POLITIK
27/02/2018 13:08 CET | Aktualisiert 27/02/2018 17:51 CET

Berliner will sich aus Armut befreien - doch das Jobcenter hat andere Pläne

"Ich würde so gern wieder auf eigenen Füßen stehen, doch das Jobcenter lässt mich nicht arbeiten"

  • Der Berliner Ex-Obdachlose Andreas H. würde am liebsten sofort wieder arbeiten
  • Doch das Arbeitsamt macht ihm einen Strich durch die Rechnung
  • Im Video oben: Wie Jobcenter Hartz-IV-Empfänger im Stich lassen

Andreas H. könnte als Beispiel dafür gelten, wie man sich aus einer schwierigen Situation selbst retten kann.

Denn der Berliner hat sich aus der Alkoholsucht und aus der Obdachlosigkeit in einen geregelten Alltag zurückgekämpft.

“Ich war wirklich ganz unten angekommen, dass ich hier sitze, ist wie ein Wunder”, erklärt Andreas H. der “Berliner Zeitung”.

Wie das Blatt berichtet, soll der ehemalige Webdesigner früher pro Tag drei Flaschen Wodka getrunken haben. Er verlor Frau und Wohnung, bettelte und schlief abwechselnd unter Brücken und in einem Zelt in der Nähe des Kanzleramts.

Das klassische Leben eines Mannes, der den Anschluss zur Gesellschaft verloren hat.

“Ich möchte niemandem auf der Tasche liegen”

Eine strenge Entgiftungskur half ihm wieder Fuß zu fassen. Inzwischen lebt der 48-Jährige in einem Übergangswohnheim für ehemalige Obdachloser und Alkoholiker.

Denn seit über einem Jahr ist Andreas H. trocken. Mit dem Verkauf einer Obdachlosenzeitung verdient er sich etwas Geld dazu. “Ich möchte niemandem auf der Tasche liegen”, erklärt er der “B.Z.”.

Am liebsten würde er sich selbstständig machen und seiner ursprünglichen Arbeit als freiberuflicher Webdesigner wieder nachgehen. Doch das Jobcenter lässt ihn nicht.

Denn für die Beamten ist der 48-Jährige immer noch Alkoholiker - trotz einem Jahr Abstinenz. “Ich würde so gern wieder auf eigenen Füßen stehen“, sagt Andreas H., “aber das Jobcenter lässt mich nicht arbeiten.“

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Der Grund: Ein Amtsarzt urteilte, der Ex-Obdachlose sei nur drei Stunden am Tag fähig zu arbeiten.

Das Arbeitsamt möchte Andreas H. aufgrund dieses Gutachtens zu einer Therapie zwingen - und dass, obwohl er motiviert ist, sich selbstständig zu machen und wieder zu arbeiten.

“Ich habe im letzten Jahr gezeigt, dass ich trocken bin”, erklärt der 48-Jährige der “B.Z.”. Ich werde einfach als Alki abgestempelt.“

Der Zeitung zufolge, möchte sich das Jobcenter zu den Vorwürfen nicht äußern. Andreas H. hat gegen die Entscheidung des Arbeitsamts Einspruch eingelegt. Für ihn geht der Kampf also weiter.

(tb)