POLITIK
16/10/2018 12:58 CEST

Bill Gates: Das ist das größte Problem der Menschheit – und so lösen wir es

Der Microsoft-Milliardär warnt, dass die Welt jetzt und vor allem entschieden handeln müsse.

Christian Marquardt via Getty Images
Der Milliardär Bill Gates bei einem Besuch in Berlin am Montag. 
  • Der Milliardär und Philanthrop Bill Gates hat in einem Interview gesagt, was er für das größte Problem der Welt hält: das Bevölkerungswachstum. 
  • Gates fürchtet, dass dieses die erfolgreiche Bekämpfung von Armut gefährdet – und erklärt, wie diese trotzdem gelingen kann. 

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitzt je nach Studie die Hälfte bzw. bis zu 82 Prozent des Vermögens der Menschheit. Einer dieser exorbitant Wohlhabenden: Microsoft-Gründer Bill Gates, der zweitreichste Mann der Welt. 

Gates besitzt ein geschätztes Vermögen von 90 Milliarden US-Dollar (78 Milliarden Euro) – und über die Hälfte davon haben er und seine Frau Melinda in ihre gemeinsame Stiftung verantwortet.

Deren Ziel: Kein geringeres, als die Armut auf der Welt zu besiegen und allen Menschen – gerade in Entwicklungsländern – ein gesundes und nicht von Hunger bedrohtes Leben zu führen. 

In einem Interview mit der US-Nachrichtenseite “Vox” hat Gates nun beschrieben, was er als das größte Hindernis für das Erreichen seines Ziels sieht: das rasante Bevölkerungswachstum auf der Welt. 

Gates: Nicht das Bevölkerungswachstum ist das Problem – sondern dessen Bedingungen 

Im aktuellen Jahresbericht der Gates Foundation, dem Goalkeepers Report, schreiben Bill und Melinda Gates: 

“Um es klar zu sagen: Jahrzehnte von verblüffendem Fortschritt im Kampf gegen Armut und Krankheiten könnten kurz davor sein, abgewürgt zu werden. Der Grund ist, dass die ärmsten Länder der Welt schneller wachsen als überall anders; es werden an den Orten mehr Babys geboren, an denen es am schwierigsten ist, ein gesundes und produktives Leben zu führen.” 

Im Gespräch mit “Vox” erklärte Gates, was sich hinter dieser Beobachtung verbirgt. 

In den vergangenen Jahrzehnten habe es einen dramatischen Rückgang der Armut auf der Welt gegeben. Besonders in asiatischen Ländern wie China, Indien, Indonesien, Pakistan und Bangladesh hätten sich die Lebensbedingungen verbessert – so, dass nun statt 26 Prozent nur noch 9 Prozent der Weltbevölkerung von extremer Armut bedroht seien. 

Doch Gates warnt, dass die Prognosen für 2050 vorhersehen, dass es vor allem in Afrika weiter viele Menschen in extremer Armut geben wird.

Der Milliardär sagt:

“Wenn wir keinen guten Job in diesen Ländern machen, wo die Geburtenraten am höchsten sind, dann werden wir keine so deutliche Abnahme der extremen Armut erleben, wie bisher.” 

Doch wie soll dieser “gute Job” aussehen? Gates hat mehrere Ideen. 

Wie Bill Gates die Wirtschaft in Afrika fördern will, um Armut zu bekämpfen

Mangelnde Infrastruktur, Bildungsrückstand, parasitäre Krankheiten wie Malaria, niedrige landwirtschaftliche Produktivität und das Fehlen klarer nationalstaatlicher Geltungsbereiche und funktionierender (demokratischer) Regierungsinstitutionen – all dies sind laut Gates Faktoren, die gerade in Zentralafrika die Bekämpfung von Armut erheblich erschweren würden. 

Im Gespräch mit “Vox” redet Gates von einer sogenannten “Armutsfalle”, in der viele Länder auf dem afrikanischen Kontinent gefallen seien:

“Wenn es eine Wirtschaft nicht schafft, sich zu entwickeln, dann ist es für betroffenen Länder – speziell in Afrika – sehr schwierig, all diese Faktoren selbst zu beseitigen.” 

► Gates setzt deshalb weiterhin auf Entwicklungshilfe, um extreme Armut auf dem afrikanischen Kontinent zu bekämpfen.

Ihm geht es dabei vor allem um die Versorgung von verarmten Kindern mit Impfungen und Grundnahrungsmitteln, damit diese körperlich und geistig gesund heranwachsen können:

“Das ist sehr, sehr wichtig, denn wenn die Ernährung nicht stimmt, wenn das Kind nicht gesund heranwächst, dann werden es und sein Land nicht so stark wirtschaftlich von der Ausbildung des Kindes profitieren, wie das möglich wäre.” 

Ein Beispiel für ein Land, in dem dies gelungen sei, ist laut Gates Äthiopien. Das ostafrikanische Land gelte vielen immer noch als hungerndes Armenhaus der Welt.

“Doch jetzt ernährt sich Äthiopien durch seine Landwirtschaft selbst”, sagt Gates. “Sie sind ein Beispiel dafür, wie sich Investitionen in Humankapital auszahlen.”

Es würden lokale Ressourcen und Spendengelder verwendet, um das Gesundheitssystem konstant zu verbessern, sagt Gates: “Das sind nun über 90 Millionen Menschen, die sich auf einem guten Weg zu mittleren Einkommen und Selbstversorgung befinden.” 

Mehr zum Thema: Mit dieser Grafik zeigt Bill Gates, dass die Welt viel besser ist, als wir glauben

Gates Hilfsanspruch: Erst das Essen – dann die Politik

Dennoch: Gates Ideen von Entwicklungshilfe sind nicht ohne Brisanz. 

Denn der Milliardär priorisiert klar die wirtschaftliche vor politischer Hilfe. “Es ist wichtig, dass wir das wirtschaftliche Modell klar vom politischen Model trennen”, sagt der Milliardär zu “Vox”. 

Es sei nicht die Form der Regierung, die entscheidend für den Kampf gegen Armut sei, sondern der Wille, Korruption zu bekämpfen oder das Gesundheitssystem gut aufzustellen. 

► “Taiwan war eine Autokratie, als es sich entwickelt hat. Korea war eine Diktatur, als es sich entwickelt hat”, sagt Gates.

Er betont jedoch: Ein sich wirtschaftlich entwickelndes Land tendiere auch dazu, sich zu einem demokratischen zu entwickeln. So, wie es eben in Taiwan und Korea passiert sei. 

Zwar erkennt Gates die Gefahr, die in dieser Hinsicht von China ausgeht: Einem Land, dass sich wirtschaftlich aber nicht freiheitlich und politisch entwickelt hat. 

Doch für den US-Amerikaner ist der Kampf gegen die Armut der momentan wichtigste: “Das Argument für die menschliche Freiheit muss unabhängig davon gemacht werden.” 

(vw)