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23/04/2018 17:58 CEST

Therapeuten räumen mit den wichtigsten Beziehungsmythen auf

Für eine lange und glückliche Beziehung sind diese Dinge gar nicht so wichtig.

wundervisuals via Getty Images
Beziehungsexperte: "Es gibt viele Paare, die völlig unterschiedliche Interessen haben."
  • Viele Paare glauben, dass sie nur glücklich werden, wenn sie gleiche Interessen haben
  • Beziehungsexperten zeigen jetzt auf, dass das gar nicht stimmt – und Unterschiede auch wichtig sind

Es gibt einige wichtige Bereiche, in denen zwischen dir und deinem zukünftigen Ehepartner hoffentlich Einigkeit herrscht. Dazu gehört unter anderem eure Einstellung zum Thema Monogamie, euer Umgang mit Geld und eure Antwort auf die Frage, ob ihr später einmal Kinder haben wollt oder nicht.

Manche Menschen glauben jedoch, dass es darüber hinaus auch noch bestimmte Eigenschaften, Interessen und Überzeugungen geben sollte, die sie mit ihrem Lebenspartner teilen.

Doch eigentlich ist es für eine lange und glückliche Ehe gar nicht so wichtig, diese Dinge miteinander zu teilen.

“Wenn man von seinem Ehepartner erwartet, dass dieser genauso sein und denken sollte wie man selbst, wird man oft enttäuscht. Oder man empfindet es als Makel, wenn man herausfindet, dass der Partner anders denkt, handelt oder reagiert als man selbst”, sagte der Sextherapeut Douglas C. Brooks der HuffPost.

“Viele Paare glauben, dass sie unglaublich viel gemeinsam haben. Doch diese Paare beginnen auch besonders häufig, sich früher oder später in ihrer Beziehung zu langweilen.”

Diese Gemeinsamkeiten braucht es nicht

Wir haben Beziehungsexperten gebeten, uns einige Dinge zu nennen, die man nicht unbedingt mit seinem Partner gemeinsam haben muss. Nach Ansicht der Experten können zwei Menschen auch dann gut zusammenpassen, wenn sie die folgenden Dinge nicht miteinander teilen:

1. Hobbys und Interessen

“In unserer Gesellschaft wachsen wir mit der Überzeugung auf, dass es wichtig ist, durch gemeinsame Interessen mit seinem Partner verbunden zu sein. Und viele Paare finden es auch toll, ihre Verbindung zueinander zu stärken, indem sie miteinander Sport treiben oder indem sie gemeinsam allen möglichen Hobbys nachgehen.

Es gibt jedoch auch viele Paare, die völlig unterschiedliche Interessen haben. Solange Paare darauf achten, dass sie regelmäßig Zeit miteinander verbringen, ist es vollkommen in Ordnung, wenn sie darüber hinaus auch noch völlig verschiedenen Interessen nachgehen.

Wenn zwei Partner unabhängig voneinander voller Begeisterung ihren unterschiedlichen Interessen nachgehen können, zeigt das sogar, dass sie beide sich ihrer Individualität innerhalb der Beziehung sehr bewusst sind. Ein starkes Bewusstsein für die eigene Individualität ist wiederum sehr hilfreich, um einen gesunden Grad an Intimität erreichen zu können.

Interessanterweise gelingt es vielen Paaren mit unterschiedlichen Interessen erst in späteren Jahren, ein gemeinsames Interesse zu entdecken oder zu entwickeln, wie beispielsweise miteinander wandern zu gehen oder Vögel zu beobachten.” ― Elisabeth LaMotte, Therapeutin und Gründerin des DC Counseling & Psychotherapy Centers

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2. Politische Ansichten

“In den vergangenen zwei Jahren sah man in den Medien unzählige Berichte darüber, dass der Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton in vielen Beziehungen und Familien zu Konflikten geführt hat.

Wenn man sich das so anschaut, könnte man denken, dass unterschiedliche politische Ansichten Beziehungen auf jeden Fall zerstören. Das muss aber nicht so sein.

