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14/06/2018 16:50 CEST | Aktualisiert 30/07/2018 22:41 CEST

Mord an Karin Rieck: Seit 25 Jahren rätselt Deutschland über diesen Cold Case

Mögliche Hinweise werden mit 5.000 Euro belohnt.

Im Video oben seht ihr, wieviele Straftaten in Deutschland pro Jahr begangen werden.

Die Scheinwerfer tauchen Berlins dunkle Straßen in ein gelbliches Licht - langsam nähert sich Günter seiner Wohnung in der Bernerstraße 45. Er ist erschöpft, er war den vorherigen Tag in Hamburg auf einer Dienstreise unterwegs.

Vorsichtig manövriert er das Auto in eine freie Parklücke vor dem Wohnhaus, schaltet den Motor aus, atmet noch einmal tief durch.

Sein Blick wandert zu den Fenstern seiner Wohnung, das Licht brennt noch. Karin ist also noch nicht in ihrer Bar.

Vor einem Jahr ist Günter bei Karin eingezogen. Anfangs lief die Beziehung gut, dann kam es immer häufiger zu Auseinandersetzungen. Erst einen Tag zuvor haben die beiden sich wieder gestritten: Karin will nun, dass Günter auszieht. Vielleicht kann er sie noch einmal von sich überzeugen, ihr gut zureden.

Günter betritt das Treppenhaus, läuft hoch zu ihrer noch gemeinsamen Wohnung. In seinem Kopf legt er schon einmal zurecht, was er Karin sagen will: dass es ihm leidtut. Dass sie es doch noch einmal versuchen können. Langsam sperrt er die Wohnungstür auf.

“Hallo?”

Er läuft durch die Wohnung. Das Wohnzimmer ist leer, die Küche auch. Vielleicht hat Karin sich vor ihrer Bar-Schicht noch einmal hingelegt, schließlich steht ihr auch heute wieder eine lange Nacht bevor.

“Karin?”

Er betritt das Schlafzimmer, schreckt dann zurück. Erst entdeckt er Karins leblosen Körper, dann die große, angetrocknete Blutlache, die sich um ihren Kopf sammelt.

Karin ist tot. 

LKA Berlin
Karin Rieck: 25 Jahre nach ihrem Tod versucht die 5. Mordkommission des Landeskriminalamts (LKA) Berlin erneut, den Fall aufzuklären.

Über 25 Jahre später konnte der Mord an Karin Rieck nicht aufgeklärt werden

Es ist der 27. Oktober 1992, als Günter die Leiche seiner Lebensgefährtin Karin Rieck findet - Todesursache: Kopfschuss. Die Mordwaffe: verschwunden. Der Täter: bis heute unbekannt.

Keiner der Nachbarn hat einen Schuss gehört, die Wohnung weist keine Einbruchspuren auf.

Nun, mehr als 25 Jahre später, versucht die 5. Mordkommission des Landeskriminalamts (LKA) Berlin erneut, den Fall aufzuklären.

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Gleich nachdem Günter die Leiche seiner Lebensgefährtin findet, ruft er die Feuerwehr, kurz darauf wählt er die Nummer von Karins Tochter. Günter wirkt panisch am Telefon, er weint, irgendetwas ist passiert - vielleicht hatte ihre 50-jährige Mutter einen Unfall?

Es muss etwas Schlimmes sein, so viel hat Karins Tochter verstanden.

Als die 24-Jährige bei der Wohnung ihrer Mutter eintrifft, hat sich bereits eine Menschenmenge vor dem Gebäude versammelt: Feuerwehr, Polizei, Nachbarn, Schaulustige.

Die Tochter zwängt sich an den Umherstehenden vorbei, will in die Wohnung, um nach ihrer Mutter zu sehen.

Zwei Beamte halten sie an der Tür zurück - warum darf sie nicht rein? Was ist passiert? Karins Tochter ist völlig verwirrt, dann erreicht sie die Nachricht vom Tod ihrer Mutter. Sie bricht zusammen.

“Karins Atelier“ war ein Geheimtipp in der Nachtszene

Die junge Frau kennt Karin als lebensbejahende, herzliche Frau, deren Herz voll und ganz für die Gastronomie schlägt: In “Karins Atelier”, einer Bar in Berlin-Halensee, schätzen die Gäste vor allem die freundliche, aber private Atmosphäre.

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1985 hat Karin ihre Bar eröffnet, seitdem ist sie zu einem Geheimtipp unter Kunstschaffenden, Politikern und Unternehmern geworden. Karins Motto ist: Der Tresen muss nicht aus Marmor sein, ein paar einfache Holzkisten tun es auch. Solange man die Menschen freundlich begrüßt.

