POLITIK
16/01/2018 12:59 CET | Aktualisiert 16/01/2018 23:05 CET

Bewohner soll im Tanga posieren: Schwere Vorwürfe gegen Pfleger in Heim

Dem Heim in Halle an der Saale droht jetzt die Schließung.

Thomas Peter / Reuters
Der Bewohner des Heims in Halle an der Saale soll sexuell erniedrigt worden sein.
  • Ein Bewohner eines Heims für Menschen mit Behinderungen soll gezwungen worden sein, in einem “Borat”-Tanga zu posieren 
  • Mitarbeiter des Heims sollen andere Patienten außerdem zum Missbrauch angestiftet haben

In einem Wohnheim bei Halle an der Saale soll sich ein besonders schwerer Fall von sexueller Erniedrigung ereignet haben.

Ein Bewohner des Heims soll bei einer Art Modenschau von Mitarbeitern dazu gezwungen worden sein, einen neongrünen “Borat”-Tanga zu tragen und in demütigenden Haltungen zu posieren.

Bei einem “Borat”-Tanga handelt es sich um ein hautenges Kleidungsstück, dass lediglich den Intimbereich und die Brustwarzen bedeckt. Bekannt wurde die skurrile Bademode durch den satirischen Kinofilm “Borat” des britischen Komikers Sacha Baron Cohen.

Auch von weiteren Erniedrigungen der Bewohner, von denen Foto- und Filmaufnahmen existieren sollen, ist die Rede. Darüber berichtet unter anderem die “Mitteldeutsche Zeitung” (“MZ”).

Die Vorwürfe kommen nicht von irgendwo her.

Laut Informationen der “MZ” seien es Mitarbeiter des Heims “Siedlung am Wohnpark” in Oppin bei Halle gewesen, die das zuständige Landesverwaltungsamt über schockierende Missstände beim Umgang mit den Bewohnern unterrichtet hatten.

“Teile des Pflegepersonals haben sich uns offenbart”, sagte Denise Vopel, Sprecherin des zuständigen Landesverwaltungsamts Halle der “BILD”-Zeitung. Daraufhin habe man das Heim akribisch genau kontrolliert.

Pfleger sollen Missbrauchshandlungen angefeuert haben

Dabei sollen noch mehr Details über sexistisches und demütigendes Verhalten gegenüber der Heimbewohner ans Licht gekommen sein.

Unter Anfeuerungsrufen der Heim-Mitarbeiter sollen körperlich schwächere Patienten von stärkeren missbraucht worden sein. Andere Bewohner wurden von Pflegern gehänselt und nackt fotografiert.

Und das, obwohl Heime wie das in Oppin bei Kontrollen des Landesverwaltungsamts immer gut abschnitten. Das bestätigt laut der “Mitteldeutschen Zeitung” der Heimaufsichtbericht von 2016.

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Betreiber des Heims “Siedlung am Wohnheimpark” sind die Paritätischen Sozialwerke.

“Die Anschuldigung nehmen wir sehr ernst”, erklärte Geschäftsführer Andrik Krüger der “MZ”. Man arbeite bei der Auflösung eng mit der Polizei und dem Verwaltungsamt zusammen.

In dem Wohnheim sind rund 40 Menschen mit geistiger- oder Mehrfachbehinderung untergebracht. Sollten sich die Vorwürfe als richtig erweisen, könnte der Anlage die Schließung drohen.

(ks)