Ich kenne Paare, die gelernt haben, ihre politischen Differenzen zu akzeptieren, statt sich von ihnen entzweien zu lassen. Differenzen in Beziehungen sind gute Gelegenheiten, um sich in Respekt und Großzügigkeit zu üben.

Denn diese Themen können uns dabei helfen, verständnisvoller, einfühlsamer und aufgeschlossener zu werden. Und das sind wichtige Vorraussetzungen für eine gesunde und glückliche Beziehung.” ― Kurt Smith, ein auf die Beratung von Männern spezialisierter Therapeut

3. Sexuelle Vorlieben

“Du musst nicht unbedingt dieselben sexuellen Vorlieben haben wie dein Partner. Wichtig ist, dass ihr über eine gesunde emotionale Vertrauensbasis verfügt und dass ihr euch miteinander über traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit austauscht.

Wenn Paare gemeinsam an diesem Unterschied arbeiten möchten, sollten sie offen dafür sein, die Vorlieben beider Partner zu entdecken. Außerdem müssen sie bereit dazu sein, diese sexuellen Interessen auf eine Art miteinander auszuprobieren, die für beide Partner angenehm ist.

Dazu sollten beide Partner eine Liste mit ihren Vorlieben, Abneigungen und mit Dingen, die sie vielleicht einmal ausprobieren möchten, erstellen. Bei den Abneigungen sollte man nur ein paar wenige Dinge aufzählen, die absolut nicht in Frage kommen.

Anschließend sollten die Paare erst einmal über ihre sexuellen Vorlieben sprechen. Außerdem sollten sie ein Safeword vereinbaren, dass eingesetzt werden kann, falls einer der Partner irgendeine Handlung als unangenehm empfindet.

So sorgt ihr dafür, dass immer alles in gegenseitigem Einverständnis passiert. Das Wichtigste ist jedoch, dass ihr immer spielerisch an alles herangeht. Und wer weiß? Wenn dein Partner dich nächstes Mal bittet, beim Sex eine Chewbacca-Maske zu tragen, dann bist du vielleicht ja sogar offen dafür.” ― Kari Carroll, Paartherapeutin

4. Der Geschmack bei Filmen, Musik und Fernsehsendungen

“Ich bin oft überrascht darüber, wie viele Menschen glauben, den ‘Partner fürs Leben’ gefunden zu haben, bloß weil sie jemanden kennengelernt haben, der die gleichen Fernsehshows, Bands und Kinofilme mag wie sie selbst.

Das ist natürlich eine nette Überraschung, die einem zu einem einfachen Gesprächseinstieg verhilft. Der langfristige Erfolg einer Beziehung hängt jedoch von sehr viel wichtigeren Themen ab.

Dazu gehört beispielsweise die Frage, auf welche Dinge du wert legst und wie gut du kommunizieren kannst. Oder welchen Grad an Loyalität du erwartest, wie viel Zeit du für dich allein brauchst, wie verletzbar du bist und welche Liebesbeweise du dir von deinem Partner wünschst.

Es kann schon sein, dass ihr beide gerne die Serie “Game of Thrones” anschaut. Doch wenn eure Vorstellungen beim Thema Kinder und Kindererziehung jedoch meilenweit voneinander entfernt liegen, wird dies früher oder später unausweichlich zu Problemen führen.” ― Ryan Howes, Psychologe

5. Der kulturelle, religiöse oder ethnische Hintergrund

“Für Paare, die aus demselben religiösen, ethnischen oder kulturellen Umfeld stammen, fühlen sich wahrscheinlich bestimmte Aspekte der Kindererziehung vertrauter an und es müssen bei diesen Themen weniger häufig Kompromisse gefunden und Diskussionen geführt werden.

Außerdem sind diese Paare im Bezug auf ihren Lebensstil und auf ihre Methoden in der Kindererziehung seltener dem Widerstand und Druck ihrer jeweiligen Schwiegereltern ausgesetzt.