Von Karins Doppelleben wusste ihre Tochter nicht viel: Sie hat sie vor allem als fürsorgliche Mutter kennengelernt. Dass Karin als Gastronomin und lebenslustige Frau fest im Nachtleben verankert ist, war ihr natürlich bewusst - dass zu einer bestimmten Uhrzeit die Bar manchmal von innen abgeschlossen wurde, während drinnen die Party weiterging und vielleicht mehr als nur Alkohol konsumiert wurde, wusste sie nicht.

Hatte Karin Rieck Feinde?

Dennoch ist der Tochter nicht bekannt, ob ihre Mutter Feinde hatte. Ob sie vielleicht um Schutzgelder erpresst worden ist. Ob sie in Rauschgifthandel verwickelt war. Karins Tochter ist hilflos, weil sie der Polizei scheinbar keine Anhaltspunkte liefern kann.

Nur einmal wurde Karin nachts in der Bar von einem Unbekannten angerufen, der ein Schutzgeld von ihr forderte. Da Karin unangenehme Begebenheiten generell nicht an die große Glocke hing, ist unklar, ob es wirklich nur bei diesem einen Anruf geblieben ist.

War der Mord an Karin Rieck vielleicht der Racheakt eines Erpressers? Warum allerdings sollte man die Person umbringen, die man versucht, zu erpressen?

Auch ein Raubmord kann ausgeschlossen werden. Karin verwahrte zwar regelmäßig größere Geldsummen zu Hause, allein ihr Wechselgeld-Portemonnaie für die Bar beinhaltete bis zu 1.000 DM in kleinen Scheinen und Münzen. Daneben versteckte sie an weiteren Stellen in der Wohnung Bargeld.

Jedoch wies die Wohnung weder Einbruchs- noch Durchsuchungsspuren auf. Auch ließen sich an ihrer Leiche keine Kampfspuren feststellen.

Womöglich kannte Karin ihren Mörder und hat ihn sehr wahrscheinlich eigenhändig in die Wohnung gelassen.

Fakt ist: Der Mörder handelte sehr professionell und zielstrebig. Nur ein einziges Detail entging ihm:

► Das Projektil der Waffe, eine Walter P38, verrät, dass sie nicht zum ersten Mal genutzt worden ist.

► So wurde die Waffe am 8. September 1991 bei einem Einbruch in ein Juweliergeschäft am Kudamm verwendet: Der Dieb schoss durchs Schaufenster und entnahm die Ware aus der Auslage.

► Ähnlich verlief ein weiterer Einbruch am 3. Februar 1992 bei einem Antiquitätengeschäft in der Passauerstraße.

LKA Berlin / ZDF
Eine Walther P38, wie sie für den Mord an Karin Rieck verwendet wurde.

Der Einbrecher von Damals könnte den Mordfall heute aufklären

Die Polizei nimmt an, dass es sich bei Einbrecher und Mörder nicht um dieselbe Person handelt, sondern dass die Tatwaffe weitergegeben wurde. Der Einbrecher wird laut Zeugen beschrieben als junger Mann, etwa 1,70 Meter groß, mit kurzgeschorenen blonden Haaren, Raucher. Besonders auffällig war sein hinkender Gang.

Nun hofft das Landeskriminalamt Berlin: Wenn der Dieb von Damals auftaucht, könnte er wichtige Hinweise zum Mord an Karin Rieck liefern. Die Einbrüche sind mittlerweile verjährt, der Dieb könnte sich also bei der Polizei melden, ohne, dass ihm rechtliche Konsequenzen drohen.

Mögliche Hinweise werden mit 5.000 Euro belohnt.

Im Gegensatz zu den Einbrüchen verjährt Mord allerdings nicht. So wird das Landeskriminalamt Berlin weiterhin nach dem Mörder Karin Riecks fahnden - in der Hoffnung, nach über 25 Jahren auch diesen Fall aufklären zu können.

Kennen Sie jemanden, auf den die Beschreibung des Einbrechers zutrifft oder wissen weitere Informationen zum Mordfall Karin Rieck? Ein Hinweis von Ihnen könnte den Ermittlern helfen, den Fall abzuschließen.

Melden können Sie Ihre Hinweise bei der Kripo Berlin (Tel.: 030 4664 91155) oder bei Ihrer ortsansässigen Polizeidienststelle.

Über den Fall berichtete die Sendung “Aktenzeichen XY” am 13.06.2018 im ZDF. Hier könnt ihr die Folge sehen.

(kr/tb)