigen erschossen und muss sich nun Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts verantworten.

►Der ältere Mann habe nach ersten Erkenntnissen vor einem Wohnhaus einen “waffenähnlichen Gegenstand” aus dem Hosenbund gezogen und auf den unmittelbar vor ihm stehenden 35 Jahre alten Beamten gezielt, sagte ein Sprecher der Essener Polizei am Montag.

► Der Polizist habe den Mann bei dem Vorfall vom Sonntag noch vergeblich aufgefordert, die mutmaßliche Waffe fallen zu lassen, und dann mehrere Schüsse abgegeben. Anwohner hatten die Polizei wegen des 74-Jährigen zu Hilfe gerufen – es ging um Randale und Sachbeschädigung.

► Wie in solchen Fällen üblich, übernimmt eine andere Dienststelle die Untersuchungen. Grundsätzlich komme als Vorwurf fahrlässige Tötung oder fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge in Betracht.

Was bisher über den Vorfall bekannt ist: Bochum: Polizist erschießt 74-Jährigen – nun wird wegen Tötungsdelikt

Vor den Schüssen am Sonntagabend waren Polizei und Rettungswagen mehrfach seit den frühen Morgenstunden von dem 74-Jährigen selbst oder von Nachbarn alarmiert worden – aus unterschiedlichen Gründen, wie der Polizeisprecher berichtete.

Es habe mehrere Zeugen gegeben, die nun befragt werden sollten, darunter mindestens drei weitere Polizeibeamte und einige Anwohner. Ob der Schütze selbst bereits vernommen wurde, war am Montag noch unklar.

Bei dem “waffenähnlichen Gegenstand” handelt es sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht um eine scharfe Schusswaffe, hieß es in einer Mitteilung der Polizei.

Die Leiche des Mannes werde derzeit obduziert, sagte der Essener Polizeisprecher. Der Beamte sei nicht vom Dienst suspendiert. 

So äußert sich die Polizei zu dem Vorfall: Bochum: Polizist erschießt 74-Jährigen – nun wird wegen Tötungsdelikt

Für Beamte sei es enorm schwierig, in diesen oder ähnlichen Situationen abzuwägen, sagte Stephan Hegger von der Gewerkschaft der Polizei (GdP):

“Kommt eine als Gefahr eingeschätzte Person auf kurze Distanz auf den Beamten zu, muss er selbst entscheiden.”

Meistens seien die Schüsse dann nicht auf Arme oder Beine gerichtet, denn eine Verletzung an den Gliedmaßen könne noch eine Gegenreaktion hervorrufen. “Man muss zuverlässig treffen, man hat möglicherweise keine zweite Chance”, sagte NRW-GdP-Sprecher Hegger.

Das müsst ihr noch wissen: Bochum: Polizist erschießt 74-Jährigen – nun wird wegen Tötungsdelikt

Dass Menschen durch Polizeikugeln sterben, kommt in Deutschland vergleichsweise selten vor.

Wie aus jüngsten verfügbaren Zahlen der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht, hatten Polizisten 2017 bundesweit bei Einsätzen 14 Menschen erschossen. Zudem wurden 39 Menschen verletzt.

Die Zahlen lagen etwas höher als in den Jahren zuvor – mit 11 Toten und 28 Verletzten durch Polizeischüsse 2016. Als Grund für die Zunahme sieht die Gewerkschaft der Polizei auch eine gestiegene Zahl von Messerangriffen.