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18/03/2018 11:54 CET

Berlin: Obdachloser wird direkt zweimal hintereinander überfallen

Beim zweiten Mal wurden die Täter richtig aggressiv.

dpa
Obdachlose in Deutschland leben in ständiger Gefahr.
  • Ein Obdachloser in Berlin wurde innerhalb weniger Stunden direkt zweimal nacheinander überfallen
  • Die Tat zeigt, wie die Gewalt gegen die ärmsten Menschen in Deutschland steigt

Einen armen und wehrlosen Menschen zu überfallen, ist schon an sich eine schreckliche Tat. Anscheinend war das einem Verbrecher-Duo aus Berlin jedoch nicht genug.

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, soll ein 24-jähriger Mann zusammen mit einem 14-jährigen Komplizen in der Nacht zum Samstag einen Obdachlosen überfallen haben. Das Überfallopfer soll im Wartebereich des Berliner Bahnhofs Zoologischer Garten geschlafen haben, als die beiden ihn entdeckten.

Sie nahmen ihm fast alle seine Wertsachen ab – doch damit gaben sie sich nicht zufrieden.

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Wenige Stunden später überfielen sie den Mann wohl ein zweites Mal. Diesmal sollen sie ihn mit Reizgas besprüht und ihm auch noch das Handy gestohlen haben.

Während ihres zweiten Delikts wurden sie jedoch beobachtet und die Polizei konnte die Tatverdächtigen festnehmen.

In Deutschland ist Gewalt gegen Obdachlose keine Seltenheit

Nach einem Bericht der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe (BAGW) hat sich die Gewalt nicht wohnungsloser Menschen auf Wohnungslose seit 2010 mehr als verdoppelt.

Mindestens 17 Todesopfer habe es allein im Jahr 2016 durch Gewalt gegen Wohnungslose gegeben, außerdem 128 bekannt gewordene Körperverletzungen, Vergewaltigungen, Raubüberfälle und bewaffnete Drohungen.

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Der Statistik zufolge hat sich die Gewalt nicht wohnungsloser Menschen auf Wohnungslose seit 2010 mehr als verdoppelt.

Die Ärmsten in Deutschland leben gefährlich 

Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, da die Arbeitsgemeinschaft lediglich die Fälle zählt, die auch in den Medien auftauchen und viele Delikte erst gar nicht zur Anzeige kommen.

Doch allein die von verschiedenen Medien dokumentierten Fälle machen klar, wie sehr sich die Lage der Menschen verschlimmert:

Fälle wie der von Heiligabend 2016, als Jugendliche Flüchtlinge versucht hatten, einen Obdachlosen an der Berliner U-Bahn Haltestelle Schönleinstraße anzuzünden, sind dabei nur die Bekanntesten.

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Erst Anfang November wurde ein Obdachloser am Münchner Hauptbahnhof angezündet, nachdem die Täter Fotos mit ihm gemacht hatten.

Am 9. November erlitt ein Obdachloser schwere Verletzungen, als er von einem Unbekannten verprügelt und anschließend unter Paletten und Steinen lebendig begraben wurde.

Die Täter in dem aktuellen Fall vom Bahnhof Zoologischer Garten müssen sich jetzt vor Gericht verantworten. Die Gewalt gegen die Ärmsten auf deutschen Straßen wird dadurch jedoch kaum zurückgehen.

(jn)