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02/04/2018 16:09 CEST | Aktualisiert 02/04/2018 16:20 CEST

An alle Mütter, die sich mehr um ihre Instagram-Profile kümmern als um ihre Kinder

"Mir platzt der Kragen!"

Liebe Blender-Mamas auf Instagram,

mir platzt der Kragen! Der Sommer rückt näher und näher – für euch beginnt bald die wichtigste Zeit des Jahres. Besonders dann könnt ihr eure Follower an der Nase rumführen. Doch ihr richtet noch viel mehr Schaden an.

Da ist zum Beispiel Tammi, aka @FittyMummy (den Namen habe ich netterweise mal geändert). Vor sechs Wochen – dass behauptet sie zumindest – ist sie Mutter von Justus Rufus Junior geworden. Benannt nach ihrem Mann, einem hageren, bärtigen Holzfäller, der sich selbst als Künstler, Musiker und Influencer beschreibt.

Und Familie Tammi führt ein absolutes Traumleben. Die Hauseinrichtung – nicht ein IKEA-Möbelstück, alles individuell angefertigt. Natürlich. Nicht ein Krümmelchen Dreck. Der Garten, ach, was rede ich, die Außenanlage ein Wohlfühloase mit den schönsten Keramik-Buddhas. Natürlich sieht man sie bereits im Bikini am Whirlpool sitzen. Sie nippt an einem Smoothie im Cocktail-Glas. Sie streckt die Beine in den Himmel und schreibt dazu folgendes:

“Mädelz, ich weiß, der Frühling lässt noch auf sich warten, ich musste aber die paar Sonnenstrahlen ausnutzen, um euch mein neues Schmuckstück zu zeigen. Mein neuer Lieblingsbikini von Govannie Verarschi (Name geändert). Träumchen. Passt wie angegossen. Verstehe die Frauen einfach nicht, die nach der Geburt Gewichtsprobleme haben. #ProblemzonenSindNurEinGerücht. Bewegung und gute Ernährung. Mehr braucht ihr nicht. Du bist #relax und dein Kind merkt das auch. Gib etwas zurück!

Und wer sagt, er hat keine Zeit oder kein Geld, ist einfach Ausredenkönig. #LügenhabenDickeBeine. Wenn ihr Support dabei braucht und wieder attraktiv sein möchtest, schreibt mir gerne eine PN, dann verrate ich euch auch, wo ihr den süßen Bikini bekommt. #BewegDeinArsch#KeineZeitFürDepriSein”

“Eure Botschaft ist, dass Frauen nach der Geburt nicht attraktiv sind”

Mal ganz unabhängig davon, dass das nicht gekennzeichnete Werbung ist und wahrscheinlich eine Falle, um Follower in ein Schneeballsystem zu locken, fallen beim Foto vor allem die Zaunlinien auf, die rund um Ihren Po, Bauch und Oberweite verdächtig gebogen sind. Hat so ein Zaun nicht eigentlich grade Holzbretter? Fitty Tammi kann offensichtlich Photoshop. Zumindest kennt sie das Verflüssigen-Werkzeug des Programms. 

Markus Brandl

Wenn Tammis Beitrag ein Einzelfall wäre, könnte man ja noch drüber schmunzeln, doch ähnliche Beiträge sind auf Instagram mittlerweile Standard. Sie haben das Netzwerk ruiniert. Für normale Nutzer ist es mittlerweile sehr schwer zu beurteilen, welche Motivation und welcher Hintergedanke hinter einem Beitrag überhaupt steckt.

Aber wisst ihr, liebe Blender-Mamas, das ist noch nicht mal der Hauptvorwurf, den ich euch mache. Eure Posts haben nämlich noch einen viel gemeineren und böseren Untertext als „Gib mir dein Geld“. Eure Botschaft ist, dass Frauen nach der Geburt nicht attraktiv sind. Dass der Körper möglichst schnell wieder optimiert werden muss.

“Hört auf, anderen Müttern einzureden, sie müssten, um etwas wert zu sein, eine perfekte Figur haben”

Ihr irrt euch. Frauen sind nach der Geburt attraktiv. Was sie in den letzten Monaten auf sich genommen haben, was sie durchmachen mussten, wie sie die Geburt gepackt haben – das alles macht eine Frau sexy. Ich persönlich blicke zu meiner Frau auf und bewundere sie. Warum fokussiert ihr euch nach einem der schönsten Erlebnisse im Leben, der Geburt eines Kindes, gleich wieder nur auf Äußerlichkeiten? Schönheit definiert sich nicht über oberflächliche Ideale. Eine Mama, die sich liebevoll um ihr Kind kümmert, ist die wahre Schönheit.

In einer Sache hat Tammi übrigens tatsächlich recht: Problemzonen sind wirklich nur ein Gerücht. Es gibt sie nicht. Sie werden Frauen nur eingeredet, damit sie sich ja weiterhin richtig schlecht fühlen.

Liebe Blender-Mamas, hört auf, anderen Müttern einzureden, sie müssten, um etwas wert zu sein, eine perfekte Figur haben. Löscht eure Accounts, dann habt ihr mehr Zeit für eure Kinder, und andere Mütter sind glücklicher.

Danke, Markus

 

Der Beitrag erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.