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09/01/2019 13:28 CET | Aktualisiert 09/01/2019 13:30 CET

Bill Gates: Diese Technologie birgt eine große Gefahr – und kaum jemand spricht darüber

"Ich bin überrascht, dass diese Themen nicht mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden haben."

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Bill Gates warnt vor Risiken der Gen-Manipulation. 
  • Bill Gates fordert eine größere Debatte über die sogenannte Gen-Editierung.
  • Die Technologie birgt für ihn Risiken – aber auch Nutzen.  

Die Aufregung war groß Ende November: Ein chinesischer Wissenschaftler behauptete, er habe bei einer künstlichen Befruchtung die Genome zweier Embryonen verändert. Die beiden Mädchen, Lulu und Nana, kamen gesund zur Welt.

Von einem “Super-Gau” für die Wissenschaft sprach der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock. “Die Büchse der Pandora wurde geöffnet”, warnten chinesische Kollegen. 

Auch Microsoft-Gründer Bill Gates sieht die Technologie hinter der chinesischen Sensation, die sogenannte Genom-Editierung, mit großen Risiken behaftet. Gerade darum mahnt er in einem Beitrag auf seinem Blog zu Neujahr, über den auch der “Business Insider” berichtet: 

Die Debatte über Gen-Manipulationen könnte “die wichtigste öffentliche Debatte sein, die wir nicht weit genug geführt haben”.

Bill Gates über die Gen-Editierung

Zwar war die Aufregung nach der Meldung aus China groß. Dennoch hatte sich Gates offenbar eine noch lautere öffentliche Debatte über die Auswirkungen der Genom-Editierung erwartet. 

“Ich bin überrascht, dass diese Themen nicht mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden haben. Heute ist die künstliche Intelligenz Gegenstand heftiger Diskussionen”, schreibt er und betont: “Die Gen-Aufbereitung verdient mindestens so viel Aufmerksamkeit wie die KI.”

Der Technik-Guru erklärt weiter: “Die ethischen Fragen sind enorm. Die Gen-Technik erzeugt eine Menge Optimismus bei der Behandlung und Heilung von Krankheiten (...). Aber die Technologie könnte die Ungleichheit verschlimmern, insbesondere wenn sie nur für wohlhabende Menschen verfügbar ist.”

Gen-Manipulation in China – und Gates’ Urteil darüber

Im Fall der beiden Babys in China manipulierte der Forscher von der Southern University of Science and Technology in Shenzhen in den Embryonen das Gen für den Zellrezeptor CCR5. Er ist ein Einfallstor für das HI-Virus, die beiden Mädchen sollen so später vor einer möglichen Infektion mit dem Aids-Erreger geschützt sein. 

Die Technologie der Genom-Editierung bietet also enorme gesundheitliche Vorteile. Sie kommen aber nur denjenigen zugute, die sich einen solchen Eingriff auch leisten können, kritisiert Gates. 

Er betont auch, dass das Experiment des chinesischen Forschers zu weit gegangen sei. “Aber etwas Gutes kann aus seiner Arbeit entstehen, wenn es mehr Menschen dazu anregt, zu lernen und über Genom-Editierung zu sprechen.”

Wissenschaftler fordert Regeln für Gen-Manipulation

Kürzlich forderte auch die deutsche Biochemikerin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” Regeln für die Genom-Editierung.

Der Fall in China habe deutlich gezeigt, “dass bei solch komplexen, folgenschweren Vorhaben Regeln der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft absolut notwendig sind”, schrieb die Forscherin in dem Gastbeitrag.  

Vernünftige Regeln müssten den Missbrauch der Technologie für riskante Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit verhindern. Sie sollten aber “die Chancen des medizinischen Fortschritts, der sich an dem ethischen Gebot des Heilens und Helfens orientiert, nicht behindern”.

Ob die Genom-Editierung 2019 zu einem solch prominenten Thema wie die Künstliche Intelligenz wird, bleibt abzuwarten. 

(vw)