POLITIK
14/09/2018 09:05 CEST

Bluttat in Chemnitz: Jetzt gibt es Zweifel an der Schuld eines Verdächtigen

Die neusten Erkenntnisse zum Tötungsdelikt in Chemnitz auf den Punkt gebracht.

JOHN MACDOUGALL via Getty Images
Blumen am Tatort in Chemnitz (Foto vom 1. September). 

Daniel H. stirbt Ende August in Chemnitz nach einem Streit an Stichverletzungen.

Während die Tat zum Politikum wird und an mehren Tagen rechte Krawalle in der sächsischen Stadt nach sich zieht, macht die Polizei schnell ihre Arbeit. Schon in der Nacht der Tat werden zwei Verdächtige gefasst: der 23-jährige Syrer Alaa S. und der 22-jährige mutmaßliche Iraker Yousif A. sitzen in Untersuchungshaft. 

A. galt den Behörden als Hauptverdächtiger in dem Fall. Doch nun lassen neue Details zur Tat lassen an seiner Schuld zweifeln. 

Die neusten Erkenntnisse zum Tötungsdelikt in Chemnitz – auf den Punkt gebracht.

Was den Tatverdächtigen aus Chemnitz vorgeworfen wird:

► Yousif A. und Alaa S. werden verdächtigt, den Tod von Daniel H. am 26. August herbeigeführt zu haben. Sie sollen nicht in Notwehr gehandelt haben. 

► Die Verdächtigen wurden zunächst wegen Totschlags festgenommen; die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

► Die Polizei fahndet derweil international nach einem dritten Verdächtigeneinem 22-jährigen Iraker.

Was über die Tatverdächtigen aus Chemnitz bekannt ist:

► Yousif A. hielt sich laut dem sächsischen Innenministerium seit Oktober 2015 in Deutschland auf – obwohl er keine Duldung besaß und zuvor einen Asylantrag in Bulgarien gestellt hatte.

► A. ist laut der Polizei mehrfach und unter anderem wegen Körperverletzung vorbestraft. In Deutschland soll er gefälschte Papiere vorgelegt haben, die ihn als Iraker ausweisen. 

► Laut Berichten der “Welt” und der “Nürnberger Nachrichten” hätte A. schon 2016 abgeschoben werden können. Es sei jedoch eine ”Überstellungsfrist von sechs Monaten” abgelaufen, die laut dem Verwaltungsgericht Chemnitz eine neue Entscheidung über den Asylantrag nötig gemacht habe. 

► Über den zweiten Verdächtigen Alaa S. ist wenig bekannt. Der Asylantrag des dritten noch gesuchten Verdächtigen, Farhad A., wurde laut dem Chemnitzer Verwaltungsgericht im Januar 2017 abgelehnt. Er habe dagegen Klage erhoben.

Was Yousif A. und ein Zeuge über die Nacht der Tat sagen: 

► Laut Informationen des NDR bestritt A. im Gespräch mit dem Leiter der Rechtsabteilung der irakischen Botschaft, Saed Peer Murad, die Tat begangen zu haben – er sei jedoch Zeuge der Tat gewesen

► A. beschreibt, dass er und Bekannte – darunter Alaa S. und Farhad A. – in der Tatnacht bis 2.30 Uhr in einer Shisha-Bar gesessen hätten. Danach seien sie zu einem Döner-Imbiss gegangen. 

► Dort seien sie auf eine Gruppe getroffen, zu der Daniel H. gehörte. Farhad A. habe H. nach Feuer gefragt, es sei zum Streit gekommen. A. will diesen geschlichtet haben

► Aus dem Imbiss seien nun weitere Bekannte gekommen. Farhad A. und einige Männer seien erneut zur Gruppe um Daniel H. gegangen, der Streit sei wieder aufgeflammt und es sei zur Messerattacke gekommen. 

► A. sagt nach Informationen des NDR aus, er habe während der Tat mehrere Meter abseits gestanden. Der Sender zitiert auch einen Zeugen, der gegenüber der Polizei die von A. dargestellten Ereignisse bestätigt haben soll. 

Was Yousif A.’s Anwalt sagt – und fordert: 

► Der Berliner Strafverteidiger Ulrich Dost-Roxin fordert nun die Freilassung seines Mandanten. Gegen Yousif A. habe “seit seiner Festnahme am 26. August 2018 fortwährend bis zum heutigen Tag kein Tatverdacht bestanden”. 

“Keines der Beweismittel belastet meinen Mandanten, sich an dem vermeintlichen Tötungsdelikt beteiligt zu haben”, schreibt Dost-Roxin. Er hat Haftbeschwerde eingereicht. 

Wie der “Spiegel” berichtet, steht in dieser auch, dass die mutmaßliche Tatwaffe nicht sicher dem Verdächtigen Yousif A. zuzuordnen sei. Das Messer sei am Morgen nach der Attacke in der Nähe einer Stadtfest-Bühne gefunden worden. Es klebe zwar Blut des Opfers an der Klinge, jedoch seien keine Fingerabdrücke von A. gefunden worden.   

► Anwalt Dost-Roxin fordert nun nicht nur die Freilassung von Yousif A., sondern auch dessen Personenschutz. Der Jurist begründet das durch die “prekäre Sicherheitslage in Sachsen” und laut “Spiegel” auch durch die Veröffentlichung des Haftbefehls gegen A. im Internet. 

Der Ermittlungsstand zur Messerattacke in Chemnitz auf den Punkt gebracht: 

Es gibt Zweifel an der Schuld des Tatverdächtigen Yousif A. an der Tötung von Daniel H. in der Nacht vom 26. auf den 27. August in Chemnitz. 

A. sagte laut einem Bericht des NDR aus, dass er während der Tat mehrere Meter abseits des Geschehens gestanden habe. Eine Zeugenaussage gegenüber der Polizei soll das demnach bestätigen. A.’s Anwalt hat deshalb die Freilassung seines Mandanten beantragt. 

Der Hauptverdächtige für die Tat ist nach diesen Schilderungen der noch immer flüchtige Farhad A.  

(mf)