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13/03/2018 20:42 CET | Aktualisiert 13/03/2018 20:42 CET

Bitte bitte keine Vorsätze mehr!

„Dieses Mal werde ich ganz sicher durchhalten!“

So tönt es jedes Jahr zum Jahresanfang wieder in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Nicht mehr rauchen, alle kurzen Wege mit dem Rad zurücklegen und vor allem: bis zum Sommer den perfekten Strandkörper haben!

Und wenn ich jetzt hinhöre – tja, auch dann spielt ein altbekanntes Lied. Ich nenne es den „Beachbody im Schnellstmöglich-Hochstress-Ruckzuck-Verfahren“-Song. Weil die Beteiligten das gute Vorhaben vom Jahresbeginn natürlich mal wieder nicht durchhalten konnten.

Es ist doch immer dieselbe Leier mit den großen Vorhaben …

Die Jahresuhr steht niemals still

Sie beginnen mit einem ganzen Fass voll unbändiger Motivation. Und passend dazu gibt’s, klar, die Hochdruckbetankung. Durchhalten vom Feinsten sieht ungefähr so aus:

Januar: Im Fitnessstudio anmelden, fünf Kurse die Woche buchen, dazu jeden zweiten Tag ein Lauftreff. Nicht zu vergessen die nigelnagelneue Dauerkarte fürs Hallenbad mit Aquagymnastik.

Februar: Dreierlei Bücher zur gesündesten, hippsten, Rohkost-, Low-Carb-Ernährung anschaffen und alle parallel umsetzen. Der Kühlschrankinhalt ist: grün.

März: Man, frisst das viel Zeit, jeden Tag eine Runde Sport unterzubringen … Und dieses ständige Einkaufen, damit man immer frisch kochen kann …

April: Heul, ich will Pizza!

Mai: Meine Schlabberhose ist mein Freund.

Juni: Was?! Es wird schon Sommer? Wie kann das Wetter es wagen!

Und schon geht das ganze Theater von vorne los – und der Druck wird gefühlt noch größer. Denn was nun ansteht, ist Durchhalten extrem: Schließlich folgen Wochen, in denen nichts als Wasser und Eiweißpulver auf dem Speiseplan stehen …

Erfolgskiller Druck

Sie sehen, ich übertreibe ein wenig. Aber ich finde es schon amüsant, wie viele Menschen sich selbst das Durchhalten ihrer Vorhaben und guten Vorsätze auferlegen, ja, fast schon aufzwingen – nur um sie dann wieder einen nach dem anderen zu brechen: „Naja, ein Eis muss schon drin sein bei dem schönen Wetter … Bei der Wärme habe ich schon im Sitzen so viel geschwitzt, da muss ich ja jetzt wohl nicht auch noch joggen gehen …“ Hach ja, die gleiche Platte spielt von vorne.

Deshalb bin ich kein Freund von großen Vorsätzen und Durchhalteparolen. In der Vergangenheit habe ich für mich selbst auch ab und zu welche aufgestellt und in der Regel hat es sogar mit dem Durchhalten geklappt. Ich finde allerdings, enorm große Vorhaben schaffen nur unnötigen Druck.

Tu was du nicht lassen kannst, den Rest lass weg!

Viel wichtiger ist es doch, sich ein Ziel zu setzen und sich zu fragen: Was will ich wirklich? Wozu mache ich das? Kurzum: Es muss für einen selbst Sinn machen, was man da macht. Ein gutes Grundgefühl anzustreben anstatt punktuell massiv zu hoch gesteckte Ziele erreichen zu wollen.

Möchte ich mich am Abend ausgepowert fühlen, dann schnappe ich mir meinen Hund und ziehe mit ihm ausgiebig durch die Wälder. Ist mir danach, mich zu entspannen, greife ich zu einem guten Buch oder Pfeil und Bogen. Und liegt mir etwas an meiner Strandfigur, dann gehe ich eine Runde sporteln. Weil ich Lust darauf habe – nicht weil ich den Druck im Nacken habe, durchhalten zu müssen.

Anstatt den nahenden Sommer als Deadline für viele Vorhaben zu empfinden, pfeife ich also lieber aufs Durchhalten. Und genieße meine Entwicklung, indem ich das tue, von dem ich weiß, wozu ich es mache. Denn sobald ich den selbstgemachten Druck rausnehme, macht für mich auch die Aufgabe an sich gleich doppelt Sinn.