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04/06/2018 16:40 CEST | Aktualisiert 04/06/2018 16:40 CEST

Bei den Benediktinern von Memleben

Die Szenerie könnte aus Umberto Ecos Film Der Name der Rose stammen.

© Copyright Karl-Heinz Hänel
im Kloster Memleben

Zu Ruinen verfallene Kirchenmauern, verblichene Wandmalereien an Pfeilern, Säulen und Bögen

© Copyright Karl-Heinz Hänel
Krypta im Kloster Memleben

und eine dunkle, nur spärlich von Kerzen und Tageslicht aus schmalen Fensterluken erhellte Krypta, in der sich die Mönche zum Gebet versammeln.

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im Kloster Memleben

Aber es gibt längst keine Benediktiner in Memleben mehr, einem stillen Flecken im Tal der Unstrut unweit der Domstadt Naumburg.

Wie der kleine Ort an der Unstrut europäische Geschichte schrieb.

Vom Kloster, das heute als Museum genutzt wird, ist nur noch die spätromanische Hallenkrypta original erhalten. Von Kaiser Otto II. und seiner Frau Theophanu zur Reichsabtei erhoben, spielte es im zehnten Jahrhundert eine bedeutende Rolle, wie in der ständigen Ausstellung anschaulich geschildert wird.

Ein weiteres spannendes Kapitel europäischer Geschichte schlägt die Sonderschau „Wissen + Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“ auf (bis 15. Oktober 2018).

Memleben war eins Kaiserpfalz, Raststätte der Herrscher auf ihren Visiten durch's Reich. König Heinrich I. und Kaiser Otto I. hielten mehrfach Hof. Sie starben auch beide dort. Heinrich am 2. Juli 936 und Otto am 7. Mai 973. Seine Gebeine ruhen im Magdeburger Dom. Wie sie zu Tode kamen, verschweigt die Chronik. Weitaus bedeutender und verbürgt ist die geistlich-weltliche Allianz, die Otto II. und seine bezaubernde Frau Theophanu aus Byzanz mit den Benediktinern im Kloster schmiedeten.

Die Folge: nirgendwo sonst im mittelalterlichen Reich entstanden so viele Zentren des Glaubens, der Verwaltung, Bildung und Kunst. 998 besiegelte Otto III. den Pakt und übereignete den Benediktinern in Memleben Ortschaften, Ländereien und Weinberge. Das Original der Urkunde hütet das Hessische Staatsarchiv in Marburg (Lahn). Immer mehr Bauern siedelten sich an, im Schutz der Klöster von der Leibeigenschaft und an Abgaben an die Obrigkeit befreit. Aus dieser Zeit stammt auch die Redewendung „ Unterm Krummstab ist gut leben“.

Strenge Ordensregeln bestimmten den Alltag von Mönchen und Nonnen: vier Stunden Gebet und acht Stunden Arbeit bei eisigem Schweigen und nur einer Mahlzeit vor Sonnenuntergang. Drei Fastentage wöchentlich dienten der körperlichen und spirituellen Reinigung und der Buße. Hinzu kamen die langen Zyklen der Entbehrung vor Ostern und Weihnachten, ohne Fleisch, Milchprodukte und Eiern. Nach dem Motto „Flüssiges bricht das Fasten nicht“ entwickelten sich damals die Klöster in der Kunst des Bierbrauens. Anfangs peppte noch dünnes Haferbier die Kalorienzufuhr mühsam auf.

Parallel zu „Wissen + Macht“ mit zahlreichen bisher nicht veröffentlichten Exponaten geben Zeitzeugen einen Einblick ins heutige Klosterleben. Dort weht mit Internet & Co. frischer Wind in altehrwürdigen Gemäuern.

Ein Höhepunkt verspricht der Vortrag von Medien-Pater Anselm Grün, OSB, Münsterschwarzbach, über das Leben nach den Regeln des Heiligen Benedikt (13. September). Mit den Besuchen der geistlichen Referenten zieht kurzzeitig wieder echte Klosteratmosphäre in Memleben ein.

Dann ist wieder Grund zum Feiern, wird im Refektorium Wein aus eigenem Anbau verkostet. Der Edeltropfen der PIWI-Rebe steht für Pils widerstandsfähige Sorte mit guten Erträgen. Der kleine, aber feine Weinberg erstreckt sich auf einem Grundstück weit ab außerhalb der Klostermauer.

Nach der auf 998 datierten Schenkung Otto III. soll es der älteste urkundlich belegte der Qualitätsanbauregion Saale-Unstrut sein, die 2018 den 25. Geburtstag feiert. Na, dann Prost!

Text © Copyright: Karl-Hugo Dierichs Fotos © Copyright: Karl-Heinz Hänel

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