POLITIK
09/08/2018 17:04 CEST | Aktualisiert 09/08/2018 19:47 CEST

"Bild" sorgt mit Frage für Empörung: Freude über Krebs bei Diktatoren-Gattin?

"Als Christin weise ich diesen selbstgerechten, mittelalterlichen Dreck aufs Schärfste zurück."

  • Asma Assad, die Frau von Syriens Diktator Baschar al-Assad, ist schwer erkrankt. 
  • Doch die “Bild”-Zeitung zeigt sich hämisch.
  • Im Video oben seht ihr, warum Asma Assad von vielen Medien als die schlimmste Hetzerin im Syrien-Krieg bezeichnet wird.

Schadenfreude ist typisch deutsch. Im Ausland unterstellt man Deutschen gerne einen Hang zu ihr zu haben. Die “Bild” wird nun diesem Klischee mehr als gerecht. Reagierte die Zeitung doch am Donnerstag gehässig auf die Krebserkrankung von Asma Assad – der Frau des syrischen Diktators Baschar al-Assad. Die beiden sind seit dem Jahr 2000 miteinander verheiratet und haben zusammen drei Kinder.

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Das vom syrischen Regime verbreitete Foto des syrischen Diktators Baschar al-Assad und seiner erkrankten Frau Asma Assad.

Am Mittwoch hatte Syriens Regierung die schwere Erkrankung vermeldet. Nun fragte die Boulevardzeitung tatsächlich: “Darf man sich freuen, dass Syriens mörderische Mutter Krebs hat?” Obendrein ätzte “Bild”-Reporter Julian Röpcke auf Twitter in Richtung der erkrankten Asma Assad: “Karma is a bitch.”

Zwar stellt das Blatt selbst fest, dass die Überlegungen “schäbig” seien und beantwortet letztlich seine Frage mit einem “Nein”.

Dennoch hat die Überschrift nun eine breite Empörungswelle ausgelöst.

Zum Hintergrund der Erkrankung:

“Mit Stärke und Zuversicht hat Asma al-Assad die ersten Behandlungen eines bösartigen Tumors in ihrer Brust begonnen”, teilte die Präsidentschaft am Mittwoch mit. Das Geschwür sei früh erkannt worden. Assads Büro veröffentlichte ein Foto in den sozialen Medien, das das Paar in einem Krankenhaus zeigt: Die 42-Jährige sitzt auf einem Stuhl, während sie offenbar intravenöse Infusionen bekommt, sie und ihr Mann lächeln sich an. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana soll die Behandlung in einem Militärkrankenhaus in Damaskus erfolgt sein.

Screenshot / Bild

Kritik ja, Häme nein

Klar ist: Wie die syrische Regierung die Erkrankung inszeniert und für die eigene Propaganda ausschlachtet, darf kritisiert werden. Insbesondere vor dem Hintergrund der Brutalität des Assad-Regimes gegen die eigene Bevölkerung.

Klar ist auch: Asma Assad ist als Ehefrau des syrischen Präsidenten mindestens moralisch mitverantwortlich für die mörderischen Taten ihres Mann in einem Krieg, den sie international verteidigt. Als “First Lady” tritt sie immer wieder medienwirksam als soziale Repräsentantin ihres Landes auf und besucht beispielsweise Verwundete. 

Doch Freude über eine schwere Erkrankung ist in keinem Fall angebracht. 

► Die Journalistin Birgit Schmeitzner wirft der “Bild” vor, “die moralischen Grenzen des Sagbaren” zu verschieben. Denn wer eine fragende Schlagzeile mit “Darf man sich freuen” einleite, wisse, dass die Antwort Nein heißt.  

► Die “Stern”-Journalistin Sylvia Margret Steinitz stellt die Intention des Artikelschreibers infrage. Steinitz twittert: “Wäre der Autor Christ, wie er behauptet, hätte er diese Bankrotterklärung seiner selbst gar nicht erst verfasst. Vom Arbeitgeber will ich gar nicht anfangen. Als Christin weise ich diesen selbstgerechten, mittelalterlichen Dreck aufs Schärfste zurück.”

► Ein Twitter-Nutzer, der offenbar persönlich “durch das tiefe Tal des Brustkrebses mit einem geliebten Menschen gegangen ist”, attackiert die Zeitung: “Ich verabscheue, dass das, was die Bild da macht, unter Journalismus läuft.”

“Darf man sich freuen, ...”

Viele Nutzer reagieren auch mit bitterem Zynismus. Unter dem Hashtag #darfmansichfreuen schreiben sie:

► “Darf man sich freuen, wenn die ‘Bild’-Zeitung insolvent geht und hunderte ihren Job verlieren?”

► “Darf man sich freuen, wenn die komplette ‘Bild’-Belegschaft eine Woche das Klo wegen Dünnschiss nicht verlassen kann?”

► “Darf man sich freuen, wenn bei der ‘Bild’ die Klimaanlage für den Rest des Sommers ausfällt?”

Mit Material von dpa.

(ak)