LIFESTYLE
14/03/2018 15:44 CET

Mit Mitfahrgelegenheit quer durch Deutschland – So erlebte ich die Höllenfahrt

Es wurde zu einer Start-Stop-Fahrt im 30 Minutenintervall.

juefraphoto via Getty Images
Mitfahrgelegenheit: "Ich fuhr mit zwei Psychopathen quer durch Deutschland – so habe ich die Höllenfahrt überlebt" (Symbolbild)

Meine Höllenfahrt begann Ende letzten Jahres, kurz nach Weihnachten: Ich wollte meine damalige Freundin in Berlin besuchen. Ich selbst komme aus Memmingen, einer Kleinstadt im Süden Deutschlands.

Ich suchte ich mir eine Mitfahrgelegenheit über den Anbieter “Bla Bla Car” – und fand auch jemand, der vom Allgäu nach Berlin fuhr. Ausgerechnet zu der Zeit wurde ich auch noch krank.

Mit einer Mitfahrgelegenheit von Memmingen nach Berlin

Als ich erfuhr, dass der Fahrer über Nacht fahren wollte, hörte sich das in meinen Ohren göttlich an. Dann könnte ich die sechs Stunden Fahrzeit gemütlich durchschlafen, dachte ich.

Ich wurde als Erster in einer nahe gelegenen Raststätte abgeholt – der Fahrer wirkte entspannt und freundlich.

Anfangs war alles relativ angenehm – zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, zu welcher Höllenfahrt sich die nächsten sechs Stunden entpuppen würden.

Schon beim nächsten Mitfahrer gab es die ersten Probleme: Er ließ auf sich warten, meldete sich nach 15 Minuten per Telefon beim Fahrer.

Das Problem: Es gab Schwierigkeiten im Zug und er wolle doch bitte an einem etwa 25 Minuten entfernten Bahnhof abgeholt werden. Bei aller Dreistigkeit stimmte der Fahrer sogar zu und wir holten den Mann ab.

Am Bahnhof angekommen stießen wir auf einen extrem betrunkenen Mann Ende 20. Der Fahrscheinkontrolleur habe ihn widerrechtlich des Zuges verwiesen, behauptete er. Woher solle er denn wissen, dass man ohne Ticket nicht mit dem Zug fahren dürfe?

Die Höllenfahrt beginnt

Endlich begann die eigentliche Fahrt von Memmingen nach Berlin: Im Auto saß der Fahrer, ich auf dem Beifahrersitz und der betrunkene Endzwanziger auf der Rückbank. Total erschöpft durch das Fieber, freute ich mich jetzt auf ein kleines Nickerchen.

Doch dazu kam ich gar nicht: Ständig gröhlte mir der Mann von hinten Unverständliches ins Ohr, rülpste mehrmals und trank währenddessen sein Wegproviant von drei Bier in Trichtergeschwindigkeit.

Ab da begann eine Start-Stop-Fahrt im 30 Minutenintervall. Denn: An jeder Haltestelle musste “dringend” angehalten werden, schließlich durfte sich der Bier-Vorrat unter keinen Umständen reduzieren. Bei einer Strecke von knapp 600 Kilometer ein unerträglicher Gedanke.

Nach gefühlten Ewigkeiten entschied sich der betrunkene Mann, etwas zu schlafen. Endlich!

“Gelalle und Rülpser wurden ersetzt durch Schnarchen und entfleuchende Fürze”

Obwohl ich anfangs noch glücklich darüber war, ließ meine Freude schnell nach. Das Gelalle und die Rülpser ließen zwar nach, wurden dann aber durch Schnarchen und entfleuchende Fürze ersetzt.

Als ich mich endlich an die Geräuschkulisse gewöhnt hatte und kurz davor war, einzuschlafen, schreckte ich durch ein ungewöhnliches Abdriften des Autos in Richtung Leitplanke auf.

Der Fahrer hatte sich wohl ebenfalls in dem monotonen Schnarchrhythmus der Rückbank verloren und sich für eine kleine “Auszeit” entschieden.

Ich griff erschrocken nach dem Lenkrad und verpasste ihm einen sanften Stoß auf die Schulter. Der Fahrer erwachte wieder.

Neuer Job: “Wachhalter”

Den Job als “Wachhalter” behielt ich von da an lieber.

Geplagt vom Fieber und den Kopf- und Gliederschmerzen musste ich den Fahrer den Rest der Fahrt unterhalten, was mit meinem Plan eines Schläfchens kollidierte.

Als wir endlich in Berlin ankamen, war der betrunkene Rücksitz-Besetzer nicht wachzukriegen. Der Fahrer und ich legten ihn behutsam auf eine Bank und ließen ihn dort einfach zurück. Was aus ihm wurde, weiß ich nicht. Sein Reiseziel Berlin hat er auf jeden Fall erreicht.