LIFE
07/03/2019 23:47 CET

Bekenntnis eines Mannes: Warum Frauen die besseren Freunde sind

Seit Jahren fahre ich sehr gut mit einem überwiegend weiblichen Freundeskreis – aller Vorurteile zum Trotz.

DisobeyArt via Getty Images
Laut Umfragen glaubt eine Mehrheit daran, dass Freundschaften zwischen Frauen und Männern immer romantisch motiviert sind. 

Kürzlich habe ich meinen Job gewechselt. Die neuen Kollegen sind natürlich nett und kompetent, die Arbeit ist wirklich interessant. Doch auf Anhieb fühlte sich der neue Job etwas merkwürdig an. Dabei hatte ich nur das Team gewechselt. Die Firma, das Bürogebäude und ja sogar die Kaffeemaschine sind die gleichen.

Ich überlegte: Der größte Unterschied war wohl, dass man neues Team fast ausschließlich aus Männern bestand. In meinem alten Redaktions-Team arbeiteten vor allem Frauen.

Frauen lachen mehr

Die Frauen, mit denen ich bisher gearbeitet hatte, legten sehr viel Wert darauf, sich untereinander abzusprechen, Aufgaben zu verteilen und einander zu unterstützen und sich abzustimmen. Sie aßen gern zusammen Mittag und redeten über ihre Urlaube und ihr Wochenende. Allgemein sprachen sie viel miteinander – nicht nur über ihren Job – und lachten viel zusammen.

Meine neuen Kollegen sprechen generell weniger miteinander und wenn sie es tun, sprechen sie vor allem über die Arbeit. Das hätte ich natürlich höchst professionell finden können, aber eigentlich ich vermisste meine Kolleginnen.

Zum ersten Mal in meinem Leben merkte ich, dass ich auch im professionellen Kontext mit Frauen einfach besser kann.

Vorurteile gegen Freundschaften zwischen Männern und Frauen

Ich hatte schon lange bemerkt, dass ich vor allem weibliche Freunde hatte – ungewöhnlich für einen heterosexuellen Mann. Und gelinde gesagt ungewöhnlich fanden das auch immer meine Partnerinnen. Dann musste ich erzählen:

Meine besten Sandkasten-Freundinnen waren Mädchen, im Kindergarten und der Grundschule malte, las und quatschte ich lieber mit den Mädchen anstatt Fußball zu spielen und ab der fünften Klasse war es dann besiegelt: Mein humanistisches Gymnasium wurde bestimmt zu Dreivierteln von Mädchen besucht. 

Die Jungs, die das benachbarte technische Gymnasium besuchten, nannten meine Schule tatsächlich auch “Mädchenschule”. In der Unterstufe noch mit Verachtung, spätestens ab der Oberstufe dann mit gewissem Neid und Bewunderung. 

Klatschen statt Bolzen

Meine wenigen männlichen Mitschüler bolzten größtenteils bis zum Abitur in den Pausen auf dem Schulhof. Fußball und das permanente Gequatsche darüber konnte ich nie wirklich ertragen. Ich verbrachte meine Pausen lieber mit meinen Freundinnen – mit Pausenbrot, Klatsch und Last-Minute-Hausaufgaben.

Später studierte ich Journalismus. Wieder überwiegend mit Frauen. Als ich anfing, neben dem Studium zu arbeiten, war ich der einzige Mann in einem reinen Frauen-Team. Als Kollegen und Freunde mich fragten, wie ich denn damit zurecht käme, merkte ich, dass mir das ungleiche Geschlechterverhältnis nie wirklich aufgefallen war. 

Ich fühlte mich unter Frauen einfach wohl. Klar war ich es wohl auch einfach gewohnt, doch ich fragte mich schon lange, warum das so ist. Mediale Vorbilder für die Freundschaft von Mann und Frau gibt es keine. Sie gelten immer noch als ungewöhnlich. 

Freundschaft ist oft besser als Beziehung

Das merkte ich besonders an den Reaktionen meiner Partnerinnen. Denn die Protagonisten meiner persönlichen Erzählungen waren fast immer Frauen. Und meine Partnerinnen wurden misstrauisch.

Denn laut einer Umfrage der Universität Alabama aus dem Jahr 2015 glaubt eine 63-prozentige Mehrheit immer noch daran, dass gemischtgeschlechtliche Freundschaften immer etwas mit romantischem Interesse zu haben. 

Das ist problematisch. Denn diese Einstellung behindert echte Freundschaften zwischen Männern und Frauen.

Und ich bin mir der platonischen Freundschaft meiner langjährigen Schulfreundinnen, meiner Mitbewohnerinnen oder meiner Kolleginnen sehr sicher. Zu keiner fühle ich mich romantisch hingezogen oder kann mir gar eine Liebesbeziehung vorstellen. 

Ich habe Männer- und Frauenfreundschaften

Dafür habe ich mich nie bewusst entschieden. Ich glaube, ich bin es im Unterschied zu vielen anderen Männern einfach gewohnt, meine Freundinnen und Kolleginnen primär als Mitmenschen zu sehen und eben nicht zuerst als potentiellen Sexualpartner. 

Trotzdem habe ich natürlich auch sehr gute männliche Freunde und Kollegen. Mit ihnen rede ich über Autos, trinke Bier, grille, heimwerkle und gehe ins Fitness-Studio – Klischee-Männersachen eben. Und langsam lerne ich auch die Ruhe und Struktur in meinem neuen Männer-Team zu schätzen. Bei reinen Männer-Veranstaltungen, bei denen es meistens in irgendeiner Form um Fußball geht, fühle ich mich trotzdem noch immer nicht zuhause.

Statt Bundesliga zu schauen oder Fußball-Videospiele zu daddeln, gehe ich lieber mit einer meiner Freundinnen oder meiner Partnerin in ein schönes Café, esse entspannt eine Blaubeer-Tarte und wir zeigen uns gegenseitig süße Katzen, hübsche Frauen und Memes auf dem Smartphone – oh, und ich liebe Online-Shopping

Ich danke euch Frauen

Zwar können Freundschaften zu Frauen auch anstrengender sein, weil ich merke, dass Frauen tatsächlich öfter emotionale Unterstützung oder Beratung brauchen, aber unterm Strich fahre ich seit Jahren sehr gut mit meinem überwiegend weiblichen Freundeskreis.

Dafür will ich euch Frauen danke sagen: Ich bewundere euch für eure Offenheit in emotionalen und persönlichen Fragen und eure Fähigkeit, euch gegenseitig zu unterstützen und zu koordinieren.

Danke, dass ich das von euch lernen durfte und danke dafür, was ihr mir über das Leben, seine Schönheit, die Freude daran und Freundschaft vorgelebt habt.

 (ak)