POLITIK
20/12/2018 11:03 CET

AfD: Schulleiter geht gegen Lehrer-Pranger der Partei vor – nun wird er bedroht

Die Polizei ermittelt.

NurPhoto via Getty Images
  • Bereits vor einigen Monaten hat die Berliner AfD ein Beschwerdeportal eingerichtet.
  • Weil sich ein Berliner Schulleiter gegen das Portal stellt, wird er jetzt angefeindet.

Seit rund zwei Monaten ist das umstrittene Beschwerdeportal der Berliner AfD online.

Weil sich ein Berliner Schulleiter offensiv gegen das Portal einsetzt hat, er Anfeindungen in Form “herabwürdigender Briefe” bekommen.

Wie die “Berliner Zeitung” berichtete, sei das Steglitzer Fichtenberg-Gymnasium seit Monatsbeginn durch drei Plakate und anonyme Schreiben angefeindet und verleumdet worden. 

Schulleiter Andreas Steiner und das Kollegium haben daraufhin Strafanzeige wegen Sachbeschädigung mit politischem Hintergrund gestellt, wie es weiter heißt. Die Polizei hat die Vorfälle bestätigt und Ermittlungen aufgenommen.

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“Linkspopulistische Gedankenschmiede”

Laut der Zeitung haben in der Nacht zum Freitag vergangener Woche Unbekannte in der Nähe der Schule an die 20 Briefe angebracht, die sich direkt an Steiner und das Lehrerkollegium richten.

Darin soll es heißen:

“Sollten Sie wiederholt versuchen, sich hinter Ihrer Tugendprahlerei zu verstecken ... müsste für jeden Schüler deutlich werden, um was für eine linkspopulistische Gedankenschmiede es sich bei ihrer Schule handelt.“

Wie es weiter hieß, sei die Schule auch als “ideologischer Multiplikator linker Dogmen” bezeichnet worden. Am Ende des Briefes werde der Schulleiter angesprochen: “Heil A. Steiner, dem antirassistischen Schulführer!”. 

Eine “Spitzelplattform”

Die AfD will mit dem Portal Schülern ermöglichen, sich anonym über Fälle “gezielter Beeinflussung im Unterricht” durch ein “politisch einseitiges Weltbild” zu beschweren.

Doch Kritiker sehen hinter der Initiative “Neutrale Schule Berlin” eine “Spitzelplattform” – also vor allem ein Projekt zur Diffamierung von Lehrern. Einen Pranger.

Doch die Lehrer setzen sich zur Wehr: Rund 2000 von ihnen aus 120 Schulen sollen bereits aus Protest “Selbstanzeigen” unterschrieben haben, wie der “Tagesspiegel” berichtete.

(jkl)