Der Prozess, seinen Kindern andere Sichtweisen, Perspektiven und Traditionen nahezubringen, kann jedoch auch sehr schön sein. Außerdem können beide Elternteile aus diesem Prozess auch sehr viel lernen und sie können daran wachsen, sich gemeinsam mit ihren religiösen, ethnischen oder kulturellen Unterschieden auseinandersetzen.” ― LaMotte

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6. Das Bedürfnis nach sozialen Kontakten

“Zwei Menschen müssen nicht unbedingt ein gleich starkes Bedürfnis nach sozialen Kontakten haben, um sich gut miteinander verstehen zu können.

Tatsächlich funktionieren viele Paare gerade deshalb so gut, weil einer der beiden Partner ein häuslicherer Typ ist, der in der gemeinsamen Festung die Stellung hält, während der andere lieber häufiger seine sozialen Kontakte pflegt.

Solange beide Partner ihre gegenseitigen Vorlieben akzeptieren und sich nicht über die Einstellung ihres Partners lustig machen oder sie herabsetzen, können introvertierte und extrovertierte Menschen durchaus gute Ehen miteinander führen.” ― Samantha Rodman, Psychologin und Flirt-Coach

7. Das Bedürfnis nach Ordnung und Organisation

“Du und dein Partner müsst nicht gezwungenermaßen gleich viel Wert auf Sauberkeit legen. Denn dieses Bedürfnis ist tatsächlich oft sehr unterschiedlich stark ausgeprägt.

Paare, die sich in meiner Praxis mit diesem Thema auseinandersetzen, müssen meist erst einmal anerkennen, dass sie in ihrer Kindheit wahrscheinlich unterschiedlich häufig im Haushalt mithelfen mussten. Und deshalb müssen sie versuchen, in diesem Punkt einen Kompromiss zu finden.

Manche Partner müssen lernen, öfter bei organisatorischen Aufgaben mit anzupacken oder regelmäßig aufzuräumen. Andere Menschen müssen hingegen lernen, dass ihr Partner bestimmte Dinge eben einfach anders macht als sie selbst.

Und deshalb sollten sie lernen, ihre perfektionistischen Erwartungen abzulegen, um die Zeit abseits vom Alltag miteinander genießen zu können. Es mag schon sein, dass das Geschirr nicht immer an seinem richtigen Platz steht. Doch nur so können Menschen etwas lernen. Und letzten Endes profitieren dann auch wirklich beide Partner davon.” ― Carroll

8. Abenteuerlust

“Es gibt viele glückliche, gesunde Paare, die im Bezug auf Reisen und Abenteuer ganz unterschiedliche Vorstellungen haben. Das muss jedoch nicht automatisch bedeuten, dass diese Beziehungen zum Scheitern verurteilt sind.

Diese Paare müssen zuerst einmal akzeptieren, dass sie unterschiedlich ticken. Und sie müssen bereit dazu sein, gegenseitig auch immer wieder einmal zurückzustecken.

Das sieht dann meist so aus, dass der abenteuerlustigere Partner seinen Indiana-Jones-Urlaub allein oder mit Freunden durchzieht. Ich kenne viele Paare, die nie zusammen verreisen, und die trotzdem eine gesunde Beziehung miteinander führen.

Denn sie kommunizieren gut miteinander und sie akzeptieren diese Unterschiede. Sie genießen ihre gemeinsame Zeit in vollen Zügen. Und der häuslichere Partner erlaubt dem reiselustigeren Partner, die hintersten Winkel der Welt auf eigene Faust zu erkunden.

Diese Paare müssen selbstverständlich etwas unternehmen, um auch während ihrer Abwesenheit voneinander ihre Beziehung zu pflegen. Dies können sie beispielsweise erreichen, indem sie häufig über FaceTime miteinander telefonieren oder sich gegenseitig Nachrichten schicken.

Doch wenn sie es schaffen, ihre Verbundenheit auch über die Distanz hinweg aufrecht zu erhalten, muss ein unterschiedlich großes Interesse am Verreisen nicht unbedingt ein Problem darstellen. Denn so kann jeder Partner seine eigenen Vorlieben ausleben und die Beziehung bleibt selbst über die Distanz hinweg stark.” ― Howes

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt