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10/09/2018 14:24 CEST | Aktualisiert 11/09/2018 10:10 CEST

Ich bin die bestbezahlte Sexarbeiterin Amerikas – das ist mein Geheimnis

In etwas die beste zu sein, bedeutet harte Arbeit.

Ich bin Alice Little – eine irischstämmige Frau in den 20ern, zierlich, 1,43 Meter groß und rothaarig. Ich habe mehrere College-Abschlüsse, liebe Pferde und bin so oft wie möglich in der Natur. Dass ich eine Sexarbeiterin bin – und noch dazu eine sehr erfolgreiche – können die Leute meist kaum glauben, wenn sie mich kennenlernen.

Oben im Video erzählt Alice Little, was in ihrer Branche erlaubt ist und was nicht.

Ich gehe sehr offen mit meiner Berufswahl um. Ich arbeite auf der Moonlite Bunny Ranch in Nevada, wo Sexarbeit legal ist. Es ist mein Traumjob, wirklich.

Die wenigsten Menschen können sich jedoch vorstellen, dass ich diesen Job freiwillig gewählt habe. In den Köpfen existiert ein festes Bild von Sexarbeiterinnen: Frauen, die keine andere Wahl hatten. Menschen, in deren Leben etwas schief gegangen ist. Wer würde sich schon freiwillig für Sex bezahlen lassen? Es gibt immer noch so viele Vorurteile rund um das Thema Sexarbeit.

Polyamorie ist etwas völlig Natürliches 

Ich bin glücklich in meinem Beruf, weil er einfach perfekt zu mir passt: Ich war immer schon ein sehr offener Mensch, dem es nie schwer gefallen ist, auf andere zuzugehen. Zwischenmenschliche Beziehungen haben mich seit jeher fasziniert. Nach meiner ersten richtigen Beziehung mit einer Frau kam ich zu der Erkenntnis, dass es mir sehr leicht fällt, zur gleichen Zeit Gefühle für viele verschiedene Menschen zu entwickeln.

Ich recherchierte, las verschiedene Bücher und kam zu der Erkenntnis, dass Polyamorie etwas völlig Natürliches ist. Natürlicher als Monogamie, wenn man es aus evolutionsbiologischer Sicht betrachtet. Ein Zustand also, für den man sich keinesfalls schämen muss.

Nach dem College fiel es mir zunächst schwer, einen passenden Job zu finden. Die meisten Berufe interessierten mich nicht. Ich suchte nach einer Aufgabe, die mich wirklich erfüllen würde. Ich wollte etwas Bedeutsames und Wertvolles tun, etwas, das den Menschen wirklich helfen könnte.

Schließlich fand ich die Moonlight Bunny Ranch. Es war eigentlich nur als Experiment gedacht: Ich wollte herausfinden, wie sich Sexarbeit für mich anfühlt. Heute, mehr als zwei Jahre später, bin ich immer noch hier. Und ich bin glücklich.

“Ich tue viel mehr, als nur mit meinen Kunden zu schlafen.”

Denn meine Arbeit macht Menschen glücklich. Manchen Kunden helfe ich, über den Verlust eines Partners hinwegzukommen. Anderen nehme ich ihre Ängste. Ich helfe Paaren, eine neue Romantik in ihrer Beziehung zu entdecken. Ich ermögliche behinderten Menschen eine romantische oder sexuelle Erfahrung, die sie sonst nicht machen könnten. Ich betreibe sexuelle Aufklärung und gebe sogar Dating-Tipps.

Ich tue viel mehr, als nur mit meinen Kunden zu schlafen. Die meisten Menschen suchen nach Intimität und Enthusiasmus – nicht nach Sex, wenn sie zu mir kommen. Viele Männer wünschen sich eher ein tolles Date mit Küssen, bei dem sie das Gefühl haben, wirklich von einer Frau verführt zu werden, als eine reine sexuelle Begegnung.

Ich finde, es ist ein wirklich nobler Job. Deshalb ist es mehr als schade, dass Sexarbeiterinnen derartig stigmatisiert werden. Die Menschen glauben, dass Frauen ihren Wert verlieren, wenn sie sexuell aggressiv sind. Und Sexarbeiterinnen werden ohnehin von allen Seiten attackiert. Gläubige Konservative, Gesetzgeber, die gesellschaftliche Wahrnehmung im Allgemeinen – es ist nicht immer einfach, dem ständigen Gegenwind zu trotzen.

Ich nehme meinen Job ernst und arbeite hart

Wenn ich zum Arzt gehe, habe ich mit meiner Berufswahl zu kämpfen. Mir wäre einmal beinahe der Blinddarm geplatzt, nur weil die Ärzte darauf bestanden, mich auf Geschlechtskrankheiten zu testen, anstatt auf meine Schilderung der Symptome zu hören. Meine Bank sagte mir, dass mein Geld nicht sicher sei – wegen der Industrie, in der ich arbeite. Ich bin eine legal arbeitende Bürgerin, die ihre Steuern bezahlt und das ist wirklich sehr frustrierend.

Ich nehme meinen Job sehr ernst und ich arbeite hart. Ich bin die bestbezahlte Sexarbeiterin Amerikas, weil ich mein Geschäft sehr professionell betreibe. Das ist keine Teilzeitbeschäftigung oder ein Hobby. Es ist ein Full-Time-Job und ich nehme ihn so ernst, als wäre ich CEO eines Unternehmens.

Das bedeutet eine extrem hohe Social-Media-Aktivität, Reichweitenaufbau, Marketing, geschäftliche Meetings, Präsentationen und Kundenbindungsstrategien! Ich habe einen Buchhalter, einen Webmaster, zwei Assistenten, die mir mit Reichweiten-Generierung und Fotoshootings helfen und drei Fotografen. In meinem Bücherregal stehen mehr als 50 Titel zum Thema Sales und mehr als 150 Bücher zum Thema Sex.

Ich arbeite mehr als 70 Stunden die Woche und zu meiner Arbeit gehört es auch, Artikel zu schreiben, Interviews zu geben, in Podcasts aufzutauchen und vieles mehr. Letztes Jahr habe ich fast 270.000 Dollar verdient und plane, mein Gehalt dieses Jahr zu verdoppeln.

In etwas die beste zu sein, bedeutet harte Arbeit. Und wer hart arbeitet, tut gut daran, seinen Job zu lieben. Ich werde meinen Beruf weiter ausüben, solange er mir wertvoll und bereichernd erscheint. Später einmal möchte ich mich nur noch auf sexuelle Aufklärung und Beziehungen konzentrieren.

Der Text wurde von Gina Louisa Metzler aufgezeichnet. 

(ame)