POLITIK
11/06/2018 13:00 CEST | Aktualisiert 11/06/2018 17:42 CEST

Nordkorea: US-Experte bekam Zugang zu Atomprogamm – und war "von den Socken"

"Sie wollten uns ihre Möglichkeiten zeigen."

  • Der US-Wissenschaftler Siegfried Hecker hat als einer von wenigen Ausländern das nordkoreanische Programm zur Urananreicherung gesehen.
  • Seine jüngsten Erkenntnisse hätten ihn dabei “aus den Socken gehauen”.
  • Im Video oben: “Atomwaffen-Knopf” auf Schreibtisch – Kim Jong-un droht USA mit Atombombe.

Siegfried Hecker, renommierter Professor an der US-Universität Stanford, hat als einer von wenigen ausländischen Wissenschaftlern die nordkoreanische Urananreicherung besichtigen dürfen.

Was er dort sah, habe ihn “aus den Socken gehauen”, wie der langjährige Direktor der Kernforschungs-Einrichtung Los Alamos National Laboratory jetzt in einem Podcast des US-Magazins “Foreign Policy” (FP) verriet.   

Was hat Hecker in Nordkorea gesehen?

Hecker berichtet von seinem letzten Nordkorea-Besuch im Jahr 2010 – insgesamt seien es sieben gewesen, wie er gegenüber “FP” erklärt.

Dort habe er eine ”äußerst bemerkenswerte” Einrichtung zur Unrananreicherung besucht. Vor Ort sei ihm dann “der Mund offen stehen” geblieben: “Ich fand nicht die erwartet veraltete Technik vor, sondern einen hochtechnisierten Komplex mit 2000 modernsten Zentrifugen.”

Die nordkoreanischen Wissenschaftler vor Ort hätten ihm “freundlich und professionell” sämtliche grundsätzlichen Fragen zu ihrer Arbeit beantwortet – auf tiefergehende Details allerdings nicht eingehen wollen beziehungsweise dürfen.

Welche Schlüsse zieht der US-Wissenschaftler aus seinen Beobachtungen?

Hecker sei nach eigener Aussage ”überrascht” darüber gewesen, solch einen Stand der Technik vorzufinden. 

Warum er Zutritt zur Einrichtung bekommen hat? “Ich glaube, sie wollten uns ihre Möglichkeiten vor Augen führen” – und den Rest der Welt zudem darüber im Unklaren lassen, “wie viele weitere Urananreicherung sie wo im Lande” durchführen würden.

Aufgrund des aktuellen Sachstandes glaube er persönlich jedoch nicht, dass Nordkorea bereits so weit sei, das US-amerikanische Festland mit seinen Flugkörpern zu erreichen, sagte Hecker der “FP”.

Welche Lösungen sieht Hecker für den Nuklearstreit mit Nordkorea?

Man müsse neben der Technik insbesondere “das Land und seine Kultur als solche verstehen”, meint der Stanford-Professor, der sich hinsichtlich Nordkorea nicht als Inspektor, sondern “Vermittler” verstanden sehen möchte.

“Sie werden nicht abrüsten, bevor sie sich nicht sicher fühlen”, sagt Hecker über den ostasiatischen Staat. Dieser Prozess der gegenseitigen Vertrauensherstellung dürfe jedoch nicht übers Knie gebrochen werden, sondern benötige seiner Meinung nach “sechs bis zehn Jahre”. 

Von dem am morgigen Dienstag stattfindenden Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-un erhoffe er sich, dass die beiden Staatsoberhäupter eine “Zusammenkunft auf höchster Ebene” erzielen und ein “gemeinsames Ziel” festlegen, auf das in der Folge hingearbeitet werden kann

(jg)