POLITIK
14/03/2019 11:32 CET

Beto O'Rourke kann Trump gefährlich werden – und das zeigt ein Problem der USA

Die HuffPost-These.

The Washington Post via Getty Images

Er hat sich lange geziert. Wochenlang, monatelang. 

Jetzt hat Beto O’Rourke endlich bestätigt, was alle wussten: Er wird sich darum bemühen, der Kandidat der Demokraten bei den Präsidentschaftswahlen 2020 zu werden. 

Damit tritt ein Loser an, Donald Trump zu besiegen. Bei den Midterms im November verlor O’Rourke die Senatswahl in Texas gegen den republikanischen Amtsinhaber Ted Cruz. Es war eine historische Niederlage – weil sie so knapp war; weil ein Mann, den im Jahr 2017 noch niemand kannte, es beinahe geschafft hatte, einen der renommiertesten Politiker der Grand Old Party (GOP) zu entmachten. 

Aber: Eben nur fast. Trotzdem lässt der Hype um O’Rourke nicht nach. Der Mann aus El Paso hat eine echte Chance bei den kommenden Vorwahlen der Demokraten. Und er könnte Donald Trump tatsächlich gefährlich werden. 

Das ist einerseits O’Rourkes politischem Geschick und Charisma zuzuschreiben. Andererseits aber auch einem grundsätzlichen Problem des politischen Systems in den USA. 

O’Rourke, der Feel-Good-Kandidat

Nichts fasst den Kandidaten O’Rourke besser zusammen als die Tatsache, dass pünktlich zum Tag der Verkündung seiner Kandidatur eine Cover-Story über ihn in der “Vanity Fair” erscheint. 

Nicht, weil die “Vanity Fair” kein ernst zunehmendes politisches Blatt wäre – spätestens seit der Trump-Präsidentschaft ist das genaue Gegenteil der Fall. Aber weil das Magazin eben eine ungewöhnliche Wahl ist, eine mit Signalwirkung: Ein O’Rourke startet den Wahlkampf nicht in der “New York Times”, der “Washington Post” oder bei “The Atlantic” – sondern in der “Vanity Fair”. 

Das ist bewusste Imagepflege eines Kandidaten, der vor allem darauf setzt, dass er ein Außenseiter ist, wie 2008 Barack Obama, nahbar, betont gelassen und, tja: cool. Einer, der mit dem Fahrrad durch El Paso fährt, oder im Drive Through Baba O’Reilly von The Who mittrommelt. 

O’Rourke ist ein Feel-Good-Kandidat, er ist sympathisch, bei Reden mitreißend und in Interviews charmant. In Zeiten, in denen der fleischgewordene Vulgarismus US-Präsident ist, kommt das bei vielen liberalen und progressiven US-Amerikanern gut an. 

► Schon bevor er seine Kandidatur verkündete, war O’Rourke bei potentiellen Wählern bei den demokratischen Vorwahlen beliebter als viele der etablierten Politiker, die ihre Kandidaturen bereits verkündet hatten. Auf dem Wettmarkt muss sich der Texaner nur dem Ex-Vizepräsidenten Joe Biden und dem Senator Bernie Sanders geschlagen geben. 

► O’Rourkes Beliebtheit ist keine leere – sie schlägt sich tatsächlich in Geld um. Für seinen Wahlkampf gegen Cruz sammelte der Demokrat nahezu 80 Millionen US-Dollar und brach dabei mehrere Rekorde. O’Rourke verließ sich zudem nicht auf das Geld großer Firmen. Die meisten seiner Einnahmen kamen durch kleine und größere Einzelspenden zusammen. 

Doch so erfolgversprechend O’Rourke als Kandidat und Wahlkämpfer auftritt, so fragwürdig ist seine Eignung als Politiker. Nicht, weil er keine Erfahrung hätte: O’Rourke war Jahrelang Mitglied der Bürgerschaft in El Paso; seit 2012 ist er Abgeordneter des Repräsentantenhauses von Texas. 

Das Problem mit O’Rourke ist ein anderes: Niemand weiß, wofür er steht. 

Mehr zum Thema: Der größte Kampf in den USA findet nicht zwischen links und rechts statt – sondern zwischen alt und jung

Die Ära des Hypes 

Zumindest nicht, wenn es um die Zukunft der USA geht. 

Der “Atlantic” schrieb unter Berufung auf Vertraute O’Rourkes, dieser wolle ein Kandidat sein, “der Amerika die Hoffnung macht, dass es besser sein kann, als die spalterische und hasserfüllte Politik gerade, dass das Land sich wieder einen kann”. Allerdings sei dem Kandidaten noch nicht klar, wie er das anstellen will. 

Tatsächlich lässt sich O’Rourke nicht politisch festlegen. Er hat den Ruf, ein “Progressiver” zu sein, er spricht sich für die Legalisierung von Marihuana zur Bekämpfung der Drogen-Kartelle, für eine liberale Migrationspolitik und ein solidarisches Gesundheitssystem aus; sein Gegner Cruz nannte ihn einen “Sozialisten”. 

O’Rourke hat aber auch Freihandelsabkommen wie die Trans-Pacific-Partnership unterstützt. Seine Ehefrau ist die Tochter des Immobilien-Milliardärs William D. Sanders, dessen umstrittene Bauprojekte O’Rourke in El Paso unterstützte

“Ich kann mit Labels nicht so viel anfangen”, sagt O’Rourke über sich und seine politischen Auffassungen. “Ich bin für jedermann.” 

Genau das ist die Stärke des Texaners. Er vermag es, Menschen für sich zu vereinnahmen, gerade weil er sich politisch nicht allzu sehr festlegt. O’Rourkes Charisma blendet. 

Genau das macht ihn gefährlich für Trump. Weil O’Rourke sich bisher einer Einordnung als linker oder moderater Demokrat verweigert, verringert er seine Angriffsfläche – und erhöht die Gruppe möglicher Wähler. 

O’Rourke stellt sich Trump nicht politisch entgegen, sondern menschlich. Er setzt dem Personenkult um den aggressiv-reaktionären US-Präsidenten seinen eigenen entgegen. 

Es ist möglich, dass O’Rourke damit Erfolg hat. Es ist genau so möglich, dass er scheitert. Doch problematisch ist der Wahlkampf des politischen Newcomers so oder so. 

Donald Trump ist dabei, die USA zu entpolitisieren. Er baut systematisch den Staat zurück, er gefährdet die Institutionen der Demokratie. Die Vereinigten Staaten brauchen Präsidentschaftskandidaten, die dem etwas entgegensetzen können.  

Mehr, als bloße Inspiration. Sondern echte Politik. 

(ll)